Vorhofflimmern in der Langzeitpflege: Absetzen verändert Schlaganfallrisiko nicht messbar
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie medikamentöse Gerinnungshemmung bei älteren Menschen mit Vorhofflimmern erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen dem Schutz vor ischämischen Ereignissen und potenziellen Blutungsrisiken.
Eine im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Untersuchung zeigt nun, dass bei Medicare-Begünstigten mit Vorhofflimmern, die in eine Langzeitpflegeeinrichtung aufgenommen wurden, kein statistisch signifikanter Unterschied beim Schlaganfall- oder Blutungsrisiko zwischen Personen bestand, welche die Antikoagulation absetzten, und jenen, die sie fortführten.
Schlaganfall- und Blutungsraten in der Langzeitpflege
In der in JAMA Network Open publizierten Auswertung betrug die mittlere Beobachtungsdauer bei Patienten, die ihre Antikoagulation absetzten, 128,9 Tage. Bei Personen, die die Therapie fortführten, lag die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit bei 279,6 Tagen.
Im Beobachtungszeitraum traten 187 Schlaganfälle in der Gruppe der Absetzer auf, verglichen mit 321 Fällen unter fortgeführter Behandlung. Blutungsereignisse wurden bei 297 Absetzern und 493 Fortführern verzeichnet. Hinsichtlich der Sterbefälle erfasste die Erhebung 3.684 Todesfälle bei Patienten mit Therapieabbruch, was einer Sterberate von 46,8 Prozent entsprach.
In der Fortführungsgruppe wurden 5.475 Todesfälle registriert, was einem Anteil von 39,8 Prozent entsprach. Wie die Autoren anmerkten, schränke die allgemein hohe Mortalität dieser Kohorte die Aussagekraft der Ergebnisse ein, weshalb weitere Forschung auf diesem Gebiet erforderlich sei.
Gesamtmortalität und Behandlungsverläufe bei über 80-Jährigen
Ergänzende Befunde zu älteren Patientengruppen liefert eine retrospektive Kohortenstudie im Journal of General Internal Medicine. Bei Erwachsenen im Alter von mindestens 80 Jahren mit Vorhofflimmern war der Einsatz von Antikoagulation mit einem um 25 Prozent niedrigeren Gesamtmortalitätsrisiko assoziiert (Hazard Ratio 0,75; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,71–0,79). Das mittlere Alter der analysierten Kohorte lag bei 85,04 Jahren, bei einem Frauenanteil von 53,5 Prozent.
Die Studienpopulation unterteilte sich in 18.949 nie behandelte Personen (41,8 Prozent), 12.060 Patienten mit Therapiebeginn (26,6 Prozent), 8.599 Fortführer (19,0 Prozent) sowie 5.697 Personen, die das Medikament absetzten (12,6 Prozent). Als häufigster Wirkstoff kam Apixaban bei 13.294 Patienten (29,3 Prozent) zum Einsatz, während Warfarin bei 9,8 Prozent verabreicht wurde.
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Nach einem Jahr belief sich die Mortalität bei dauerhafter Weiterbehandlung auf 8,7 Prozent, gegenüber 17,7 Prozent bei Personen, die nie gerinnungshemmende Medikamente erhielten.
Im Vergleich zur Fortführung ergab sich bei einem Behandlungsbeginn eine Hazard Ratio von 1,51 für die Ein-Jahres-Mortalität, bei einem Absetzen von 1,64 und in der Gruppe ohne Behandlung von 2,22. Gastrointestinale Blutungen traten bei 13,0 Prozent der Fortführer, 11,9 Prozent der Einsteiger, 6,5 Prozent der Absetzer und 6,6 Prozent der Unbehandelten auf.
Intrakranielle Blutungen blieben mit 1,3 bis 1,6 Prozent über die Gruppen hinweg vergleichbar (p=0,129). Über einen Zeitraum von fünf Jahren konvergierte die Mortalität aller Gruppen auf Werte zwischen 27,5 und 30,2 Prozent.
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Daten zur Therapie nach früheren Hirnblutungen
Eine am 21. Oktober 2026 im Fachjournal Neurology veröffentlichte Studie der Helsinki-Universität und des Helsinki University Hospital untersuchte zudem 1.502 Patienten mit Vorhofflimmern, bei denen zuvor eine intrakranielle Blutung aufgetreten war.
Die Diagnosen des erstmaligen Vorhofflimmerns stammten aus den Jahren 2010 bis 2018; das Durchschnittsalter betrug 78 Jahre. In dieser Kohorte nahmen 15 Prozent ein direktes orales Antikoagulans (DOAK), 29 Prozent Warfarin und 56 Prozent keine Antikoagulation, bei einer Nachbeobachtung von zwei Jahren.
Nach einem Jahr lag die Rate ischämischer Schlaganfälle unter DOAK bei unter einem Prozent, unter Warfarin bei zwei Prozent und ohne Therapie bei vier Prozent. Dies entsprach einer relativen Risikosenkung von 83 Prozent unter DOAK im Vergleich zum Verzicht auf eine Therapie.
Erneute Hirnblutungen im ersten Jahr traten bei einem Prozent der DOAK-Patienten auf, bei drei Prozent unter Warfarin und bei zwei Prozent der unbehandelten Patienten. Während Warfarin mit einer Hazard Ratio von 1,85 beziehungsweise einem um 85 Prozent erhöhten Risiko für erneute intrakranielle Blutungen einherging, zeigte sich unter DOAK kein erhöhtes Blutungsrisiko.
Nicht durch Schlaganfälle bedingte Todesfälle beliefen sich im ersten Jahr auf fünf Prozent unter DOAK, neun Prozent unter Warfarin und 15 Prozent ohne Therapie, was einer Risikoreduktion von 80 Prozent für DOAK und 40 Prozent für Warfarin entsprach.
