Voice-Phishing: Kriminelle nutzen KI-Klone gegen Wall-Street-Firmen
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kriminelle setzen zunehmend KI-Stimmenklonen ein, um Mitarbeiter von Finanzinstituten zu manipulieren. Die Angriffe richten sich gezielt gegen namhafte Wall-Street-Akteure.
Angriffe auf Private Equity und Hedgefonds
Sicherheitsanalysten identifizierten eine Gruppe namens UNC6671, die Vishing-Attacken gegen Private-Equity-Unternehmen, Hedgefonds und Rating-Agenturen fährt. Zu den Zielen zählten Blackstone, KKR, Apollo Global Management, Bain Capital sowie die CME Group und Moody's. Die Täter arbeiten in spezialisierten Untergruppen mit Namen wie Falcon, Helix, Pink oder Redact.
Auch große Hedgefonds wie Citadel, Point72, Millennium und Two Sigma waren betroffen. Point72 informierte Anfang August Investoren, dass keine Kundendaten kompromittiert wurden. Two Sigma bestätigte die Abwehr eines Eindringversuchs. Die Angreifer gaben sich häufig als IT-Helpdesk-Mitarbeiter aus, um Zugriff auf Authentifizierungs-Apps zu erhalten.
Täuschend echte Stimmen als Einfallstor
Der Kern der neuen Angriffswelle: KI-basiertes Voice-Cloning imitiert Stimmen von Vorgesetzten und IT-Spezialisten täuschend echt. Diese „Boss Scams“ laufen über Plattformen wie WhatsApp oder Microsoft Teams. In Kombination mit Adversary-in-the-Middle-Systemen (AiTM) gelingt es den Tätern, trotz Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA) Sitzungstoken abzugreifen.
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Sicherheitsanalysten beobachteten zudem die Nutzung des Microsoft 365 Device Code Flow für automatisierte Phishing-Plattformen. Ein im Juli zerschlagenes Netzwerk namens Kratos zeigt das Ausmaß: Behörden schalteten über 200 Server ab, die monatlich rund 15.000 Phishing-Kampagnen ermöglicht hatten.
Lösegelder in Millionenhöhe
Die Hintermänner der UNC6671-Kampagnen fordern zwischen 750.000 und 3 Millionen US-Dollar pro Opfer, zahlbar in Bitcoin. Eine Auswertung von Krypto-Wallets ergab: Allein in diesem Jahr flossen rund 10 Millionen US-Dollar an die Erpresser.
Eine Studie aus dem Frühjahr untermauert die Effektivität dieser Methoden. Von knapp 1.000 befragten Sicherheitsverantwortlichen bestätigten 36 Prozent den Empfang täuschend echter, KI-generierter Angriffe. In Deutschland schätzten zwei Drittel der betroffenen Firmen die Steigerung der Angriffseffektivität durch KI als erheblich ein. Kritisch: Bei einem Großteil der Ransomware-Fälle wurden trotz möglicher Lösegeldzahlungen Daten entwendet.
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Schutzstrategien gegen die neue Bedrohung
Herkömmliche MFA-Verfahren reichen gegen moderne AiTM-Angriffe nicht mehr aus. Experten empfehlen den Umstieg auf Phishing-resistente Authentifizierung wie FIDO2 oder Passkeys.
Weitere Schutzmaßnahmen:
- Vier-Augen-Prinzip über unabhängige Kommunikationskanäle bei sensiblen Transaktionen
- Kontinuierliches Risiko-Scoring, das Standort, Geräteintegrität und Nutzerverhalten in Echtzeit bewertet
- Spezialisierte Erkennungstools für Deepfakes in Videokonferenzen und Telefonaten
Regulierungsbehörden warnen zudem vor Betrügern, die sich im Kontext neuer Krypto-Regelungen wie der MiCA-Verordnung als offizielle Stellen ausgeben. Finanzakteure sollten Kommunikationsanfragen grundsätzlich über verifizierte Rückkanäle validieren, bevor sie Zugangsdaten preisgeben.
