Vorsorge-Umfrage, Terminproblemen

Vorsorge-Umfrage: 29 Prozent verzichten wegen Terminproblemen auf Untersuchungen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein ÖGK-Pilotprojekt wurde positiv bewertet; seit September 2026 besuchen Zahnärzte vier Pflegeeinrichtungen in Niederösterreich.

Mobile Zahnmedizin erreicht seit September vier Pflegeeinrichtungen
Ein helles, minimalistisches Badezimmer mit einem sauberen Waschbecken und einer Pflanze im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die Inanspruchnahme zahnärztlicher Kontroll- und Vorsorgetermine geht bei vielen älteren Menschen deutlich zurück, obwohl eine kontinuierliche Betreuung für die Erhaltung der allgemeinen Gesundheit unverzichtbar ist.

Berichte verweisen darauf, dass eine unzureichende Mundhygiene und ausbleibende Kontrollen im höheren Lebensalter nicht nur lokale Probleme wie Karies oder Parodontitis begünstigen, sondern auch das Risiko für schwere systemische Folgeerkrankungen steigern können.

Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und Allgemeinerkrankungen

Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die enge Verbindung zwischen orometrischen Entzündungen und internistischen Krankheitsbildern. Eine Analyse im American Journal of Cardiology legt dar, dass die tägliche Nutzung von Zahnseide vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und messbare Entzündungsmarker im Körper senken kann.

Dr. Souvik Sen führte auf einer Fachtagung der American Stroke Association an, dass regelmäßige Zahnseidenanwendung zudem das Risiko für bestimmte Schlaganfall-Arten, Vorhofflimmern sowie Demenz reduzieren könne.

Auch eine im Journal of Aging Research veröffentlichte Beobachtungsstudie bringt die tägliche Zahnseidennutzung mit einer höheren Lebenserwartung und einem geringeren Sterberisiko in Verbindung. Wie der Kieferorthopäde Dr. Kami Hoss in seinem Buch darstellt, reinigt das bloße Zähneputzen ohne ergänzende Hilfsmittel lediglich etwa 60 Prozent der gesamten Zahnflächen.

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Barrieren bei der Wahrnehmung von Kontrollterminen

Obwohl der Nutzen präventiver Maßnahmen weitgehend anerkannt ist, klafft zwischen Problembewusstsein und tatsächlichem Verhalten eine deutliche Lücke.

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der IKK classic unter 1.004 gesetzlich Versicherten im Alter zwischen 35 und 75 Jahren ergab, dass 97 Prozent der Befragten Vorsorgeuntersuchungen der Krankenkassen für sinnvoll erachten. Regelmäßig wahrgenommen werden Check-ups demnach jedoch lediglich von 67 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer.

Als ein wesentliches Hindernis erweist sich dabei die Organisation: Rund 29 Prozent der Befragten gaben an, bereits aufgrund von Schwierigkeiten bei der Terminvergabe auf Untersuchungen verzichtet zu haben. Gleichzeitig erklärten 57 Prozent, dass finanzielle oder sachbezogene Bonusprogramme sie zumindest etwas stärker zur Teilnahme an Vorsorgemaßnahmen motivieren würden.

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Konzepte für die Pflege und immobile Senioren

Besondere Herausforderungen entstehen in der stationären Altenpflege sowie bei kognitiven Einschränkungen. Nach Angaben von Natasha Howard Murray von der Alzheimer's Society beansprucht allein die Unterstützung von Demenzpatienten beim Zähneputzen rund 15 Minuten. Wenn der Weg in eine Praxis mobilitätsbedingt nicht mehr möglich ist, droht eine dauerhafte zahnmedizinische Unterversorgung.

Um dieser Entwicklung zu begegnen, setzen Träger vermehrt auf aufsuchende Angebote. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) führte vom 21. April 2026 bis zum 21. Juli 2026 ein Pilotprojekt zur mobilen Zahnmedizin im Seniorenwohnheim Stadtwald St. Pölten durch, das positiv bewertet wurde.

Seit September 2026 erfolgt eine Ausweitung auf vier niederösterreichische Pflegeeinrichtungen: das Heim Stadtwald, das Pflege- und Betreuungszentrum Wilhelmsburg, das Caritas Haus St. Elisabeth Wagram sowie das PBZ Haus an der Traisen. Das zahnärztliche Team besucht die Einrichtungen einmal wöchentlich nach Voranmeldung, während notwendige Reparaturen an Prothesen über das Zahngesundheitszentrum St. Pölten innerhalb von 24 Stunden abgewickelt werden. Solche aufsuchenden Strukturen gelten als ein Modell, um älteren Menschen auch bei eingeschränkter Mobilität eine adäquate Vorsorge zu sichern.

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