Vorhofflimmern, KI-Modell

Vorhofflimmern: KI-Modell senkt Schlaganfälle in Simulation von 78 auf 53

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 19:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Simulation mit 9.677 Personen zeigt weniger Schlaganfälle durch KI-Risikobewertung; eine klinische Bestätigung steht noch aus.
Ein heller, steriler Untersuchungsraum in einer Arztpraxis mit einer leeren Behandlungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Vorhofflimmern gilt als die am weitesten verbreitete Herzrhythmusstörung und stellt einen der zentralen Risikofaktoren für zerebrale Durchblutungsstörungen dar. Eine im Fachblatt Journal of Clinical Medicine publizierte Forschungsarbeit unter Leitung von Dr. Anna Panisello von Camfic und der spanischen Universitat Rovira i Virgili (URV) analysiert das Potenzial automatisierter Risikoanalysen.

Den Ergebnissen zufolge kann der Einsatz eines Modells auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) in der Primärversorgung die Zahl thromboembolischer Ereignisse messbar verringern.

Simulation zeigt deutliche Risikoreduktion

Die Untersuchung von Dr. Anna Panisello stützt sich auf einen Datensatz von 9.677 Patientinnen und Patienten im Alter von 65 bis 95 Jahren aus der Primärversorgung der katalanischen Region Terres de l’Ebre. Das angewendete KI-Modell zielt darauf ab, Personen mit einem besonders hohen Risiko für thromboembolische Komplikationen frühzeitig zu identifizieren.

In den durchgeführten Modellrechnungen reduzierte sich das Auftreten von Schlaganfällen pro 1.000 Personen mit entsprechendem Gefährdungsprofil von 78 auf 53 Fälle. Die Autorin weist zugleich darauf hin, dass diese Ergebnisse bislang auf rechnerischen Simulationen basieren und noch nicht im klinischen Praxisalltag validiert wurden.

Hohe Dunkelziffer und geschlechtsspezifische Unterschiede

Die Erhebung verdeutlicht zugleich die klinische Relevanz der Arrhythmie. Laut der Forschungsarbeit betrifft Vorhofflimmern eine von drei Personen und vervierfacht nicht nur die Gefahr kardiovaskulärer Zwischenfälle, sondern multipliziert das spezifische Risiko für einen ischämischen Schlaganfall um den Faktor fünf.

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Eine wesentliche Hürde bleibt das Ausbleiben eindeutiger Symptome: Rund 20 Prozent der Fälle bleiben unentdeckt. Zudem ergab die Analyse, dass Frauen nach dem Auftreten von Vorhofflimmern ein höheres Schlaganfallrisiko tragen als Männer.

Die Dimension des Problems spiegelt sich auch in gesamtgesellschaftlichen Kennzahlen wider. Laut dem Deutschen Herzbericht – Update 2026 führt Vorhofflimmern in Deutschland jährlich zu rund 360.800 vollstationären Krankenhausaufnahmen und rund 29.800 Todesfällen (Bezugsjahr 2024), womit es die achthäufigste Todesursache darstellt. In Europa entwickelt im Laufe des Lebens mindestens jeder dritte Mensch diese Rhythmusstörung.

Früherkennung und therapeutische Handlungsfelder

Nach Einschätzung der Deutschen Herzstiftung sind bundesweit über 1,6 Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen, wobei die Störung bei fast der Hälfte symptomlos verläuft. Rund 20 bis 30 Prozent der ischämischen Schlaganfälle lassen sich auf das fllimmern zurückführen.

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Der Vorstandsvorsitzende der Herzstiftung, Prof. Thomas Voigtländer, betonte in diesem Zusammenhang, dass der Großteil der behandlungsbedürftigen Personen mindestens 65 Jahre alt ist und ab dem 70. Lebensjahr etwa jeder Zehnte betroffen sei.

Um unbemerkte Episoden schneller zu erkennen, verweist die Herzstiftung auf digitale Hilfsmittel. Smartwatches und Wearables mit EKG-Funktion oder Photoplethysmographie können laut der Stiftung bei der Pulswellenmessung eine Treffsicherheit von über 90 Prozent erreichen. Sie ersetzen jedoch keine ärztliche Untersuchung und erkennen keinen Herzinfarkt. Kardiologen empfehlen Personen ab 65 Jahren mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck sowie allen über 75-Jährigen eine tägliche Pulsmessung.

Internationale Studien untermauern parallel die Relevanz einer konsequenten Schlaganfallprävention. Die südkoreanische SINGLE-AF-Studie zeigte im New England Journal of Medicine, dass orale Antikoagulanzien bei Betroffenen mit moderatem Risikoprofil über 24 Monate hinweg den primären Endpunkt aus Schlaganfällen, Embolien, schweren Blutungen und kardiovaskulärem Tod um 69 Prozent senkten (HR 0,31).

Zudem verknüpfte eine an der Universität Ky?to durchgeführte Registerstudie eine frühe Rhythmuskontrolle innerhalb von acht Wochen nach einem Schlaganfall mit einer geringeren Fünfjahres-Rezidivrate sowie einer gesunkenen Gesamtmortalität.

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de | wissenschaft | 70430004 |