Vitamin-D-Präparate, Stiftung

Vitamin-D-Präparate: Stiftung Warentest stuft fünf von 25 als ungeeignet ein

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachstellen raten Älteren teils zur Ergänzung; zugleich zeigen Tests häufig überdosierte Präparate und Fachleute warnen vor Selbstmedikation.
Sonnenlicht fällt durch die Blätter eines herbstlichen Waldes auf den Boden. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachbeiträge thematisieren verstärkt die altersabhängig steigende Notwendigkeit einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung und weisen zugleich auf die weit verbreitete Unterversorgung in der Bevölkerung hin.

Während der menschliche Organismus das sogenannte Sonnenvitamin zu großen Teilen mithilfe von UV-Strahlung selbst bildet, verändert sich der Bedarf und die Fähigkeit zur Eigensynthese mit fortschreitendem Alter spürbar. Nach Erhebungen des Robert Koch-Instituts sind lediglich 44 % der Erwachsenen in Deutschland gut mit Vitamin D versorgt.

Höherer Bedarf und internationale Richtlinien für Senioren

Mehrere Gesundheitsbehörden und Fachgesellschaften berücksichtigen das Alter explizit in ihren Dosierungsempfehlungen. In Finnland empfiehlt die Lebensmittelbehörde Ruokavirasto Erwachsenen allgemein 10 µg Vitamin D täglich. Ab einem Alter von 75 Jahren verdoppelt sich diese Richtlinie auf 20 µg pro Tag und gilt ganzjährig.

Für Unter-75-Jährige wird in Finnland bei geringer Aufnahme über angereicherte Produkte und Fisch eine Ergänzung von 10 µg von Oktober bis März angeraten. Da Vitamin D fettlöslich ist, sollte die Einnahme zu einer Mahlzeit mit etwas Fett erfolgen.

Auch die American Endocrine Society spricht sich in ihrer Leitlinie zur Krankheitsprävention für eine gezielte Supplementierung bei Menschen ab 75 Jahren aus, da dies mit einem potenziell geringeren Sterberisiko einhergehe.

Bei Erwachsenen ab 50 Jahren rät die Gesellschaft zudem zu einer täglichen niedrigen Dosis anstelle von hochdosierten Intervallgaben. In der Schweiz richtet sich eine behördliche Supplementierungsempfehlung neben Kindern bis zu 3 Jahren sowie Schwangeren und Stillenden ebenfalls an Personen ab 60 Jahren.

Eingeschränkte körpereigene Produktion in den Wintermonaten

In Mitteleuropa stellt der saisonale Sonnenstand eine zusätzliche Hürde dar. In Deutschland reicht die Intensität der Sonneneinstrahlung von Oktober bis März nicht aus, um eine adäquate Eigensynthese in der Haut zu gewährleisten.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) deckt der Körper unter optimalen Bedingungen etwa 80 % des Bedarfs über das Sonnenlicht, wobei die Bestrahlung nur zwischen März und Oktober für eine ausreichende Produktion genügt. Bei fehlender Eigensynthese empfiehlt die DGE eine Zufuhr von 800 IE (20 µg) täglich.

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Im internationalen Vergleich variieren die allgemeinen Tagesempfehlungen für Erwachsene: Der britische NHS nennt 400 IE, die US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) veranschlagen 600 IE, während die Endocrine Society 1500 bis 2000 IE anführt.

Präparate mit Calcium und Vitamin D wurden lange pauschal zur Vorbeugung von Knochenbrüchen und Stürzen empfohlen, auch ohne vorliegende Osteoporose oder nachgewiesenen Mangel. Fachberichte stellen diesen allgemeinen Nutzen für Gesunde inzwischen infrage. Ein Hamburger Osteologe warnte anlässlich einer Metastudie jedoch davor, aus Zweifeln am pauschalen Nutzen voreilige Schlüsse zu ziehen.

Grenzwerte, Labordiagnostik und Risiken von Überdosierungen

Als Mangel gelten Blutwerte von unter 12 ng/ml beziehungsweise unter 30 nmol/l. Der Normbereich bewegt sich nach Angaben aus der Labormedizin zwischen 20 und 50 µg/l, während die DGE einen Zielwert ab 50 nmol/l (20 ng/ml) definiert. In den Niederlanden untersuchen Forscher des RIVM das Gleichgewicht zwischen einer bedarfsgerechten und sicheren Zufuhr; als Goldstandard zur Erfassung des Status gilt stets die Blutmessung.

Eine Laborkontrolle gilt insbesondere bei älteren, immobilen und pflegebedürftigen Menschen als sinnvoll. Gleiches betrifft Personen mit Osteoporose, chronischen Darmerkrankungen, Zöliakie, nach bariatrischen Operationen sowie bei Nieren- und Leberleiden.

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Liegt keine konkrete medizinische Indikation vor, wird der Test in Deutschland als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) abgerechnet. Ein Hausarzt beziffert die Kosten auf etwa 20 bis 35 Euro, nach Erhebungen der Stiftung Warentest liegen sie im Bereich von rund 20 bis 50 Euro.

Fachleute warnen zugleich vor unkontrollierter Selbstmedikation. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) definiert für gesunde Erwachsene eine Obergrenze von 100 µg (4000 IE) am Tag; eine Dosis von 10.000 IE hebt den Serumspiegel um etwa 1 ng/ml an.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät dazu, über Nahrungsergänzungsmittel maximal 20 µg beziehungsweise 800 i.E. täglich zuzuführen. Eine chronische Überdosierung birgt die Gefahr einer Hyperkalzämie, die schwere Herzrhythmusstörungen und Nierenversagen hervorrufen kann.

Die Stiftung Warentest prüfte in der Ausgabe 1/2026 insgesamt 25 Vitamin-D-Präparate und stufte den Großteil als zu hoch dosiert ein. Fünf Produkte erhielten wegen drohender Nierenschäden die Bewertung „nicht geeignet“. Lediglich zwei Mittel wurden als geeignet eingestuft: „Vitamin D compact“ von GSE mit einer Tagesdosis von 200 i.E. sowie „Vital Vitamin D“ von Rotkäppchen mit 400 i.E.

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