WalkBack-Studie: Gehplan verzögert neue Schmerzepisode um 96 Tage
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmäßige Bewegung gilt in der Schmerztherapie als zentraler Baustein, um Beschwerden des Bewegungsapparats nachhaltig zu bewältigen. Ein im Jahr 2026 im European Journal of Pain publiziertes Positionspapier der Europäischen Schmerzföderation (EFIC) unterstreicht den Nutzen von regelmäßigem Gehen bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen.
Demnach kann Gehen die Schmerzintensität verringern sowie die körperliche Funktionsfähigkeit und die Lebensqualität spürbar verbessern, auch wenn die Effekte insgesamt als klein bis moderat eingestuft werden.
Individuelle Steigerung statt starrer Schrittziele
Besonders stark profitieren laut der EFIC Menschen, die von einem sehr niedrigen Aktivitätsniveau zu regelmäßiger moderater Bewegung übergehen. Feste Vorgaben wie die oft zitierten 10.000 Schritte am Tag seien dabei keineswegs erforderlich. Stattdessen solle die Belastung individuell angepasst, schrittweise erhöht und vor allem langfristig beibehalten werden.
Auf Bevölkerungsebene gibt es der Schmerzföderation zufolge keinen Zusammenhang zwischen Gehen und einer Verschlimmerung der Beschwerden. Ein vorsichtiger, schrittweiser Einstieg stärke vielmehr das Vertrauen in die eigene körperliche Leistungsfähigkeit.
Da Gehinterventionen in der Praxis häufig mit begleitender Beratung, Zielsetzungen und Aktivitätskontrollen einhergehen, lasse sich der isolierte Anteil des Gehens an den positiven Effekten zwar nicht exakt bestimmen. Die EFIC bewertet die Maßnahme dennoch als kostengünstige, leicht zugängliche und allgemein sichere Ergänzung therapeutischer Ansätze.
Klinische Belege und neue Ansätze in der Physiotherapie
Die präventive Wirkung gezielter Gehprogramme verdeutlichen auch klinische Untersuchungen wie die WalkBack-Studie, an der 701 Erwachsene nach kürzlich überstandenen unspezifischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule teilnahmen.
Eine Gruppe absolvierte einen individuellen Gehplan kombiniert mit physiotherapeutischer Beratung, während eine Kontrollgruppe kein entsprechendes Programm erhielt. In der Gehgruppe lag die mediane Zeitspanne bis zu einer erneuten, den Alltag einschränkenden Schmerzepisode bei 208 Tagen, verglichen mit 112 Tagen in der Kontrollgruppe.
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Auch hier galten keine festen Kilometerzahlen oder Tempovorgaben; die Gehdauer wurde vielmehr behutsam gesteigert. Der Austausch mit Physiotherapeuten half den Betroffenen zudem, Schmerzursachen besser zu verstehen und bewegungshemmende Ängste abzubauen.
Vera Schwermer-Funke von Physio Deutschland betont in diesem Zusammenhang, dass die meisten Rückenschmerzen nicht auf akute Gewebeschäden zurückzuführen seien. Selbst starker Schmerz bedeute nicht zwangsläufig eine strukturelle Beschädigung. Bettruhe gelte medizinisch als überholt; moderate Aktivität fördere die Genesung deutlich wirksamer.
Bildgebende Verfahren wie MRT oder Röntgen lieferten häufig Befunde, die sich gleichermaßen bei vollkommen beschwerdefreien Personen fänden. Bücken und Heben seien nicht grundsätzlich gefährlich, vielmehr existierten keine verbotenen Bewegungsabläufe, sondern lediglich ungewohnte. Moderne physiotherapeutische Ansätze setzen daher verstärkt auf ein bio-psycho-soziales Modell.
Ursachenvielfalt und Warnsignale
Rückenschmerzen können durch ein breites Spektrum an Faktoren ausgelöst werden. Nach Einschätzung von Prof. Christoph-Eckhard Heyde von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie kommen dafür Verschleißerscheinungen an Bandscheiben oder Gelenken, Muskelverspannungen, Blockierungen sowie psychische Belastungen oder berufliche Einflüsse infrage, weshalb ein gestuftes Vorgehen sinnvoll sei.
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Auch im Kindes- und Jugendalter treten Beschwerden auf. Dr. Jose Lizón von der Traumatologie des Hospital HLA San Carlos verweist darauf, dass langes Sitzen, schwere Rucksäcke und ausgedehnte Bildschirmzeiten während der Schulzeit zu muskulären Überlastungen an Rücken, Nacken und Schultern führen können.
Empfohlen werden hierbei ergonomisch angepasste Rucksäcke mit beidseitiger Trägernutzung, eine gestützte Sitzhaltung sowie ein aktiver Ausgleich durch Gehen, Schwimmen oder Radfahren.
Trotz der prinzipiellen Unbedenklichkeit von Bewegung bedürfen bestimmte Symptome einer sofortigen medizinischen Untersuchung. Wie im Kontext der WalkBack-Studie hervorgehoben wird, zählen neu auftretende Beinschwächen, Störungen der Blasen- oder Darmkontrolle, Taubheitsgefühle im Dammbereich sowie Schmerzen unmittelbar nach einem schweren Trauma zu den Warnzeichen, die unverzüglich ärztlich abgeklärt werden müssen.
