Wartezeiten Therapie: 142 Tage durchschnittlich – Kassen unter Druck
20.06.2026 - 19:31:57 | boerse-global.de
Das Bundesgesundheitsministerium will die Servicequalität der Kassen per Gesetz vergleichbar machen.
Transparenzoffensive bei Ablehnungen und Bearbeitungszeiten
Ein Entwurf aus dem Sommer 2023 sieht ein Online-Portal vor, das die Leistungen der Kassen transparent macht. Die Krankenkassen müssten dann detailliert offenlegen, wie viele Anträge auf Kuren, Therapien oder Hilfsmittel sie ablehnen. Auch die Zahl der Widersprüche und Klagen sowie die durchschnittliche Bearbeitungsdauer wären öffentlich einsehbar.
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Bisher gibt es nur freiwillige Transparenzberichte einzelner Kassen oder private Auswertungen. Die geplante Regelung würde alle Marktteilnehmer zu einheitlichen Daten zwingen. Das soll Versicherten eine fundierte Entscheidung bei der Kassenwahl ermöglichen. Besonders bei langwierigen Verfahren für Kuren oder komplexe Therapien könnte die Erfolgsquote einer Kasse zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
Kassen unter Druck: Ausgaben steigen schneller als Einnahmen
Der Ruf nach mehr Transparenz kommt zu einer Zeit massiver finanzieller Belastungen für die gesetzlichen Krankenversicherungen. Daten aus dem ersten Quartal 2026 zeigen: Die Ausgaben wuchsen um 7,7 Prozent, die Einnahmen dagegen nur um 4,1 Prozent. Besonders teuer wurden Kliniken (plus 9,3 Prozent) und ärztliche Honorare (plus 7,3 Prozent).
Der Kostendruck trifft auch therapeutische Leistungen. Seit dem 1. April 2026 sinken die Honorare für Psychotherapeuten um 4,5 Prozent. Fachverbände warnen vor einer Verschärfung der Versorgungskrise. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz lag im Frühjahr 2026 bereits bei 142 Tagen.
Digitale Services: Wer punkten kann
Neben der Transparenz über Ablehnungen gewinnt die digitale Interaktion an Bedeutung. Der DIGI-Check 2025 untersuchte 26 gesetzliche Krankenkassen. Spitzenreiter war die BIG direkt gesund – vor allem wegen ihrer Website und des E-Mail-Services.
Die Bundesregierung plant weitere Digitalisierungsschritte. Ab Februar 2028 sollen zentrale Einstiegspunkte über die Apps der elektronischen Patientenakte (ePA) kommen. Der GKV-Spitzenverband fordert zudem eine elektronische Terminbörse für Akutfälle, um den Zugang zu Facharztterminen zu beschleunigen.
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Was Versicherte schon heute tun können
Bereits jetzt haben Patienten rechtliche Mittel gegen säumige Kassen. Ein Urteil des Sozialgerichts Dessau-Roßlau stärkt die sogenannte fiktive Genehmigung: Entscheidet eine Kasse nicht innerhalb von drei Wochen über einen Antrag (fünf Wochen mit Beteiligung des Medizinischen Dienstes), gilt die Leistung als genehmigt – sofern kein Zwischenbescheid erfolgt.
Im Juni 2026 wird zudem eine strengere Regulierung von Selbstzahlerleistungen (IGeL) diskutiert. Der GKV-Spitzenverband fordert eine verpflichtende 24-stündige Bedenkzeit zwischen Angebot und Vertragsabschluss. Hintergrund: Der Medizinische Dienst sieht bei vielen dieser Leistungen keinen klaren Nutzen. Das jährliche Volumen der Zusatzgeschäfte wird auf rund 2,4 Milliarden Euro geschätzt.
