Wattestäbchen im Ohr: 80 Prozent des Ohrenschmalzes werden tiefer geschoben
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie manuelle Reinigung des Gehörgangs gehört für viele Menschen zur täglichen Hygieneroutine, birgt jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken. Zahlreiche medizinische Fachberichte weisen darauf hin, dass insbesondere die Nutzung von Wattestäbchen den natürlichen Schutzmechanismus des Ohres untergräbt und Verletzungen hervorrufen kann. Anstelle einer gründlichen Säuberung führt der Einsatz dieser Hilfsmittel im Gehörgang häufig zu Verstopfungen oder Gewebeschäden.
Die Selbstreinigung des Gehörgangs und mechanische Risiken
Ohrenschmalz, in der Fachsprache Zerumen genannt, stellt keinen Schmutz dar, sondern erfüllt eine physiologische Schutz- und Schmierfunktion. Wie Fachleute der US-amerikanischen Cleveland Clinic sowie die HNO-Ärztin Jeney Baker betonen, verfügt das Sekret über antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften. Das gesunde Ohr reguliert sich weitgehend selbst: Durch Kieferbewegungen beim Kauen und Sprechen wandert die Haut des Gehörgangs nach außen.
Der japanische HNO-Arzt Keizaburo Odagiri erläutert, dass dieser Vorgang etwa vier bis fünf Wochen dauere, das Ohrenschmalz am Trommelfell beginnend nach außen transportiert werde und dort abfalle.
Wird jedoch ein Wattestäbchen eingeführt, verkehrt sich dieser Mechanismus ins Gegenteil. Dr. Syed Ahmed Khan, ehemals Leiter der Unani-Abteilung am Safdarjung Hospital in Neu-Delhi, legt dar, dass Wattestäbchen rund 80 Prozent des Sekrets tiefer in den Gang hineinschieben. Dies begünstigt die Bildung eines festen Pfropfens unmittelbar vor dem Trommelfell.
Berichten des Hörgeräteakustikers Miracle-Ear zufolge zeigte eine Studie aus dem Jahr 2011, dass 68 Prozent der Befragten Wattestäbchen wöchentlich und 76 Prozent täglich nutzten.
Eine weitere 20-jährige Erhebung dokumentierte in den USA mindestens 35 Besuche in Notaufnahmen pro Tag aufgrund von Wattestäbchen-Verletzungen, überwiegend bei Kindern unter acht Jahren. Rund 73 Prozent dieser Ohrverletzungen standen in Verbindung mit Reinigungsversuchen.
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Entzündungen, Infektionen und Fremdkörper
Die mechanische Einwirkung birgt Gefahren für die empfindliche Haut. Laut der Klinik A-Medika Noginsk ist die unsachgemäße Hygiene die Hauptursache für Pfropfbildungen, die mit Hörverlust, Druckgefühl, Tinnitus und Schwindel einhergehen können.
Darüber hinaus gilt die Verwendung von Wattestäbchen als häufigste Ursache für die sogenannte Otitis externa, eine Entzündung des äußeren Gehörgangs. Durch Mikroverletzungen können Krankheitserreger wie Staphylococcus aureus eindringen und schmerzhafte Furunkel hervorrufen.
Neben Entzündungen drohen mechanische Traumata: Zu tiefe Manipulationen können das Trommelfell perforieren oder Reste des Materials im Gang hinterlassen. Ein dokumentierter Fall schildert eine 28-jährige Patientin, die nach einer Ohrreinigung ein städtisches Krankenhaus aufsuchen musste, nachdem ein Teil eines Wattebausches im Gehörgang abgebrochen war.
Auch vor der eigenmächtigen Entfernung von offenen Komedonen (Mitessern) im Gehörgang wird gewarnt; die Dermatologin Dr. Julia Triehs mahnte diesbezüglich an, dass der Gehörgang kein Ort für aggressive manuelle Extraktionen sei.
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Empfehlungen für eine schonende Ohrenhygiene
Medizinische Leitlinien raten einhellig dazu, Gegenstände ausschließlich im sichtbaren Bereich der Ohrmuschel anzuwenden. Keizaburo Odagiri empfiehlt, lediglich den Bereich vom Eingang bis zum Haaransatz – etwa einen Zentimeter tief – vorsichtig zu säubern.
Bei Schmalzansammlungen können laut Fachberichten milde Tropfen wie sterile Kochsalzlösungen, verdünntes Wasserstoffperoxid oder Mineralöle eingesetzt werden; Dr. Khan verweist alternativ auf zwei Tropfen warmes Mandelöl, ein bis zwei Tropfen Senföl, einen Tropfen Olivenöl oder warmes Salzwasser zur Erweichung.
Von sogenannten Ohrenkerzen raten Experten ab, da diese unwirksam seien und Verbrennungsrisiken bergen. Zur allgemeinen Vorbeugung wird empfohlen, Ohren nach dem Baden trocken zu halten und In-Ear-Kopfhörer nicht länger als eine Stunde am Stück zu tragen, gefolgt von einer Pause von mindestens 10 bis 20 Minuten.
Treten Schmerzen, Ausfluss oder Hörprobleme auf, sollte auf jegliche Selbstbehandlung verzichtet und umgehend eine HNO-ärztliche Praxis aufgesucht werden.
