Vorhofflimmern, Netzhautveränderungen

Vorhofflimmern: Netzhautveränderungen zeigen Risiko bis zu vier Jahre früher

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Londoner Studie verknüpft Netzhautveränderungen mit späterem Vorhofflimmern; weitere Ansätze nutzen EKG-Daten, KI und Geruchssensorik.

Herzdiagnostik: Netzhautmerkmale könnten Vorhofflimmern früh anzeigen
Nahaufnahme einer hochpräzisen medizinischen Optik in einer sterilen Laborumgebung mit kühler Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Veränderungen am menschlichen Auge wertvolle Hinweise auf drohende Herzerkrankungen liefern können.

Im Zentrum dieser Entwicklung steht eine Studie des University College London und des Moorfields Medical Center, die in der Fachzeitschrift PLOS Digital Health publiziert wurde. Demnach lässt sich Vorhofflimmern bereits rund vier Jahre vor einer klinischen Diagnose durch spezifische Merkmale der Netzhaut identifizieren.

Retinale Veränderungen als Vorbote kardialer Störungen

An der Untersuchung waren etwa 90.000 Probanden beteiligt. Die Forscher stellten fest, dass Patienten, die zu einem späteren Zeitpunkt Vorhofflimmern entwickelten, bereits Jahre zuvor messbare morphologische Besonderheiten im Auge aufwiesen. Konkret handelte es sich dabei um eine geringere Dicke der Makula-Ganglienzellen sowie eine dünnere innere plexiforme Schicht (mGCIPL).

Laut den Ergebnissen traten diese Veränderungen im Durchschnitt vier Jahre vor einer krankheitsbedingten Krankenhauseinweisung auf. Der Hauptautor der Studie, Josef Huemer, wies darauf hin, dass routinemäßige Augenuntersuchungen künftig dazu beitragen könnten, gefährdete Personen frühzeitig für weiterführende kardiologische Abklärungen zu identifizieren. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der Krankheitslast von Bedeutung: In Deutschland sind schätzungsweise zwei Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen, der häufigsten Form der anhaltenden Herzrhythmusstörung.

Technologische Fortschritte in der KI-gestützten Diagnostik

Parallel zur retinalen Forschung werden digitale Verfahren zur Analyse von Herzsignalen optimiert. Ein Team der Medizinischen Universität Innsbruck entwickelte mit xECG ein sogenanntes Foundation Model zur Analyse von EKG-Signalen.

Wie in einem Bericht vom 29.09.2026 in npj Digital Medicine dargelegt wurde, basiert das Modell auf den Daten von etwa 1,7 Millionen Patienten und umfasst rund acht Millionen EKGs. Das System ist in der Lage, auch sehr lange Signalaufzeichnungen effizient zu verarbeiten, was beispielsweise für die Diagnose von Schlafapnoe relevant sein kann.

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Ebenfalls im Bereich der softwaregestützten Diagnostik ist der Algorithmus ACS Pathfinder des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) anzusiedeln. Das System, das seit September 2026 über ein europäisches Patent verfügt und als Medizinprodukt zertifiziert ist, nutzt maschinelles Lernen zur Berechnung der Herzinfarkt-Wahrscheinlichkeit.

Durch die Kombination von Markern wie Troponin mit Alter und EKG-Daten konnte in bisherigen Untersuchungen ein Herzinfarkt bei 36 Prozent der Verdachtsfälle nach einer einzigen Messung sicher ausgeschlossen werden – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 14 Prozent herkömmlicher Verfahren. Eine umfassende klinische Studie mit 658 Patienten soll Ende 2026 beginnen.

Innovative Ansätze über Geruchssensorik und neue Therapiemethoden

Neben optischen und elektrischen Signalen rückt die Analyse flüchtiger organischer Verbindungen (VOCs) in den Fokus. Das Fraunhofer IIS und die TU Dresden untersuchen im Rahmen des EU-Projekts SMELLODI die laserbasierte photoakustische Spektroskopie zur Erkennung von Krankheitsgerüchen.

In einer Machbarkeitsstudie wurden Proben von 24 Personen analysiert, darunter Patienten mit Parkinson oder COVID-19. Besonders Nasenabstriche erwiesen sich hierbei als vielversprechend, um einen chemischen Fingerabdruck der Probanden zu erstellen. Obgleich dies noch keinen finalen Diagnosetest darstellt, wird das Verfahren als potenzielle Methode zur Vorsortierung in Kliniken betrachtet.

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Für Patienten, bei denen bereits eine Erkrankung vorliegt, stehen modernisierte Behandlungswege zur Verfügung. Am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt wird seit August 2026 flächendeckend die Pulsed-Field-Ablation (PFA) in drei spezialisierten Laboren eingesetzt. Diese Methode zur Behandlung von Vorhofflimmern gilt als effizient und ermöglicht bei geeigneten Patienten häufig eine Entlassung noch am selben Tag.

Die Verknüpfung von Augenheilkunde und Kardiologie, wie sie auf dem 124. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) unter dem Leitthema „Augenheilkunde ohne Grenzen“ thematisiert wurde, unterstreicht den Trend zu einer fächerübergreifenden Präventionsmedizin. Die neuen Forschungsergebnisse aus London könnten dazu führen, dass der Blick in das Auge künftig standardmäßig zur kardiovaskulären Risikovorsorge gehört.

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