Vorhofflimmern, MET-Stunden

Vorhofflimmern: 26 MET-Stunden pro Woche zeigen den stärksten Schutzeffekt

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Blutdruckkontrolle, maßvolle Bewegung und frühe Diagnose können das Risiko für Vorhofflimmern und schwere Folgen beeinflussen.
Ein leerer, sonnendurchfluteter Joggingpfad in einem grünen Park als Symbol für einen gesunden Lebensstil. Illustration mit AI erstellt.

Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen und betrifft in Deutschland über 1,6 Millionen Menschen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, drohen schwerwiegende Folgeerkrankungen wie ischämische Schlaganfälle oder eine Schwächung des Herzmuskels.

Berichte der Deutschen Herzstiftung und aktuelle wissenschaftliche Erhebungen verdeutlichen jedoch, dass ein wesentlicher Teil der Erkrankungen durch gezielte Anpassungen des Lebensstils vermeidbar wäre.

Risikofaktoren und die Bedeutung des Lebensstils

Laut Angaben der Deutschen Herzstiftung ist Bluthochdruck der bedeutendste beeinflussbare Risikofaktor für das Auftreten der Rhythmusstörung. Bei rund 60 Prozent der Patientinnen und Patienten mit langjährigem Vorhofflimmern liegt zugleich ein erhöhter Blutdruck vor.

Wie Prof. Heribert Schunkert von der Deutschen Herzstiftung darlegt, träte Vorhofflimmern ohne Bluthochdruck, Übergewicht und übermäßigen Alkoholkonsum schätzungsweise nur halb so häufig auf.

Auch ein Mangel an Bewegung wirkt sich negativ aus. Dr. Jonas Zacher weist im Rahmen der Stiftungsberichte darauf hin, dass ein inaktiver Lebensstil das Erkrankungsrisiko unabhängig vom Geschlecht um das 2,5-Fache steigert.

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Die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe betont flankierend, dass eine konsequente Behandlung von Bluthochdruck zentral für die Gefäßgesundheit ist, da dieser das Schlaganfallrisiko um das Fünffache steigert.

Zudem erhöhe Rauchen das Risiko um etwa das Dreifache, während eine mediterrane Ernährung sowie mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation präventiv wirken.

Das richtige Maß an körperlicher Aktivität

Regelmäßiges Training gilt als ein wirksamer Schutzfaktor, wobei das Ausmaß eine Rolle spielt. Laut der Deutschen Herzstiftung senkt regelmäßige moderate Aktivität das Risiko für Vorhofflimmern im Vergleich zu inaktiven Personen bei Frauen um rund 10 Prozent und bei Männern um rund 20 Prozent.

Als optimal gilt ein Ausdauertraining im Umfang von 1,5 bis 4 Stunden pro Woche; mindestens empfohlen werden 150 Minuten moderate Bewegung wöchentlich. Gleichzeitig verweist die Stiftung darauf, dass extremes Ausdauertraining von mehr als acht Stunden pro Woche bei Männern langfristig mit einem womöglich leicht erhöhten Risiko einhergehen kann.

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Diese Beobachtungen decken sich mit wissenschaftlichen Auswertungen der University of Leicester. Eine im Fachmagazin European Journal of Preventive Cardiology veröffentlichte Meta-Analyse von 37 Studien unter Leitung von Cai Lloyd Davies mit knapp 1,3 Millionen Probanden ergab, dass sportliche Aktivität das Vorhofflimmern-Risiko generell um 22 Prozent reduzieren kann.

Am effektivsten zeigte sich der Schutzeffekt bei einem Trainingsvolumen von 26 MET-Stunden pro Woche. Ein sehr hohes Trainingsvolumen von mehr als 78 MET-Stunden, was etwa sechs Stunden intensivem Ausdauertraining pro Woche entspricht, war hingegen wiederum mit einem höheren Risiko für die Herzrhythmusstörung verknüpft.

Früherkennung, Diagnose und medikamentöse Therapien

Die Erkennung der Rhythmusstörung stellt Mediziner vor Herausforderungen: Bis zu 50 Prozent der über 1,6 Millionen Betroffenen in Deutschland verspüren keine oder kaum Symptome. Unbemerkt bleibt die Erkrankung jedoch gefährlich, da schätzungsweise 20 bis 30 Prozent aller ischämischen Schlaganfälle im Bundesgebiet auf Vorhofflimmern zurückzuführen sind.

Zudem entwickelt mehr als ein Drittel der Betroffenen im weiteren Verlauf eine Herzinsuffizienz. Bei einem Ruhepuls von über 100 Schlägen pro Minute oder unregelmäßigem Herzschlag raten Fachleute zu einer zeitnahen ärztlichen Abklärung.

Eine normale Ruheherzfrequenz liegt zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute. Über 65-Jährige mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder koronarer Herzkrankheit sowie generell alle Personen ab 75 Jahren sollten ihren Puls täglich kontrollieren.

Wearables mit 1-Kanal-EKG oder PPG-Sensoren bieten bei der Erfassung eine Treffsicherheit von über 90 Prozent, bergen jedoch auch die Gefahr von Fehlalarmen und ersetzen keine fundierte Diagnose mittels eines 12-Kanal-EKGs durch den Arzt.

Liegt ein gesichertes Vorhofflimmern vor, richtet sich die Therapie häufig nach dem CHA2DS2-VA-Score: Ab einem Wert von 2 Punkten wird die Einnahme von oralen Gerinnungshemmern empfohlen. Hierbei haben sich moderne direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) wie Dabigatran, Apixaban, Edoxaban und Rivaroxaban etabliert, um Embolien vorzubeugen.

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