VR bei Blutdruckanstieg: Waldszenerie senkt Werte zunächst um 4–5 mmHg
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deNicht-medikamentöse Verfahren gewinnen bei der Bewältigung von körperlichem Stress und akuten Spannungszuständen zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben ein Spektrum, das von immersiver virtueller Realität (VR) über apparative kosmetisch-medizinische Technologien bis hin zu traditionellen Methoden reicht. Sie dienen vor allem als Ergänzung zu etablierten Therapiestandards, um das Wohlbefinden zu fördern und vegetative Reaktionen positiv zu beeinflussen.
Virtuelle Realität bei akutem Blutdruckanstieg
Welches Potenzial digitale Technologien in der Akutversorgung haben können, untersuchten Forschende der Sa?l?k Bilimleri Üniversitesi in einer randomisierten kontrollierten Studie in Ankara. Die Untersuchung, die beim Europäischen Notfallmedizin-Kongress vorgestellt wurde, umfasste 130 Erwachsene mit hypertensiver Dringlichkeit ohne bestehende Organschäden.
Während alle Teilnehmenden eine medikamentöse Standardbehandlung erhielten, wurde einer Hälfte zusätzlich eine VR-Brille mit einer Waldszenerie und klassischer Musik bereitgestellt. In den ersten 15 Minuten sank der Blutdruck in der VR-Gruppe zusätzlich um etwa 4–5 mmHg im Vergleich zur Standardbehandlung.
Nach rund 60 Minuten glichen sich die Blutdruckwerte beider Gruppen wieder an. Zudem verringerte sich das Angstempfinden in der Interventionsgruppe während der zweistündigen Beobachtungszeit messbar stärker. Die Forschenden betonten, dass die Technologie keinesfalls als Ersatz, sondern rein als unterstützende Maßnahme zur Standardtherapie gedacht sei.
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Digitale Plattformen für den Arbeitsplatz und apparative Ansätze
Auch im betrieblichen Gesundheitsmanagement zeichnet sich ein Einsatz erweiterter Realitäten ab. Das Ulmer Startup xenko entwickelt eine XR-Plattform mit virtuellen Bewegungs- und Entspannungsangeboten für Beschäftigte. Für drei Vollzeitstipendien erhält das Team 143.500 Euro; laut Angaben der Universität kommen 30.000 Euro an Sachmitteln sowie 5.000 Euro für Coaching hinzu.
Der Förderzeitraum erstreckt sich vom 1. September 2026 bis zum 31. August 2027. Langfristig ist neben Unternehmen auch der Einsatz in der Physiotherapie vorgesehen. Angaben zu einem konkreten Marktstart oder klinische Wirksamkeitsergebnisse liegen bisher nicht vor.
Im Bereich apparativer Anwendungen beschreibt ein Fachbericht die monopolare Radiofrequenz-Plattform XERF von Cynosure Lutronic, die mit Frequenzen von 6,78 MHz und 2 MHz arbeitet, über drei Tiefeneinstellungen, zehn Energiestufen und ein ICD-Kühlsystem mit drei Stufen verfügt.
Ein Arzt der IL Clinic in Seoul berichtete aus seiner Praxis von einer geringen Ausfallzeit sowie seltenen anhaltenden Rötungen oder Blasen. Es handelt sich hierbei um individuelle Anwenderbeobachtungen und keine unabhängigen Vergleichsdaten; zudem bleibt offen, ob die Schmerztoleranz außerhalb der koreanischen Anwenderbasis reproduzierbar ist.
Traditionelle Reize und multimodale Ansätze
Neben modernen Technologien werden auch klassische Entspannungsverfahren dokumentiert. Der Anbieter YogaDura beschreibt Shirodhara als ayurvedische Praxis, bei der warme Flüssigkeit, meist Öl, über 30 bis 60 Minuten rhythmisch auf die Stirn gegossen wird.
Genannt werden Anwendungen zur Tiefenentspannung alle paar Wochen sowie mehrwöchige Serien bei chronischem Stress oder Schlafproblemen. Derartige Hinweise basieren jedoch auf Erfahrungswerten und werden ohne wissenschaftliche Studienbelege angeführt.
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Die breite Palette nicht-medikamentöser Optionen spiegelt sich auch in der Fachliteratur wider. Der MANZ Verlag und die Medizinische Universität Wien veröffentlichten den Ratgeber „Schmerzen behandeln“ von Richard Crevenna (broschiert, 210 Seiten, 28 Euro, ISBN 978-3-214-26831-2).
Das Werk thematisiert Möglichkeiten und Grenzen von physikalischen Reizen wie Stoßwellen, Magnetfeldern, Licht-, Temperatur- und Bäderreizen sowie Vagusstimulation, mentalen Techniken und Bewegung, verzichtet in der zugehörigen Mitteilung jedoch auf quantifizierte Wirksamkeitsergebnisse.
