Vorhofflimmern, Strukturiertes

Vorhofflimmern: Strukturiertes Training senkt Arrhythmielast um 45%

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen weniger Arrhythmien durch Training und Vorteile gezielter Ablation, jedoch ohne durchgehend signifikante Verbesserungen der Lebensqualität.

Vorhofflimmern: Bewegung und Ablation zeigen unterschiedliche Effekte
Sportgeräte in einem hellen, modernen Rehabilitationsraum für kardiologische Trainingstherapie. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen zum Management von Vorhofflimmern verdeutlichen zunehmend das Potenzial nicht-medikamentöser Behandlungsstrategien. Im Rahmen des europäischen Kardiologiekongresses (ESC) Ende August 2026 wurden Daten präsentiert, die den Stellenwert von strukturierten Bewegungsprogrammen und weiterentwickelten Ablationsverfahren untermauern.

Insbesondere die Ergebnisse der NEXAF-Studie geben Aufschluss über die Wirksamkeit sportlicher Betätigung bei Patienten mit nicht-permanentem Vorhofflimmern.

Signifikante Senkung der Vorhofflimmerlast durch Training

Im Zentrum der Fachdiskussionen stand die NEXAF-Studie, an der 295 Patienten mit einem mittleren Alter von 64 Jahren teilnahmen. Der Frauenanteil lag bei 30 Prozent. Die Untersuchung analysierte die Auswirkungen eines einjährigen, strukturierten Sportprogramms auf die Herzgesundheit.

Den Ergebnissen zufolge konnte die durchschnittliche Vorhofflimmerlast bei den Probanden von 7,1 Prozent auf 3,9 Prozent gesenkt werden. Dies entspricht einer relativen Reduktion der Arrhythmiebelastung um 45 Prozent (p=0,016).

Neben der direkten Auswirkung auf den Herzrhythmus beobachteten Forscher eine deutliche Verbesserung der kardiorespiratorischen Fitness der Teilnehmer. Zudem wirkte sich das Training positiv auf die Inanspruchnahme von Krankenhausleistungen aus: Die Zahl der Krankenhausaufnahmen aufgrund von Vorhofflimmern sank um 46 Prozent, während die Gesamtzahl der Krankenhauseinweisungen um 37 Prozent zurückging.

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Hinsichtlich der Lebensqualität, gemessen mit dem AFEQT-Score, ergab die Studie hingegen keine statistisch signifikante Verbesserung. Die Werte stiegen in der Sportgruppe um 5,6 Punkte und in der Vergleichsgruppe um 4,4 Punkte, was einer Differenz von lediglich 1,2 Punkten entspricht (p=0,43). Fachleute weisen zudem darauf hin, dass die Resultate der NEXAF-Studie nicht ohne Weiteres auf alle Arten von Rhythmusstörungen übertragbar sind.

Vergleich zwischen Katheterablation und Scheinverfahren

Parallel dazu lieferte die Ende August 2026 vorgestellte PVI-SHAM-AF-Studie neue Erkenntnisse zum Vergleich zwischen interventionellen Eingriffen und Placebo-Effekten. Die doppelblinde Untersuchung, die an neun Zentren in Deutschland und Polen mit 262 Patienten durchgeführt wurde, untersuchte den Nutzen einer Katheterablation im Vergleich zu einem Scheinverfahren.

Zwar zeigten sich 73 Prozent der Patienten nach einer Ablation frei von Vorhofflimmern, gegenüber 52 Prozent in der Kontrollgruppe. Dennoch konnte nach sechs Monaten kein signifikanter Unterschied in der Lebensqualität festgestellt werden. In beiden Gruppen berichteten vier von fünf Patienten über eine Verbesserung ihres Befindens, was die Komplexität der Erfolgsmessung bei rhythmologischen Eingriffen verdeutlicht.

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Technologische Fortschritte in der Ablationstherapie

Ergänzend zu den Erkenntnissen über Lebensstilinterventionen wurden neue Daten zu spezialisierten Ablationstechniken veröffentlicht. Eine Schweizer Studie, an der Zentren in Bern und Basel sowie vier weitere Institute beteiligt waren, untersuchte den Einsatz der Pulsed Field Ablation (PFA) bei persistierendem Vorhofflimmern.

Eine zusätzliche Isolation der Herzhinterwand senkte die Arrhythmielast von 11,0 Prozent auf 6,9 Prozent. Dennoch wurde der primäre Endpunkt – die Freiheit von Vorhofflimmern über mindestens 30 Sekunden – mit 51 Prozent gegenüber 61 Prozent nicht signifikant erreicht.

Einen weiteren Ansatz verfolgte die IDEAL-AF-Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift JAMA veröffentlicht wurden. Hierbei wurde bei 209 Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern und sogenannten Low-Voltage-Zonen eine gezielte Ablation in Kombination mit der herkömmlichen Pulmonalvenenisolation (PVI) durchgeführt.

Die Freiheit von Arrhythmien nach 12 Monaten lag bei dieser Kombinationstherapie bei 67,6 Prozent, verglichen mit 37,4 Prozent bei einer alleinigen PVI. Dies entspricht einer absoluten Differenz von 30,3 Prozentpunkten. Die Rate schwerwiegender unerwünschter Ereignisse unterschied sich mit 9,8 Prozent gegenüber 7,5 Prozent nicht signifikant zwischen den Gruppen.

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