Waldbaden: Wie Phytonzide das Nervensystem beruhigen
23.06.2026 - 18:13:41 | boerse-global.de
Die Nachfrage nach strukturierten Angeboten steigt rasant.
Wie der Wald das Nervensystem beruhigt
Die Praxis des sogenannten Forest Bathing gewinnt an wissenschaftlicher Untermauerung. Wald-Coach Leon Warnke erklärt: Die von Bäumen abgegebenen Botenstoffe (Phytonzide) fördern den Parasympathikus – jenen Teil des Nervensystems, der für Entspannung zuständig ist.
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Die Attention Restoration Theory (ART) liefert eine weitere Erklärung. Demnach entlastet der Wald die gerichtete Aufmerksamkeit, die im Alltag unter Dauerfeuer digitaler Reize steht. Der Aufenthalt in der Natur regeneriert kognitive Ressourcen effizienter als ein klassischer Strandurlaub.
Von Demenz-Wanderung bis Lavendelfeld
Die praktische Umsetzung dieser Erkenntnisse ist vielfältig. Deutschlandweit entstehen spezialisierte Angebote für unterschiedliche Zielgruppen.
In Potsdam sind für den 27. Juni Gesundheitswanderungen speziell für Menschen mit Demenz geplant – sechs Kilometer, niederschwellig, im Freien. Ein Basiskurs im Kloster Laab im Walde vermittelte bereits am Dienstag Wissen über die heimische Wildkräuter-Hausapotheke. In Waging eröffnete ebenfalls am Dienstag ein Apothekergarten, in dem ab Juli Führungen zu Immunsystem und Wohlbefinden starten.
Die Wildnischule Schermbeck veranstaltet am 24. Juni und 4. Juli Events im Lavendelfeld. Unter Leitung von Wildnispädagoginnen kombinieren sie Nature Journaling mit Achtsamkeit – für 79 Euro pro Person.
Die Volkshochschule Erkrath bietet am 3. Juli ein „Walk & Talk“-Format exklusiv für Frauen an. In Bad Vilbel ist für den 6. September ein Workshop zum Thema Achtsamkeit in der Natur mit Lilith Schuhmacher angekündigt.
Nachhaltiger Tourismus als neues Ziel
Neben dem Gesundheitsaspekt gewinnt die pädagogische Naturvermittlung an Bedeutung. Bei den 43. Wald-Jugendspielen in Rheinland-Pfalz erkundeten im Juni über 1.000 Drittklässler den Wald – unterstützt von der Sparda-Bank Südwest.
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Auch der Tourismussektor reagiert. Die Ostfriesischen Inseln wie Spiekeroog haben die Rekordzahlen von 2019 (5,8 Millionen Übernachtungen) noch nicht wieder erreicht. Betriebe setzen daher verstärkt auf Qualität statt Quantität. „Wir müssen uns an verändertes Konsumverhalten anpassen“, sagt Jochen Bellstedt vom örtlichen Unternehmerverein.
In Wangels startete im Juni die erste vollständige Saison eines Baumhaushotels. 200 Bäume und 2.500 Sträucher wurden gepflanzt – das Projekt positioniert sich als ganzjähriges Angebot für naturnahen Tourismus.
Der Serrahner Buchenwald nutzt sein 15-jähriges Jubiläum als UNESCO-Welterbe am 25. Juni für geführte Wanderungen. Ziel: das Bewusstsein für schützenswerte Naturräume schärfen.
