Walmart-Automatisierung: Stromkosten in Lagerhäusern steigen auf 800.000 Dollar
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-Einzelhandelsriese Walmart stößt bei der umfassenden Automatisierung seiner Logistik auf unerwartete physische und operative Hürden. Wie am 8. Oktober 2026 bekannt wurde, gestaltet sich der Umbau von rund 200 Supply-Chain-Gebäuden, die 5.200 Filialen in den USA beliefern, weitaus komplizierter als geplant.
Rob Montgomery, Leiter der Supply-Chain-Operationen bei Walmart US, räumte ein, dass sich der Konzern gegenwärtig auf einem Höhepunkt der Komplexität befinde.
Physische Grenzen und Ausfälle im laufenden Betrieb
Die Probleme zeigen sich vor allem im Detail des Lageralltags, der während des laufenden Betriebs umgestellt wird. Während Roboter schwere Lasten zuverlässig heben können, bereitet ihnen die präzise Entnahme einzelner Artikel aus Kartons erhebliche Schwierigkeiten.
Kleine Shuttle-Roboter auf Rädern, die in mehr als einem Dutzend Lagerhäusern im Einsatz sind, brechen zudem häufig aus ihrer Spur aus. Sie sind nicht in der Lage, sperrige oder schwere Waren wie große Säcke mit Hundefutter, große Fernsehgeräte oder gefrorene Truthähne zuverlässig zu transportieren.
Hinzu kommen unvorhergesehene Nebeneffekte der Umstellung: Kartons fallen teilweise um 1,5 Zoll kürzer aus und müssen nachträglich von Hand verklebt werden. Zudem führen Staubansammlungen und unzuverlässige mobile Transporteinheiten immer wieder zu Verzögerungen bei den Durchsatzzielen.
Bei mehr als 140.000 beschäftigten Lagerarbeitern setzt Walmart bisher auf das Entladen von Lastwagen, Palettieren und Stapeln durch Personal. Entlassungen seien nicht geplant; der Personalabbau solle stattdessen über die natürliche Fluktuation erfolgen.
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Explodierende Stromkosten und teure Fachkräfte
Neben den mechanischen Herausforderungen belasten die Betriebskosten die Bilanz der automatisierten Standorte. In automatisierten Lebensmittel-Lagerhäusern kletterten die Stromkosten in Spitzenzeiten auf über 800.000 US-Dollar pro Monat.
Im überwiegend manuellen Betrieb lagen die monatlichen Energiekosten zuvor bei rund 250.000 US-Dollar. Berichten zufolge übersteigen die Kosten für spezialisierte Mechanik- und Elektroingenieure, die zur Instandhaltung der Anlagen nötig sind, inzwischen die Lohnkosten ungelernter Lagerarbeiter.
Dennoch hält der Handelskonzern an seinen Modernisierungsplänen fest. Die Ausgaben für die Automatisierung der Lieferkette sollen in diesem und dem kommenden Jahr ihren Höchststand erreichen, bevor mit sinkenden Kosten gerechnet wird.
Ein vorangegangenes System war zuvor in 20 Filialen gescheitert. Insgesamt flossen seit 2016 fast eine Milliarde US-Dollar in Lösungen für das E-Commerce-Fulfillment direkt im Markt, darunter 520 Millionen US-Dollar in die Entwicklung einer übernommenen Robotik-Sparte.
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Partnerschaft mit Symbotic und Verzögerungen beim Zeitplan
Trotz der Hürden zeigen sich erste Fortschritte. Walmart hält einen Anteil von rund 12,6 Prozent an dem Robotikpartner Symbotic, der rund 85 Prozent seines Umsatzes mit dem Einzelhändler erwirtschaftet und an der Börse einem Wert von etwa 3,2 Milliarden US-Dollar entspricht.
Nach Angaben des Partners sank der Anteil reparaturbedürftiger Roboter von unter 10 Prozent im Vorjahr auf nun etwa 5 Prozent. Das Ziel lautet weiterhin, sämtliche Non-Perishable-Lagerhäuser bis 2030 mit der Symbotic-Technologie auszurüsten. Ein funktionierendes In-Store-Modell erwartet Symbotic jedoch nicht vor 2028.
Ursprünglich anvisierte Etappenziele musste Walmart bereits korrigieren: Die für Januar 2026 gesteckten Automatisierungsziele wurden verfehlt. Bis August 2026 erhielten immerhin über 65 Prozent der Stores Fracht aus automatisierten Lagern, während über die Hälfte der E-Commerce-Waren automatisiert bewegt wurde.
Dass die Transformation der Handelslogistik mit hohen Risiken verbunden ist, zeigt ein Blick auf die Konkurrenz: Der US-Lebensmittelhändler Kroger musste nach dem Scheitern seines automatisierten Fulfillment-Netzwerks Abschreibungen in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar vornehmen.

