Vorhofflimmern, Pulsfeldablation

Vorhofflimmern: Pulsfeldablation + Herzohrverschluss senkt Schlaganfallrisiko

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Eingriffe verbinden Ablation und Herzohrverschluss, während die CABA-MiTRA-Studie den Schutz vor Schlaganfällen nach Klappenreparaturen untersucht.

Vorhofflimmern: Kombinierte Ablation und Herzohrverschluss im Fokus
Ein steriler Operationssaal mit medizinischer Ausrüstung und einer leeren Operationstisch-Anordnung. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung von Vorhofflimmern und die damit verbundene Prävention von Schlaganfällen entwickeln sich durch minimalinvasive und kombinierte Verfahren rasant weiter.

Vor allem bei Risikopatienten, bei denen eine dauerhafte medikamentöse Blutverdünnung mit Gefahren behaftet ist, setzen kardiologische Zentren zunehmend auf simultane Eingriffe: die gezielte Verödung von Herzmuskelgewebe gepaart mit dem mechanischen Verschluss des linken Vorhofohrs.

Indexgeführte Pulsed-Field-Ablation im klinischen Einsatz

An der Universitätsklinik Xinqiao der Militärmedizinischen Universität behandelte das Team um Professor Tan Hu einen 71-jährigen Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern im Rahmen einer der ersten quantifizierten, indexgeführten Pulsed-Field-Ablationen (PFA) in China.

Der Betroffene wies ein stark vergrößertes linkes Atrium, eine Herzinsuffizienz, eine mittelgradige Aortenklappeninsuffizienz sowie eine schwere Trikuspidalklappeninsuffizienz auf. Zudem bestanden Folgeerscheinungen eines Hirninfarkts, der fünf Jahre zurücklag, sowie eine seit acht Monaten bestehende Belastungsdyspnoe.

Das Team kombinierte die PFA-Ablation mit einem simultanen Verschluss des linken Herzohrs. Wie Tan Hu darlegte, entstehen bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern 90 Prozent der Thromben in diesem Bereich.

Nach einem erfolgreichen Verschluss sei keine lebenslange Antikoagulation mehr erforderlich; die Patientinnen und Patienten müssen die gerinnungshemmenden Medikamente in der Regel lediglich drei Monate lang einnehmen und können danach auf andere antithrombotische Therapien umgestellt werden.

Ähnliche Kombinationsansätze zeigen sich auch bei anderen Ablationstechnologien. Am Stadtkrankenhaus für Traditionelle Chinesische Medizin in Rizhao wurde bei einem 80-jährigen Patienten, der seit sieben Jahren an persistierendem Vorhofflimmern litt und infolge der Antikoagulation eine leichte Anämie entwickelt hatte, ein Eingriff mittels Radiofrequenzablation durchgeführt.

Nach einer einmonatigen intensivierten Medikation zur Auflösung eines vorab per Ultraschall nachgewiesenen Thrombus im Vorhofohr führten die behandelnden Ärzte Zhang Xuemei und Wang Guangyun eine zirkuläre Lungenvenenisolation samt BOX-Ablation unter Carto-3-Navigation sowie den Vorhofohrverschluss durch.

Die Operation über die Femoralvene dauerte 2 Stunden und 15 Minuten. Am zweiten postoperativen Tag zeigte das EKG einen normalen Rhythmus, und die linksventrikuläre Ejektionsfraktion stieg von 55 Prozent auf 62 Prozent an, bevor die Entlassung am dritten Tag erfolgte.

Chirurgische und endoskopische Alternativen

Für Personen, die für eine langfristige orale Antikoagulation ungeeignet sind, bieten auch chirurgische Verfahren Alternativen. Professor Chen Shaowei vom Krankenhaus Linkou Chang Gung verweist darauf, dass über 90 Prozent der Thromben bei Vorhofflimmern im linken Herzohr entstehen.

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Als minimalinvasive Option steht dort die thorakoskopische Clip-Verschlussmethode zur Verfügung, wie der erfolgreiche Verschluss bei einem 64-jährigen Mann mit vorausgegangener Hirnblutung belegt.

Internationale Leitlinien stützen diesen Weg: Nach Angaben des Hauses empfiehlt die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) aus dem Jahr 2024 den endoskopischen chirurgischen Verschluss des Herzohrs bei Patienten, die keine langfristige Antikoagulation einnehmen können. Zudem gilt der simultane Verschluss im Rahmen offener Herzoperationen als Klasse-I-Empfehlung.

Während konventionelle Nähte ein Rekanalisationsrisiko bergen, weist der externe thorakoskopische Verschluss geringere Raten ischämischer Schlaganfälle auf. Bei gleichzeitiger Mitralinsuffizienz werden Reparatur, Ablation und Clip-Verschluss über mehrere Ein-Zentimeter-Inzisionen kombiniert, wobei trotz des reduzierten Risikos eine langfristige Nachsorge unerlässlich bleibt.

Klinische Studien evaluieren Ablationsstrategien

Parallel zur praktischen Anwendung untersuchen klinische Studien die langfristige Wirksamkeit interventioneller Verfahren nach herzchirurgischen Eingriffen.

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) startete gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) die multizentrische Studie CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 (Registrierungsnummer NCT07380932). Am 21. September 2026 wurde die erste Teilnehmerin an der Uniklinik Köln eingeschlossen.

Die Untersuchung geht der Frage nach, ob eine Katheterablation bei Vorhofflimmern nach einer Mitralklappenreparatur einen besseren Schutz vor Schlaganfällen und Komplikationen bietet als die medikamentöse Standardtherapie.

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Geplant ist der Einschluss von 956 Patientinnen und Patienten an etwa 50 Kliniken in Deutschland und Europa, deren Klappenreparatur maximal sechs Monate zurückliegt. Neben der 1:1-Randomisierung zwischen Ablation und Medikation sieht eine Substudie die Erfassung der Vorhofflimmerlast über Ereignisrekorder vor.

Geleitet wird das Vorhaben von Professor Stephan Willems in Zusammenarbeit mit den Professoren Lars Eckardt, Daniel Steven und Reza Wakili; gefördert wird es durch das DZHK, die Deutsche Herzstiftung sowie die Industriepartner Abbott Medical, Boston Scientific und Biosense Webster/Johnson & Johnson.

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