Vorhofflimmern: Neue Ablation dauert nur 13 Minuten
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kardiologische Forschung erweitert derzeit an mehreren Fronten das Behandlungsspektrum für Herzpatienten. Von neuen Phase-III-Studien zu Herzmuskelerkrankungen über minimalinvasive Ablationsverfahren bis hin zu nicht-invasiven Nervenstimulationen zeichnet sich ein breites Bild fortschreitender klinischer Entwicklung ab.
Langzeitdaten zu Acoramidis bei ATTR-Kardiomyopathie
Das Unternehmen BridgeBio Pharma hat im August 2026 den ersten Teilnehmer in der Phase-3b/4-Studie ASCEND-ATTR mit dem Wirkstoff Acoramidis dosiert. Die einarmige, prospektive und offene Studie soll Langzeiteffekte des Präparats auf kardiale Struktur, Funktion und Amyloidlast bei transthyretin-vermittelter Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) untersuchen.
Rund 150 Teilnehmer werden über 36 Monate jährlich per kardialer Magnetresonanztomographie (CMR) und Echokardiographie kontrolliert. Primärer Endpunkt ist der Responder-Status im Monat 36, gemessen an einer Verbesserung der linksventrikulären Systolenfunktion gegenüber dem Ausgangswert. Sekundäre Endpunkte umfassen weitere CMR-Maße, Biomarker und Bildgebungsdaten in den Monaten 12 und 24.
Acoramidis gilt laut BridgeBio als einziger selektiver oraler TTR-Stabilisator mit einer Stabilisierung von mindestens 90 Prozent. In der bereits vorliegenden ATTRibute-CM-CMR-Substudie zeigten sich Verbesserungen bei linksventrikulärem Massenindex, linksventrikulärem Schlagvolumenindex und Ejektionsfraktion bis Monat 30 sowie in einer Subgruppe eine Regression der Amyloidablagerungen. Weitere Daten sollen auf dem ESC-Kongress 2026 vorgestellt werden.
Fokale Ablation und nicht-invasive Nervenstimulation bei Vorhofflimmern
Das Unternehmen Field Medical hat 12-Monats-Ergebnisse seiner ersten Studie am Menschen zum FieldForce-PFA-System, einem Hochvolt-Fokal-Ablationsverfahren zur Pulmonalvenenisolation (PVI), in der Fachzeitschrift JACC: Clinical Electrophysiology veröffentlicht und bei der Konferenz HRX Live 2026 präsentiert. Die mediane Ablationsdauer lag bei 13 Minuten, im schnellsten Fall bei 7,7 Minuten.
Die PVI-Haltbarkeit pro Vene erreichte mit optimierter Wellenform 94,2 Prozent, bei 49 Prozent der Patienten wurde zusätzlich außerhalb des Pulmonalvenenbereichs abladiert. Primäre Sicherheitsereignisse traten nicht auf, und nach zwölf Monaten waren 80 Prozent der Patienten mit optimierter Wellenform frei von Vorhofarrhythmien.
Parallel dazu stellte StimCardio Medical bei HRX Live 2026 Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, sham-kontrollierten NeuroPulse-Pilotstudie vor, die in der Fachzeitschrift Heart Rhythm veröffentlicht wurden.
Eine Ablation, die im Median nur 13 Minuten dauert — was heißt das für Patienten mit Vorhofflimmern? Der kostenlose Ratgeber ordnet die aktuellen Studienergebnisse verständlich ein und zeigt, welche Fragen Sie vor einem Eingriff mit Ihrem Kardiologen klären sollten. Kostenlosen Ratgeber jetzt anfordern
Untersucht wurde eine nicht-invasive Medianus-Nervenstimulation nach einer Ablation bei Vorhofflimmern mittels eines investigativen, ärztlich verordneten Handgelenkgeräts namens Rhyvive.
Von 77 randomisierten Patienten (modifizierte Intention-to-treat-Population: 59) waren nach sechs Monaten 90,0 Prozent frei von Vorhofarrhythmien gegenüber 80,8 Prozent in der Sham-Gruppe – ein Unterschied, der statistisch nicht signifikant war.
Eine Sensitivitätsanalyse nach der 60-tägigen Einlaufphase zeigte jedoch 12 Ereignisse unter aktiver Stimulation gegenüber 28 in der Kontrollgruppe, was signifikant war. Schwere unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit dem Gerät wurden nicht beobachtet.
Sotagliflozin-Studie bei hypertropher Kardiomyopathie vollständig rekrutiert
Lexicon Pharmaceuticals meldete, dass die Phase-III-Studie SONATA-HCM mit dem Wirkstoff Sotagliflozin bei hypertropher Kardiomyopathie Ende Juli 2026 die Rekrutierung abgeschlossen hat. Das ursprüngliche Ziel von 500 Patienten mit obstruktiver und nicht-obstruktiver Form wurde deutlich übertroffen.
Die 26-wöchige Studie misst als primären Endpunkt den Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire (KCCQ) und schließt auch Patienten mit einer Ejektionsfraktion von bis zu 50 Prozent sowie bestimmte Fälle mit begleitender kardialer Beteiligung ein. Topline-Daten werden für das erste Quartal 2027 erwartet.
Einordnung
Die Bandbreite der laufenden Studien – von oralen TTR-Stabilisatoren über fokale Ablationstechniken bis zu nicht-invasiver Nervenstimulation – verdeutlicht, dass die Kardiologie derzeit auf mehreren methodischen Ebenen gleichzeitig nach verbesserten Therapieoptionen für strukturelle und rhythmogene Herzerkrankungen sucht.
Viele Patienten fragen sich nach einer Ablation: Kommt das Vorhofflimmern zurück? Aktuelle Studien untersuchen genau das — von der Haltbarkeit der Pulmonalvenenisolation bis zu neuen Ansätzen nach dem Eingriff. Der Ratgeber erklärt die Ergebnisse in klarer Sprache. Studienlage verständlich erklärt — jetzt sichern
Belastbare Aussagen zur klinischen Praxisrelevanz werden allerdings erst mit dem Vorliegen der jeweiligen Abschlussdaten möglich sein, die für mehrere der genannten Studien erst in den kommenden Jahren erwartet werden.
