Vorsorge-Lücke: 47 Prozent können sich Altersabsicherung nicht leisten
22.06.2026 - 14:25:30 | boerse-global.de
Eine neue Studie zeigt: Zwischen dem Bewusstsein für ein langes Leben und der tatsächlichen Absicherung klafft eine gefährliche Lücke. Zeitgleich legt eine Rentenkommission Reformvorschläge vor, die das System grundlegend umkrempeln würden.
2,5 Stunden pro Woche für die Gesundheit
Das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung (WIP) und die Versicherungskammer haben am heutigen Montag eine Untersuchung veröffentlicht. Das Ergebnis: Bundesweit investieren die Bürger im Schnitt 2,5 Stunden pro Woche in ihre Gesundheit und geben monatlich rund 200 Euro für die finanzielle Vorsorge aus.
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Für die Studie befragten die Institute 3.000 Personen zwischen 16 und 79 Jahren. Das größte Hindernis: fehlendes Geld. 47 Prozent der Befragten gaben an, sich keine ausreichende finanzielle Vorsorge leisten zu können. Bei der gesundheitlichen Vorsorge waren es 32 Prozent.
Dr. Frank Wild vom WIP sieht das Problem weniger im Bewusstsein als in der Umsetzung. „Es handelt sich um Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung", sagte er. Martin Fleischer von der Versicherungskammer bezeichnete die Vorsorge als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ein entscheidender Faktor sei zudem die persönliche Einstellung zum Altern: Wer positiver denke, sorge aktiver vor.
Rente mit 70? Kommission legt Reformplan vor
Parallel zur individuellen Ebene hat eine Rentenkommission am Montag weitreichende Reformvorschläge vorgelegt. Das Kernstück: Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die statistische Lebenserwartung nach einem 2:1-Modell.
Die Idee: Zwei Drittel der gewonnenen Lebenszeit sollen in Erwerbsarbeit fließen, ein Drittel in die Rentenphase. Modellrechnungen zeigen: Heute vierjährige Kinder könnten erst mit 70 Jahren in Rente gehen. Bereits bis 2041 könnte das Eintrittsalter auf 67,5 Jahre steigen.
Die Kommission schlägt außerdem vor, die abschlagsfreie Rente mit 63 abzuschaffen. Ein weiterer Kernpunkt: die Einführung einer verpflichtenden Kapitalrente nach schwedischem Vorbild. Ab 2028 soll sie mit einem Beitrag von einem Prozent des Bruttolohns starten, später auf zwei Prozent steigen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen die Beiträge paritätisch tragen. Ziel ist ein Gesamtniveau aus Umlage- und Kapitalrente von 50 Prozent bis 2040.
Zudem empfiehlt das Gremium, die Versicherungspflicht auf Selbstständige, Abgeordnete und Vorstände auszuweiten. Minijobs sollen weitgehend abgeschafft oder auf Schüler begrenzt werden. Ökonomen wie Marcel Fratzscher vom DIW lobten die Richtung der Reformen grundsätzlich. Die politische Linke warnte dagegen vor massiven Rentenkürzungen.
Pflegearmut: Jede zweite Pflegeperson betroffen
Neben der Rente belasten strukturelle Defizite in der Pflege die soziale Stabilität. Ein Pflegereport der DAK aus Mai 2026 zeigt eine neue Dimension der Pflegearmut: Fast jede zweite Pflegeperson ist demnach finanziell betroffen. Insgesamt 31 Prozent der Gesamtbevölkerung geben an, mit diesem Problem konfrontiert zu sein.
DAK-Chef Andreas Storm forderte eine Begrenzung der Heimkosten und eine umfassende Pflegereform. Diese werde von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung unterstützt, so Storm.
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Bevölkerungsschutz: DRK-Präsident schlägt Alarm
Ergänzend zu den sozialen Sicherungssystemen gerät auch der Bevölkerungsschutz unter Druck. DRK-Präsident Hermann Gröhe kritisierte am gestrigen Sonntag den aktuellen Stand des Zivil- und Bevölkerungsschutzes als unzureichend. Hilfsorganisationen würden nicht genügend in die Verteidigungsplanungen einbezogen.
Gröhe forderte verbesserte Bedingungen für Ehrenamtliche – etwa Freistellungsansprüche analog zu Feuerwehr und THW. Zudem warnte er: Geplante Reformen im Gesundheits- und Pflegebereich könnten bestehende Angebote der Hilfsorganisationen in ihrer Existenz bedrohen.
