Waymo, London

Waymo in London: Lärmproteste und Sicherheitsbedenken vor Start

11.06.2026 - 10:06:58 | boerse-global.de

Waymos Robotaxi-Pläne in London geraten durch Lärmbeschwerden und Sicherheitsbedenken unter Druck. Der Wettbewerb mit Uber und Lyft verschärft sich.

Waymo-Tests in London: Anwohner-Proteste und Sicherheitsdebatte
Waymo - A white Waymo self-driving car on a narrow, cobblestone street in London's Spitalfields district at dawn, surrounded by historic buildings. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Google-Tochter Waymo treibt ihre Tests mit autonomen Fahrzeugen in London voran – doch Anwohner und Behörden schlagen Alarm. Lärmbelästigung in den frühen Morgenstunden und ein Beinahe-Unfall mit einem Radfahrer überschatten die Pläne für einen kommerziellen Start noch in diesem Jahr.

Lärm-Proteste in Spitalfields

Seit Anfang Mai 2026 beschweren sich Anwohner einer Sackgasse in der Elder Street im Londoner Stadtteil Spitalfields über nächtliche Störungen. Waymo-Testfahrzeuge fahren wiederholt in die Straße ein und führen Rangier-Manöver durch – begleitet von lauten Sirenen und Rückwärtswarntönen. Besonders brisant: Die Vorfälle ereignen sich regelmäßig gegen 4 Uhr morgens.

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Das Unternehmen entschuldigte sich sowohl im Mai als auch im Juni bei den Anwohnern. Obwohl Waymo die betroffene Route in seiner Software sperrte, nutzten die Fahrzeuge weiterhin alternative Wege in dasselbe Wohngebiet. Erst Anfang Juni eskalierte die Situation erneut: Ein Anwohner meldete einen Vorfall um 5:30 Uhr morgens.

Waymo testet derzeit rund 100 Fahrzeuge des Typs Jaguar I-Pace in einem 260 Quadratkilometer großen Gebiet in London. Der kommerzielle Start eines Robotaxi-Dienstes ist für September 2026 geplant.

Sicherheitsbedenken und fehlende Transparenz

Neben den Lärmproblemen gerät auch die Sicherheitsbilanz von Waymo unter Druck. Bei einem Beinahe-Unfall an einem Kreisverkehr im Juni 2026 musste ein menschlicher Sicherheitsfahrer eingreifen und bremsen – obwohl das autonome System den Radfahrer offenbar erkannt hatte.

Kritik kommt vor allem von Radfahrerorganisationen. Sie bemängeln die fehlende Transparenz des Unternehmens: Waymo veröffentlicht keine konkreten Daten darüber, wie oft menschliche Eingriffe während der Testfahrten nötig sind. Die Befürchtung: Zukünftige Software-Updates könnten das Fahrverhalten aggressiver machen.

Experten, die im Juni vor dem Verkehrsausschuss der Londoner Stadtverordnetenversammlung aussagten, warnten zudem vor voreiligen Vergleichen mit US-Daten. Zwar deuten Studien aus amerikanischen Städten auf eine Reduzierung der Unfälle um 80 bis 90 Prozent hin – doch die engen Straßen und die hohe Verkehrsdichte Londons seien mit US-Städten kaum vergleichbar.

Wettbewerb verschärft sich

Waymo steht unter Druck: Der Markt für autonome Taxis in London wird enger. Im Juni 2026 eröffnete Uber eine Warteliste für einen konkurrierenden Dienst – in Partnerschaft mit dem britischen Startup Wayve. Hinter dem Projekt stehen Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro von Uber, Mercedes-Benz und Stellantis. Zum Einsatz kommen sollen Ford Mustang Mach-E, der Start ist für den Sommer 2026 geplant.

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Auch Lyft und der chinesische Technologiekonzern Baidu drängen auf den Markt. Gemeinsam kündigten sie im Juni an, noch in diesem Jahr mit Tests in London zu beginnen. Baidus Plattform Apollo Go ist bereits in 27 chinesischen Städten und Dubai aktiv – und lieferte im vierten Quartal 2025 rund 3,4 Millionen Fahrten ohne menschlichen Fahrer. Das entspricht einer Steigerung von 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Lyft-Manager erklärten, die Fahrzeuge durchliefen derzeit die letzten Inspektionen. Ziel sei ein kommerzieller Start noch vor Ende 2026.

Behörden fordern unabhängige Kontrollen

Der Verkehrsausschuss der Londoner Stadtverordnetenversammlung hat eine Untersuchung zu den Auswirkungen autonomer Fahrzeuge auf Sicherheit, Arbeitsmarkt und Infrastruktur eingeleitet. In den Anhörungen im Juni warnten Wissenschaftler des University College London und der University of the West of England davor, Technologieunternehmen ihre eigenen Sicherheitsbewertungen erstellen zu lassen.

Sie forderten eine verpflichtende Weitergabe von Unfalldaten und den Einbau ethischer "Black Boxes", die alle Entscheidungen der Fahrzeuge aufzeichnen. Die britische Regierung hatte im Mai 2026 die ersten Anträge für kommerzielle autonome Fahrdienste geöffnet – ein umfassendes Selbstfahr-Gesetz wird jedoch erst 2027 erwartet.

Kritiker im Ausschuss argumentierten, die aktuelle Fixierung auf Sicherheitskennzahlen lenke von der grundlegenden Frage ab: Ob autonome Taxis überhaupt die beste Lösung für Londons Verkehrsprobleme sind.

de | wissenschaft | 69519411 |