Vorhofflimmern: Aspirin senkt das Schlaganfallrisiko nur um gut 20 Prozent
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der kardiologischen Praxis rücken die therapeutischen Grenzen von Acetylsalicylsäure (Aspirin) bei Vorhofflimmern zunehmend in den Fokus. Fachkreise weisen darauf hin, dass der Thrombozytenaggregationshemmer zur Schlaganfallprävention bei dieser Herzrhythmusstörung nur eine begrenzte Wirksamkeit aufweist.
Um Betroffene wirksam vor thromboembolischen Komplikationen zu schützen, bedarf die Auswahl einer geeigneten Antikoagulation einer genauen Abwägung individueller Risikofaktoren und einer kontinuierlichen medizinischen Betreuung.
Begrenzte Schutzwirkung und pharmakologische Unterschiede
Aspirin senkt das Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern lediglich um gut 20 Prozent. Im Gegensatz dazu reduziert das Antikoagulans Warfarin dieses Risiko bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern um 62 Prozent. Bei der Rate schwerer Blutungen unter Antithrombotika zeigt sich dabei kein signifikanter Unterschied zwischen Aspirin und Warfarin.
Der therapeutische Unterschied begründet sich im jeweiligen Wirkmechanismus: Antikoagulanzien wie Warfarin, Heparin oder Dabigatran unterbrechen gezielt die Gerinnungskaskade und kommen daher vorrangig bei Vorhofflimmern zum Einsatz. Warfarin besitzt ein enges therapeutisches Fenster sowie zahlreiche Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln und anderen Arzneimitteln, weshalb eine engmaschige Überwachung notwendig ist.
Thrombozytenaggregationshemmer wie Aspirin oder Clopidogrel blockieren hingegen die Verklumpung der Blutplättchen. Dieses Wirkprinzip wird beispielsweise nach einem Herzinfarkt oder nach einer Stentimplantation angewendet, wo etwa eine tägliche Dosis von 81 Milligramm Aspirin auf die Hemmung der Plättchenfunktion abzielt.
Leitlinien und Risikoevaluation
Der Kardiologe Prof. Dr. Dursun Aras betont, dass Aspirin bei Vorhofflimmern einen Schlaganfall nicht verhindere. Eine gerinnungshemmende Therapie dürfe nicht pauschal erfolgen, sondern müsse strikt anhand bestehender Risikofaktoren entschieden werden.
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Gemäß der Leitlinie der Fachgesellschaften AHA, ACC und HRS aus dem Jahr 2014 werden orale Antikoagulanzien wie Warfarin, Dabigatran, Rivaroxaban oder Apixaban ab einem Wert von 2 Punkten im CHA2DS2-VASc-Score empfohlen.
Bei einem Wert von 0 Punkten sollten keine Antithrombotika verordnet werden; bei einem Wert von 1 Punkt besteht die Option, auf Antithrombotika zu verzichten oder eine Antikoagulation beziehungsweise Aspirin einzusetzen.
Auch der Mediziner Ma Changsheng hält fest, dass die überwiegende Mehrheit der chinesischen Patienten mit Vorhofflimmern kein Aspirin benötigt. In China liegt die Gesamtprävalenz der Rhythmusstörung bei 0,77 Prozent, was mehr als 8 Millionen Betroffenen entspricht; in Taiwan beträgt sie 1 Prozent.
Etwa ein Drittel der Patienten mit Vorhofflimmern erleidet einen Schlaganfall. Das Schlaganfallrisiko ist fünffach, das Sterberisiko doppelt so hoch wie bei Personen ohne diese Erkrankung, und etwa jeder sechste Schlaganfall steht im Zusammenhang mit Vorhofflimmern.
Risiken der Primärprävention und Früherkennung
Aspirin hemmt zwar die Thrombozytenaggregation und senkt das Risiko eines erneuten Gefäßverschlusses bei entsprechender Vorerkrankung, birgt jedoch denselben Mechanismus bedingt erhebliche Blutungsrisiken bis hin zu inneren Blutungen in Magen, Darm oder Gehirn.
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Die Kardiologin Catherine Tremblay warnt vor der täglichen Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin (81 Milligramm) bei Gesunden, da bei der Primärprävention die Risiken den Nutzen übersteigen. Dies belegte auch die ASPREE-Studie an älteren Erwachsenen: Die tägliche Gabe senkte die kardiovaskulären Raten nicht, führte jedoch zu einer Zunahme schwerer Blutungsereignisse.
Leitlinien raten daher ab einem Alter von 60 Jahren von einer routinemäßigen Einnahme zur Primärprävention ab. Erwachsenen über 70 Jahren ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen wird generell davon abgeraten, zumal das Blutungsrisiko im Alter und durch Medikamenteninteraktionen steigt.
Da Vorhofflimmern laut Aras häufig symptomlos verläuft und ein Schlaganfall der erste Befund sein kann, kommt der Diagnostik große Bedeutung zu. Die Häufigkeit liegt altersübergreifend bei 2 bis 3 Prozent, steigt ab 65 Jahren auf 5 bis 10 Prozent und erreicht bei über 80-Jährigen 15 bis 20 Prozent.
Neben Elektrokardiogrammen (EKG), Langzeit-Untersuchungen und unterstützenden Messungen über Smartwatches empfiehlt Aras Personen ab 65 Jahren kardiologische Kontrollen. Neben der Schlaganfallprävention und möglichen Katheterablationen spielen Lebensstilfaktoren wie Blutdruck, Blutzucker, Schlafapnoe, Gewicht sowie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin eine zentrale Rolle.
