Vorhofflimmern: Neue Ablations-Verfahren senken Schlaganfallrisiko drastisch
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 21:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Deutsche Herzstiftung schätzt die Zahl der Betroffenen entsprechend hoch ein. Doch neue Verfahren versprechen bessere Behandlung bei weniger Risiko.
Endoskopische Ablation: Minimalinvasiv und doppelt wirksam
Ein besonders schonender Ansatz ist die endoskopische Ablation. Spezialisierte Zentren wie das Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) setzen sie seit Juli 2026 ein – vor allem bei Patienten, bei denen herkömmliche Methoden wie die Kardioversion versagen.
Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose durch nur einen Zentimeter lange Schnitte am Brustkorb. Die Operationszeit: rund zwei Stunden. Entscheidender Vorteil: Die Ablation lässt sich mit dem Verschluss des linken Vorhofohrs kombinieren. Ein Clip verhindert dort die Bildung von Blutgerinnseln – und senkt so das Schlaganfallrisiko drastisch. Das HDZ NRW führt eigenen Angaben zufolge jährlich rund 2.000 Ablationen durch.
Elektroporation: Strom statt Hitze oder Kälte
Eine weitere Innovation ist die Pulsed Field Ablation (PFA), auch Elektroporation genannt. Das Klinikum Fulda hat das Verfahren im Juli 2026 in den Routinebetrieb übernommen. Statt mit Hitze oder Kälte arbeitet die PFA mit ultrakurzen elektrischen Impulsen im Millisekundenbereich.
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Diese Impulse verändern die Durchlässigkeit der Herzmuskelzellen so, dass sie absterben – ohne das umliegende Gewebe thermisch zu schädigen. Das schont besonders die Speiseröhre und benachbarte Nerven, betont Dr. Joachim Krug, leitender Elektrophysiologe in Fulda. Die Behandlung sei kürzer und sicherer. Allerdings: Der spezialisierte PFA-Katheter ist bislang nur in wenigen deutschen Kliniken verfügbar.
Robotik und MRT: Navigation ohne Röntgenstrahlung
Auch die Technik macht Fortschritte. Im Juli 2026 startete an der Universität Szeged das erste robotische Kardiologieprogramm Ungarns. Zum Einsatz kommt das Genesis Robotic Magnetic Navigation System von Stereotaxis – entwickelt für komplexe Herzrhythmusstörungen. Die Mediziner erwarten, damit jährlich hunderte Patienten behandeln zu können.
Parallel treibt Imricor Medical Systems die Arbeit unter Echtzeit-MRT-Kontrolle voran. Das Unternehmen erhielt im Januar 2026 Zulassungen für sein NorthStar Mapping System und den Vision-MR Diagnostic Catheter. Mitte Juli folgte ein Zulassungsantrag für steuerbare Einführkatheter bei der US-Arzneimittelbehörde FDA. Ziel: präzise Navigation im Herzen ohne jede Strahlenbelastung.
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Früherkennung bleibt entscheidend
So wichtig die operativen Fortschritte sind – die größte Hürde bleibt die frühzeitige Diagnose. Symptome wie plötzliches Herzstolpern, unregelmäßiger Puls, Atemnot oder Schwindel können auf Vorhofflimmern hinweisen. Sie treten aber oft nur episodisch auf. Die Diagnose erfolgt in der Regel über EKG- oder Langzeit-EKG-Aufzeichnungen.
Um die Bevölkerung zu sensibilisieren, startet Ende Juli 2026 eine Aufklärungsaktion auf dem Marktplatz in Karlsruhe. Experten informieren dort über Prävention und Diagnosemöglichkeiten von Vorhofflimmern und Diabetes. Auch das HDZ NRW plan für November 2026 eine Informationsveranstaltung zu aktuellen Therapiemöglichkeiten.
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