Vorhofflimmern: PFA und Vorhofohr-Verschluss erstmals kombiniert eingesetzt
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie kathetergestützte Therapie von Vorhofflimmern entwickelt sich zunehmend in Richtung kombinierter Verfahren, um sowohl Herzrhythmusstörungen zu behandeln als auch das damit verbundene Schlaganfallrisiko zu senken.
Am 2. Oktober 2026 führte der Elektrophysiologe Juanico Cedano am Grupo Médico MAC Center erstmals in der Dominikanischen Republik eine kombinierte Intervention durch. Dabei kamen die Pulskraftfeld-Ablation (PFA) und der perkutane Verschluss des linken Vorhofohrs (LAAC) in einer gemeinsamen Sitzung zum Einsatz, wie unter anderem portadamedica.com am 14. Oktober 2026 berichtete. Das übergeordnete Ziel des Eingriffs besteht in der Reduktion thromboembolischer Ereignisse bei ausgewählten Patientengruppen.
Verfahrenskombination in einem einzigen Eingriff
Für den kombinierten Eingriff wurden Technologien des Herstellers Boston Scientific genutzt: das FARAPULSE-System für die Pulskraftfeld-Ablation sowie das WATCHMAN-System für den Verschluss des linken Vorhofohrs.
Wie das Grupo Médico MAC Center hervorhob, bietet die gleichzeitige Durchführung beider Prozeduren erhebliche organisatorische und medizinische Vorzüge für die Betroffenen. Anstelle zweier zeitlich getrennter Behandlungen ermöglicht der Ansatz einen einzigen Vorbereitungs-, Interventions- und Erholungsprozess.
Die Kombination adressiert zwei Kernprobleme des Vorhofflimmerns parallel: Während die Ablation auf die Stabilisierung des Herzrhythmus abzielt, verhindert die mechanische Abdichtung des linken Vorhofohrs die Bildung von Blutgerinnseln an der Hauptursprungsstelle kardialer Thromben.
Studiendaten stützen die klinische Anwendung
Das Grupo Médico MAC Center stützt den Einsatz dieser kombinierten Strategie auf die Ergebnisse der Studien ADVENT und OPTION. Beide klinischen Untersuchungen lieferten wegweisende Daten zu den eingesetzten Systemen von Boston Scientific.
Die Kombination aus Pulskraftfeld-Ablation und Verschluss des linken Vorhofohrs in einer Sitzung adressiert zwei Probleme des Vorhofflimmerns parallel: Rhythmusstabilisierung und Thrombembolie-Schutz. Die Studien ADVENT und OPTION liefern dazu die Evidenzbasis. In diesem kostenlosen Leitfaden finden Sie die Datenlage kompakt aufbereitet und eine Checkliste, mit der Sie die kombinierte Indikation für Ihre Patienten Schritt für Schritt prüfen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
In der ADVENT-Studie von Boston Scientific wurde die Pulskraftfeld-Ablation mit etablierten thermischen Ablationsverfahren verglichen. Nach einem Zeitraum von 12 Monaten lag die Wirksamkeitsrate unter PFA bei 73,3 Prozent gegenüber 71,3 Prozent bei den thermischen Verfahren. Damit erreichte das PFA-System die statistische Nichtunterlegenheit gegenüber der herkömmlichen thermischen Behandlung.
Ebenfalls von Boston Scientific stammt die OPTION-Studie, die 1600 Patienten umfasste und den Verschluss des linken Vorhofohrs mit dem WATCHMAN FLX gegen eine medikamentöse orale Antikoagulation nach einer Vorhofflimmer-Ablation prüfte.
Nach einer Nachbeobachtungszeit von 36 Monaten trat der kombinierte Endpunkt aus Tod, Schlaganfall oder systemischer Embolie bei 5,3 Prozent der Patienten mit WATCHMAN FLX auf, verglichen mit 5,8 Prozent in der Gruppe mit oraler Antikoagulation.
Deutliche Unterschiede zeigten sich zudem beim Blutungsrisiko: Die Rate an nicht-prozeduralen Blutungen lag bei 8,5 Prozent unter dem Vorhofohr-Verschluss gegenüber 18,1 Prozent unter fortgeführter oraler Antikoagulation.
Relevanz für ausgewählte Patientengruppen
Die simultane Anwendung beider Verfahren bietet insbesondere jenen Patienten eine Perspektive, die trotz erfolgreicher Rhythmisierungsansätze ein hohes thromboembolisches Risiko aufweisen oder Kontraindikationen beziehungsweise erhöhte Risiken bei einer dauerhaften oralen Blutverdünnung tragen.
Bei Patienten mit hohem thromboembolischem Risiko oder Kontraindikation gegen dauerhafte orale Antikoagulation bleibt die Blutungsfrage oft ungelöst. In der OPTION-Studie lag die Rate nicht-prozeduraler Blutungen unter Vorhofohr-Verschluss bei 8,5 Prozent gegenüber 18,1 Prozent unter fortgeführter oraler Antikoagulation. Unser kostenloser Leitfaden zeigt, wie Sie Blutungsrisiko und Antikoagulation nach der Ablation strukturiert abwägen und dokumentieren. Leitfaden Blutungsrisiko jetzt sichern
Durch die Bündelung der Pulskraftfeld-Ablation mit dem Vorhofohr-Verschluss in einem Arbeitsschritt lassen sich Behandlungsabläufe verdichten, während die publizierten Studienergebnisse eine robuste Evidenzbasis für Sicherheit und Wirksamkeit liefern.
