Waymo, Robotaxis

Waymo bringt Robotaxis nach London: Erste Level-4-Taxis in Europa

18.06.2026 - 17:12:25 | boerse-global.de

Waymo bringt autonome Taxis nach London und wagt den ersten europäischen Vorstoß. Zeitgleich kämpft der Konzern mit einem Rückruf von 4.000 Fahrzeugen.

Waymo startet Robotaxi-Dienst in London trotz Rückrufaktion
Waymo - Ein futuristisches Waymo-Robotaxi fährt autonom durch eine belebte Londoner Straße in der Dämmerung, im Hintergrund ein roter Doppeldeckerbus. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Es ist der erste große Vorstoß außerhalb der USA.

Waymo hat konkrete Pläne für den Start eines kommerziellen Robotaxi-Dienstes in London vorgestellt. Der Schritt ist ein Meilenstein für die Branche: Erstmals wagt sich ein US-Anbieter mit Level-4-Autonomie auf den europäischen Markt. Die Ankündigung kommt jedoch zu einem heiklen Zeitpunkt – erst diese Woche musste das Unternehmen rund 4.000 Fahrzeuge zurückrufen.

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Sicherheitslücken und technische Pannen

Am 18. Juni 2026 leitete Waymo eine Rückrufaktion für fast 4.000 Robotaxis ein. Grund waren Softwarefehler, die dazu führten, dass die Fahrzeuge in abgesperrte Autobahnbaustellen einfuhren. Insgesamt dokumentierte das Unternehmen 13 Vorfälle dieser Art – sechs in Phoenix im April, sieben in San Francisco im Mai.

Bereits am 19. Mai hatte Waymo den Autobahnbetrieb vorläufig eingestellt, um eine technische Lösung zu entwickeln. Die US-Bundesbehörden ermitteln zudem zu weiteren Vorfällen, darunter eine Kollision mit einem Schulbus im Januar. Waymo betont, dass die eigenen Systeme bei 170 Millionen gefahrenen Kilometern deutlich weniger schwere Unfälle verursacht hätten als menschliche Fahrer.

London als Testmarkt für Europa

Die Expansion nach London ist kein Zufall. Seit Herbst 2025 testet Waymo dort mit Fahrzeugen, die speziell auf die britische Hauptstadt zugeschnitten sind: Kameras, Radar und Sensores erkennen Einsatzfahrzeuge und Handzeichen von Polizisten. Die britische Regierung hatte im Mai 2026 die Zulassung für autonome Personenbeförderung geöffnet.

Für den kommerziellen Start benötigt Waymo noch finale Genehmigungen vom Verkehrsministerium, der Straßenverkehrsbehörde DVSA und der Londoner Verkehrsbehörde TfL. Zunächst sollen nur wenige Fahrzeuge an den Start gehen. Langfristig peilt das Unternehmen einen Betrieb in mehr als 20 Städten weltweit an, darunter Tokio.

Neue Allianz gegen Waymo

Ausgerechnet auf der MOVE-2026-Konferenz in London formierte sich am 17. Juni eine schlagkräftige Konkurrenz: Stellantis, Uber und das britische Unternehmen Wayve unterzeichneten eine Absichtserklärung. Gemeinsam wollen sie Level-4-Robotaxis auf den Markt bringen – mit Stellantis-Fahrzeugen, Wayves kartenloser KI-Software und Ubers Netzwerk.

Wayve und Uber planen ebenfalls noch 2026 mit Diensten in London und Tokio zu starten. Der Ansatz von Wayve gilt als besonders vielversprechend: Die Software kommt ohne hochauflösende Karten aus und soll sich schneller in komplexen Städten skalieren lassen. Stellantis-Manager betonten, die Technologie sei inzwischen so ausgereift, dass auch Regulierer die Sicherheitsvorteile erkennen würden.

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Skepsis bei Taxifahrern und Fahrgästen

Nicht alle in London jubeln über die autonome Zukunft. Die Vereinigung der lizenzierten Taxifahrer (LTDA) zeigt sich skeptisch. Das enge Straßennetz und fehlende Regeln für querende Fußgänger seien kaum zu beherrschen. Die Zahlen geben den Fahrern recht: Die Zahl der lizenzierten Black-Cab-Fahrer sank von 22.810 im Jahr 2014 auf nur noch 14.800 im Jahr 2024.

Eine Umfrage von Startline untermauert die Vorbehalte: 65 Prozent der Befragten zögern, ein Robotaxi zu nutzen. Jeder Zweite fürchtet Unfälle. Ob Waymo diese Bedenken mit einem sicheren Betrieb in London entkräften kann, wird sich im Sommer zeigen.

Internationale Konkurrenz zieht nach

Während Waymo und Wayve auf die britische Hauptstadt setzen, sichert sich ein weiterer Player den Zugang zum europäischen Markt. Am 1. Juni 2026 erhielt Baidus Apollo Go unter dem Namen AmiGo die Level-4-Zulassung für Testfahrten in der Schweiz. Die Genehmigung deckt drei Ostkantone ab. Zunächst fährt noch ein Sicherheitsfahrer mit, ab 2027 sollen die Fahrzeuge komplett autonom unterwegs sein.

Die britische Regierung treibt die Zulassung autonomer Technologie unterdessen massiv voran. Branchenexperten rechnen damit, dass öffentliche Tests für verschiedene Dienste bereits im Frühjahr 2026 beginnen könnten. Der Wettlauf um die autonom fahrende Zukunft Europas hat längst begonnen.

de | wissenschaft | 69574032 |