Vorhofflimmern-Therapie: Kombinierte Ablation überlegen bei Low-Voltage
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von Vorhofflimmern steht vor wachsenden Herausforderungen. Nach Angaben von Oberarzt Dr. Robert Schönbauer von der MedUni Wien liegt die Prävalenz der Rhythmusstörung derzeit bei zwei bis vier Prozent, wobei eine Erhöhung um das 2,3-Fache erwartet werde. Jede dritte Person in Europa ab 55 Jahren werde im Laufe des weiteren Lebens betroffen sein.
Als Hauptrisikofaktor gilt ein hohes Lebensalter, während betroffene Patienten unter Pulswerten von bis zu 200 Schlägen pro Minute leiden können. Parallel zur demografischen Entwicklung untersuchen aktuelle klinische Studien die Wirksamkeit etablierter Eingriffe, verbesserte Ablationstechniken und begleitende Therapien.
Scheinprozedur zeigt vergleichbare Lebensqualität in PVI-SHAM-AF
Neue Daten der im Fachjournal Lancet veröffentlichten PVI-SHAM-AF-Studie (Registrierungsnummer NCT05119231) liefern überraschende Erkenntnisse zur Katheterablation.
Die von Helios Gesundheit finanzierte randomisierte Untersuchung schloss 262 Patienten mit symptomatischem paroxysmalem oder persistierendem Vorhofflimmern ein. Das Medianalter der Kohorte lag bei 67 Jahren (Interquartilsabstand 62 bis 73 Jahre), 51 Prozent der Teilnehmenden waren weiblich.
Dabei erhielten 173 Patienten eine Katheterablation und 89 eine Scheinprozedur (Sham). Nach sechs Monaten zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied bei der krankheitsspezifischen Lebensqualität, gemessen mit dem AFEQT-Score (Hodges-Lehmann-Schätzer 2,6; 95%-Konfidenzintervall -2,7 bis 8,0; p=0,36).
In beiden Gruppen trat jeweils ein Todesfall auf, keiner davon verfahrensbedingt. Insgesamt wurden zehn schwerwiegende unerwünschte Ereignisse verzeichnet (sechs in der Ablationsgruppe, vier in der Sham-Gruppe), darunter ein ischämischer Schlaganfall bei einem Sham-Patienten.
Fortschritte bei gepulster Feldablation und Neuromodulation
Gleichzeitig verzeichnen neue technische Verfahren Fortschritte. Field Medical veröffentlichte in JACC: Clinical Electrophysiology (DOI: 10.1016/j.jacep.2026.09.001) die bei der Konferenz HRX Live 2026 vorgestellten Zwölf-Monats-Ergebnisse der First-in-Human-Studie Field PULSE zur hochvolt-fokalen Pulsfeldablation (PFA).
Das Verfahren erzielte mit einer optimierten Wellenform eine Per-Vein-PVI-Durabilität von 94,2 Prozent. Nach zwölf Monaten lag die Freiheit von Vorhofarrhythmien bei 80 Prozent, primäre Sicherheitsereignisse traten nicht auf.
Jede dritte Person ab 55 Jahren entwickelt im weiteren Leben Vorhofflimmern — und plötzlich steht die Frage im Raum, ob eine Ablation der richtige Weg ist. Neue Studiendaten zeigen, wie unterschiedlich die Ergebnisse je nach Verfahren und Patientengruppe ausfallen. Damit Sie im Gespräch mit Ihrem Kardiologen nicht raten müssen, haben wir die wichtigsten Punkte für Sie zusammengefasst. Kostenlosen Patienten-Ratgeber zu Vorhofflimmern anfordern
Die mediane Zeit für die Pulmonalvenenisolation (PVI) betrug 13 Minuten, im schnellsten Fall 7,7 Minuten; 49 Prozent der Patienten erhielten zusätzlich eine Nicht-PV-Ablation.
In den USA setzte UnityPoint Health - Trinity Heart Center in Rock Island (Illinois) am 3. September 2026 erstmals das Volt PFA System von Abbott ein. Trinity führt PFA-Verfahren bereits seit April 2024 durch; in den Vereinigten Staaten sind schätzungsweise 10,5 Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen.
Eine weitere Modalität untersuchte StimCardio in der im Journal Heart Rhythm erschienenen NeuroPulse-Studie. In der randomisierten, doppelblinden, sham-kontrollierten Pilotstudie mit 77 Patienten nach einer Ablation lag die Freiheit von Vorhofarrhythmien nach sechs Monaten bei 90,0 Prozent unter Magnetstimulation (MNS) gegenüber 80,8 Prozent in der Sham-Kontrolle, was keinen statistisch signifikanten Unterschied darstellte.
Allerdings zeigte sich eine signifikante Reduktion wiederkehrender Ereignisse (12 versus 28 Ereignisse; p=0,025). MNS- oder gerätebedingte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.
Differenzierte Ablationsansätze und mechanischer Schlaganfallschutz
Für Patienten mit strukturellen Veränderungen lieferten Forschende des Karolinska Institutet und des zugehörigen Universitätsklinikums in einer im Journal JAMA publizierten Studie an fünf schwedischen Krankenhäusern neue Belege.
Bei 209 Patienten mit persistentem Vorhofflimmern und Low-Voltage-Zonen war die Kombination aus PVI und gezielter Ablation der alleinigen PVI überlegen: Nach einem Jahr waren 67,6 Prozent der kombiniert behandelten Patienten frei von atrialen Arrhythmien, verglichen mit 37,4 Prozent in der Gruppe mit alleiniger PVI. Bei den schwerwiegenden Komplikationen gab es keine signifikanten Unterschiede.
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Im Bereich der Schlaganfallprävention bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern erhielt Abbott die CE-Kennzeichnung für den Amulet 360 Vorhofohrverschluss, woraufhin erste europäische Eingriffe in Frankfurt, Lübeck und Aarhus erfolgten.
In der zugrunde liegenden VERITAS-Studie mit 400 Patienten an mehr als 30 Kliniken gelang die Implantation in 99,8 Prozent der Fälle. Nach 45 Tagen wiesen 93,9 Prozent der Patienten einen vollständigen Verschluss ohne Lecks über 3 Millimetern auf, und in den ersten sieben Tagen traten keine Komplikationen auf.
