Vorhofflimmern: 1,6 Millionen Deutsche betroffen, Fälle verdoppeln sich
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 06:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Deutsche Herzbericht Update 2026 mit Daten aus dem Jahr 2024, vorgestellt in Berlin, zeichnet ein differenziertes Bild der Herzgesundheit in Deutschland: Die Gesamtsterblichkeit durch Herzkrankheiten ist leicht gesunken, während die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen Herzerkrankungen weiter steigt. Der Bericht liefert damit sowohl Anlass zu vorsichtigem Optimismus als auch klare Hinweise auf strukturelle Herausforderungen im Gesundheitssystem.
Sterblichkeit sinkt über mehrere Krankheitsbilder hinweg
Bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) fiel die Sterberate 2024 auf 118,3 pro 100.000 Einwohner – ein Rückgang von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 127,3. Absolut starben 2024 insgesamt 113.473 Menschen an KHK, davon 41.258 an einem akuten Herzinfarkt, gegenüber 119.795 Fällen (davon 43.839 Infarkte) im Jahr zuvor. Über den Zeitraum von 2019 bis 2024 sank die KHK-Sterblichkeit demnach um 11,1 Prozent.
Auch bei anderen Herzerkrankungen zeigt sich ein rückläufiger Trend: Die Sterberate durch Herzschwäche lag 2024 bei 37,1 pro 100.000 Einwohner (minus 2,9 Prozent), bei Herzrhythmusstörungen bei 29,2 (minus 2,7 Prozent) und bei Herzklappenerkrankungen bei 22,7 (minus 0,4 Prozent).
Insgesamt starben laut Bericht fast 205.000 Menschen 2024 an Folgen von Herzinfarkten oder anderen Herzleiden, nach mehr als 211.000 im Jahr 2023. Als Gründe für den Rückgang nennt der Bericht moderne Behandlungsmethoden, hochspezialisierte Kliniken und eine verbesserte Rettungskette.
Krankenhausaufenthalte auf hohem Niveau
Trotz sinkender Sterberaten verzeichnete der Bericht über 1,65 Millionen herzbedingte Krankenhausaufenthalte im Jahr 2024 (1.653.702 Fälle gegenüber 1.635.598 im Vorjahr), was rund 1.700 Aufnahmen pro 100.000 Einwohner entspricht.
Besonders im Fokus steht Vorhofflimmern: Mehr als 509.000 vollstationäre Aufnahmen wegen Herzrhythmusstörungen wurden 2024 registriert, davon rund 360.800 wegen Vorhofflimmern. Insgesamt sind laut Bericht über 1,6 Millionen Menschen in Deutschland von Vorhofflimmern betroffen, bei den über 70-Jährigen etwa jeder Zehnte.
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Die Zahl könnte sich nach Einschätzung des Berichts binnen drei Jahrzehnten verdoppeln. Zwischen 20 und 30 Prozent der ischämischen Schlaganfälle gehen demnach auf Vorhofflimmern zurück.
Die Behandlung hat sich dabei deutlich weiterentwickelt: Katheterablationen bei Vorhofflimmern stiegen zwischen 2019 und 2024 um 78,1 Prozent auf 88.793 Eingriffe; insgesamt wurden 2024 139.941 Ablationen durchgeführt, gegenüber 69.519 im Jahr 2019.
Geschlechterunterschiede und regionale Muster
Der Bericht dokumentiert auch eine Kluft bei der Sterblichkeit nach akutem Herzinfarkt mit ST-Hebung (STEMI): Die Sterblichkeit während des Klinikaufenthalts lag 2024 bei Frauen bei 14,4 Prozent, bei Männern bei 10,1 Prozent – ein Unterschied, der seit 2019 besteht.
Regional zeigen sich ebenfalls Differenzen: Die höchsten Herzinfarktsterberaten 2024 verzeichneten Mecklenburg-Vorpommern mit 63,4 pro 100.000 Einwohner, Berlin mit 60,4 und Sachsen-Anhalt mit 55,8, während Hamburg mit 26,2 den niedrigsten Wert aufwies.
Lebensstilfaktoren und Versorgungssorgen
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland laut Bericht bei Tabak- und Alkoholkonsum sowie Ernährung auf hinteren Plätzen, bei Bewegung im unteren Mittelfeld. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen würden oft zu spät erkannt oder unzureichend behandelt. Der Bericht fordert daher flächendeckende Vorsorgeangebote und intensivere Aufklärung.
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Gleichzeitig wächst die Sorge vor Engpässen in der kardiologischen Akutversorgung – bedingt durch Klinikinsolvenzen und die laufende Krankenhausreform. Sogenannte Chest-Pain-Units, spezialisierte Einheiten zur schnellen Diagnose bei Brustschmerzen, gelten als möglicher Hebel, um die Versorgung trotz struktureller Veränderungen aufrechtzuerhalten.
Die alternde Bevölkerung und das zunehmende Überleben akuter Ereignisse führen laut Bericht dazu, dass mehr Menschen mit chronischen Herzproblemen leben – Herzinsuffizienz bleibt demnach einer der häufigsten Gründe für stationäre Krankenhausaufnahmen im höheren Lebensalter.
Der Deutsche Herzbericht 2026 macht damit deutlich, dass sinkende Sterberaten allein noch keine Entwarnung bedeuten, solange die Zahl der Betroffenen mit chronischen Herzerkrankungen weiter zunimmt.
