Volkskrankheiten: Vietnam startet Millionen-Offensive gegen Diabetes
Veröffentlicht am: 04.07.2026 um 14:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie WHO-Daten von 2023 zeigen: Diabetes, Bluthochdruck und Co. werden zur größten Gesundheitsherausforderung. Regierungen und Forschungseinrichtungen reagieren mit strukturierten Managementprogrammen und digitalen Innovationen.
Vietnam startet Offensive gegen Volkskrankheiten
Südostasien geht mit einem ehrgeizigen Projekt voran. Von 2026 bis 2030 läuft eine Kooperation zwischen dem vietnamesischen Gesundheitsministerium, dem Universitätsklinikum Ho-Chi-Minh-Stadt und Partnern wie Servier Vietnam. Das Ziel: Bis 2030 bei mindestens 50 Prozent der Patienten eine wirksame Krankheitskontrolle erreichen.
Der Bedarf ist enorm. In betroffenen Regionen wissen rund 50 Prozent der Menschen mit Bluthochdruck und 62 Prozent der Diabetiker nichts von ihrer Erkrankung. In Vietnam leben schätzungsweise 5 Millionen Diabetiker und 12 Millionen Menschen mit Prädiabetes. Die Bluthochdruck-Prävalenz liegt bei 25 Prozent.
Das Programm setzt auf vier Säulen: standardisierte klinische Abläufe, Personalschulungen, bessere Patientenkommunikation und digitale Technologien.
Digitale Gesundheitsakten für alle
Ho-Chi-Minh-Stadt treibt die Digitalisierung voran. Bis Ende 2026 soll die gesamte Bevölkerung elektronische Gesundheitsakten haben. Die Systeme aktualisieren sich automatisch und ermöglichen eine sektorenübergreifende Versorgung.
Seit dem 1. Juli 2026 gelten zudem neue Versicherungsregeln: Krankenversicherungen übernehmen bei bestimmten chronischen Krankheiten die Kosten für ambulante Behandlungen – auch außerhalb der ursprünglichen Registrierung. Gleichzeitig wurde die HPV-Impfung in staatliche Programme aufgenommen.
Wussten Sie, dass in Vietnam 62 Prozent der Diabetiker nichts von ihrer Erkrankung wissen? Auch in Deutschland ist die Dunkelziffer hoch. Unser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Ihr persönliches Risiko erkennen und von digitalen Gesundheitsakten profitieren. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Neue Leitlinien für Rheuma und Diabetes
Auch Europa schärft die Standards. Am 19. Juni 2026 erschien die neue S3-Leitlinie zu kardiovaskulären Risiken bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Der interdisziplinäre Ansatz soll Herz-Kreislauf-Gefahren bei Rheumapatienten frühzeitig erkennen.
Forscher melden Fortschritte bei Typ-1-Diabetes: Das EU-Projekt ISLET entwickelte ein stammzellbasiertes Betazellprodukt. In Tiermodellen stellte die Therapie normale Glukosekonzentrationen wieder her. Nächste Schritte sind präklinische Studien in Lund, Schweden.
In der Schmerztherapie gewinnt die Neuromodulation am Dorsalwurzelganglion an Bedeutung. Fachartikel vom Juli 2026 beschreiben sie als zielgerichtete Option bei neuropathischen Schmerzen.
Deutschland reformiert Komplexversorgung
Seit Juli 2026 gelten neue EBM-Ziffern für interdisziplinäre Hilfekonferenzen – ein wichtiger Schritt für die Komplexversorgung. Unser Leitfaden erklärt, wie Sie diese Neuerung für sich nutzen und Ihre Behandlung optimieren. Leitfaden zur Komplexversorgung sichern
Seit dem 1. Juli 2026 gelten in Deutschland neue Abrechnungsziffern im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM). Die Gebührenordnungspositionen 37555 und 37556 honorieren interdisziplinäre Hilfekonferenzen bei der Komplexversorgung von Erwachsenen. Diese Konferenzen können auch per Video stattfinden – das erleichtert die Koordination bei multimorbiden Patienten.
Parallel läuft die Debatte über Krankschreibungen. Ökonomen des DIW warnen: Eine verschärfte Attestpflicht könnte Fehlzeiten durch zusätzliche Praxisbesuche und Infektionsrisiken erhöhen. Krankenkassen brachten das Modell einer Teilkrankschreibung nach skandinavischem Vorbild ins Gespräch. Ziel: flexiblere Arbeitsprozesse bei chronischen Leiden, ohne die Genesung zu gefährden.
