Vitamin-D-Präparate, Stiftung

Vitamin-D-Präparate: Stiftung Warentest stuft fünf von 25 als ungeeignet ein

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 09:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Österreichs Präparatemarkt wächst, während Fachleute vor unnötiger Einnahme und möglichen Gesundheitsfolgen warnen.
Ein Glas Wasser und eine Schale mit frischem Gemüse auf einer Küchenarbeitsplatte bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Der Markt für freiverkäufliche Vitamine, Mineralstoffe und Spezialpräparate wächst kontinuierlich, doch Fachgesellschaften und Mediziner warnen vermehrt vor den Risiken einer unkritischen Selbstmedikation.

Eine wahllose Zufuhr hochdosierter Präparate bietet gesunden Menschen in der Regel keinen wissenschaftlich belegten Mehrwert und kann im Gegenteil gravierende gesundheitliche Schäden verursachen. Experten betonen daher, dass Nahrungsergänzungsmittel gezielt nach individuellem Bedarf oder auf Basis fundierter ärztlicher Diagnostik eingenommen werden sollten.

Starkes Marktwachstum und unkritischer Konsum

Wie ausgeprägt der Griff zu Pillen und Pulvern ist, belegen Daten der Arbeiterkammer. In Österreich stieg der Umsatz mit Vitamin- und Mineralstoffpräparaten von 91 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 143 Millionen Euro im Jahr 2025, was einem Zuwachs von 57 Prozent entspricht.

Eine Untersuchung der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung im Auftrag der Arbeiterkammer ergab, dass 65 Prozent der 14- bis 25-Jährigen innerhalb von drei Monaten entsprechende Produkte konsumierten; in der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen waren es sogar sieben von zehn Befragten. Zu den meistgenutzten Mitteln zählten Whey-Protein und Vitamin- oder Mineralstoffpräparate mit je 46 Prozent sowie Omega-3-Fettsäuren mit 43 Prozent.

Bedenklich ist dabei die Informationsbeschaffung: 38 Prozent der Konsumenten informierten sich über das Internet und soziale Netzwerke, 14 Prozent über Online-Coaches und Influencer. Weniger als jede zehnte Person griff auf professionelle Quellen zurück. Die Arbeiterkammer warnt vor unkontrollierten Gesamtdosierungen, insbesondere bei gleichzeitiger Kombination von Koffein, Magnesium, Vitamin D und Zink.

Risiken bei Vitaminen und Mineralstoffen

Fachleute weisen darauf hin, dass eine Überversorgung erhebliche Gefahren birgt. Die Deutsche Krebsgesellschaft unterstreicht, dass eine Überdosierung schädlich sein und das Krebsrisiko erhöhen kann; zusätzliche Gaben seien vor allem bei spezifischen Umständen wie Schwangerschaft oder Aufnahmestörungen sinnvoll.

So zeigte eine Studie aus dem Jahr 2019, dass sehr hohe Dosen von Vitamin B12 das Lungenkrebsrisiko steigern können, da sie das Wachstum bestehender Tumorzellen begünstigen.

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Eine im Journal of Clinical Investigation veröffentlichte Untersuchung aus dem Jahr 2023 legte zudem dar, dass die zusätzliche Einnahme der Antioxidantien Vitamin A, C und E das Lungenkrebsrisiko fördern kann, da sie die Bildung von Blutgefäßen in Tumoren anregt.

Bei natürlicher Zufuhr über Obst und Gemüse bestehe dieser Effekt hingegen nicht. Das Deutsche Krebsforschungszentrum wies allerdings darauf hin, dass eine Vitamin-D-Gabe die Krebssterblichkeit um 12 Prozent senken könnte.

Dennoch bergen auch Vitamin-D-Präparate Gefahren bei unkontrollierter Einnahme. Die Stiftung Warentest prüfte in ihrer Ausgabe 1/2026 insgesamt 25 Präparate und stufte die Mehrheit als zu hoch dosiert ein; fünf Produkte erhielten das Urteil „nicht geeignet“, da bei dauerhafter Anwendung Nierenschäden drohen.

Lediglich zwei Mittel wurden als geeignet eingestuft: Tabletten von GSE mit einer Tagesdosis von 200 Internationalen Einheiten (i.E.) und ein Saft von Rotkäppchen mit 400 i.E. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt über Nahrungsergänzungsmittel maximal 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 i.E. Vitamin D täglich.

Laut dem Robert Koch-Institut sind 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland ausreichend versorgt. Dosierungen ab 4000 i.E. täglich können laut Studien zu einer Hyperkalzämie führen und die Knochendichte verringern; Einzeldosen ab 10.000 i.E. erhöhten langfristig sogar das Risiko für Stürze und Knochenbrüche.

Überdosierte Alltagsprodukte und pflanzliche Stoffe

Ähnliche Probleme zeigen sich bei Mineralstoffen. Öko-Test analysierte 28 Magnesiumpräparate und befand, dass nur zwei Produkte wesentliche Qualitätskriterien erfüllten. Während das Bundesinstitut für Risikobewertung eine zusätzliche Aufnahme von maximal 250 Milligramm Magnesium pro Tag als unbedenklich einstuft, überschritten mehrere Testkandidaten diese Schwelle deutlich. Ab 300 Milligramm können Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

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Auch vermeintlich harmlose pflanzliche Produkte erfordern Vorsicht: Eine Fallserie in Hepatology Communications beschrieb 2023 acht Fälle von Leberschäden im Zusammenhang mit dem Trendmittel Ashwagandha, darunter drei Fälle von akutem Leberversagen mit Todesfolge.

Zwar ergab eine im August 2026 in Frontiers in Medicine veröffentlichte Untersuchung an 1200 gesunden Erwachsenen bei einer Dosis von 500 Milligramm Wurzelextrakt über 24 Wochen keine behandlungsbedingten Organbeschädigungen, seltene Komplikationen lassen sich bei solchen Kohortengrößen jedoch statistisch nicht ausschließen.

Wissenschaftliche Grenzen von Immunversprechen

Die Annahme, die körperliche Abwehr ließe sich durch Präparate gezielt steigern, gilt wissenschaftlich als überholt. Der Zellbiologe Stephan Barth stellt klar, dass sich das Immunsystem nicht über Tabletten hochfahren lasse und eine dauerhaft überaktivierte Abwehr Allergien sowie Autoimmunerkrankungen begünstigen könne.

Zwar spielen Mikronährstoffe wie Vitamin A, C, D, B6, B12, Zink, Selen, Eisen und Kupfer eine Rolle bei Immunprozessen, ein belegter Zusatznutzen durch Nahrungsergänzungsmittel fehle bei gesunden Personen ohne Mangel jedoch.

Eine Cochrane-Meta-Studie aus dem Jahr 2024 mit über 8500 Teilnehmenden fand zudem keinen eindeutigen Beleg dafür, dass Zink einen Infekt abwenden oder Symptome mindern kann, wenngleich Lutschpastillen die Erkältungsdauer um durchschnittlich zwei Tage verkürzen können.

Experten der mexikanischen Universität UPAEP warnen vor Nährstoffungleichgewichten durch unüberwachte Einnahmen und betonen, dass Supplemente eine ausgewogene Ernährung zu keinem Zeitpunkt ersetzen.

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