Vorhofflimmern-Studie, Placeboeffekt

Vorhofflimmern-Studie: Placeboeffekt fast so wirksam wie echte Ablation

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 15:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die PVI-SHAM-AF-Studie zeigt: Eine Katheterablation reduziert Vorhofflimmern messbar, während sich das Befinden auch ohne echten Eingriff bessert.

Vorhofflimmern: Ablation senkt Rhythmusstörungen trotz Placeboeffekt
Ein moderner, steriler Behandlungsraum in einer Klinik mit ruhiger, professioneller Lichtstimmung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse zur Behandlung von Vorhofflimmern liefern differenzierte Einblicke in den Nutzen kathetergestützter Eingriffe. Die im Fachjournal The Lancet publizierte und auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München vorgestellte PVI-SHAM-AF-Studie (DOI: 10.1016/S0140-6736(26)01558-8) untersuchte die Effekte einer Katheterablation im direkten Vergleich mit einem reinen Scheinverfahren.

Zwar verbesserte die Katheterablation die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten deutlich, allerdings zeigte sich auch unter der Sham-Ablation eine ausgeprägte Steigerung des subjektiven Wohlbefindens.

Studiendesign und methodischer Aufbau

Für die Untersuchung wurden zwischen November 2021 und November 2025 insgesamt 262 Patientinnen und Patienten an neun Zentren in Deutschland und Polen rekrutiert. Das mediane Alter der Teilnehmenden lag bei 67 Jahren, der Frauenanteil belief sich auf 51 Prozent. Bei 49 Prozent der Probanden lag ein paroxysmales Vorhofflimmern vor.

Die Zuordnung erfolgte im randomisierten Verhältnis von 2:1. Demnach unterzogen sich 173 Teilnehmer einer tatsächlichen Katheterablation, während 89 Personen der Kontrollgruppe zugeteilt wurden, bei der lediglich eine Scheinintervention (Sham) stattfand.

Lebensqualität und objektive Rhythmuskontrolle

Zur Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität kam der standardisierte AFEQT-Score zum Einsatz. Nach einem Zeitraum von sechs Monaten stieg der Wert in der Ablationsgruppe von 61,3 auf 81,1 Punkte an.

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In der Sham-Gruppe verbesserte sich der Wert von 59,2 auf 74,9 Punkte. Die ermittelte Differenz von 2,6 Punkten (95-Prozent-Konfidenzintervall -2,7 bis 8,0; p=0,36) erwies sich statistisch als nicht signifikant.

Anders stellten sich die Ergebnisse bei den kardiologischen Rhythmusparametern dar. Die Ablation verringerte wie erwartet das Wiederauftreten der Rhythmusstörung. Das erneute Auftreten von Vorhofflimmern betrug 13 Prozent unter der Ablation gegenüber 19 Prozent in der Sham-Gruppe.

Beim Holter-Monitoring lag der Nachweis von Vorhofflimmern bei 21 Prozent in der Interventionsgruppe gegenüber 41 Prozent unter der Scheinprozedur. Zudem belief sich die Vorhofflimmer-Last bei den therapierten Patienten auf 11,6 Prozent, während sie in der Sham-Gruppe bei 23,6 Prozent lag.

Einordnung im Kontext steigender Behandlungszahlen

Die Erkenntnisse sind insbesondere vor dem Hintergrund der klinischen Versorgung von Bedeutung. Angaben aus dem Deutschen Herzbericht 2026 zufolge sind in Deutschland mehr als 1,6 Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen. Für das Jahr 2024 erfasste der Bericht 360.800 stationäre Behandlungsfälle mit dieser Diagnose.

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Gleichzeitig stieg die Gesamtzahl der Katheterablationen im Jahr 2024 auf 139.941 Eingriffe, darunter 88.793 Ablationen speziell zur Behandlung von Vorhofflimmern. Die Studiendaten verdeutlichen, dass neben der nachweisbaren Reduktion von Arrhythmien auch erhebliche Placeboeffekte zur empfundenen Symptomlinderung nach invasiven Eingriffen beitragen.

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