Vitamin-D-Präparate: Nur 2 von 25 Produkten wirklich empfehlenswert
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst rasant. Doch während die Branche Rekordumsätze einfährt, mehrt sich die Kritik an Überdosierung und fragwürdigen Inhaltsstoffen. Aktuelle Tests zeigen: Die wenigsten Produkte halten, was sie versprechen.
Milliarden-Geschäft mit Pulvern und Pillen
Die The Quality Group (TQG) aus Elmshorn verzeichnet ein explosives Wachstum. Der Konzern hinter den Marken ESN und More Nutrition steigerte seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um über 40 Prozent auf mehr als 850 Millionen Euro. Bereits 2025 hatte die Gruppe die Milliardengrenze geknackt.
Doch der Boom lockt auch die Schwergewichte der Industrie. In Darmstadt eröffnete ein führender Wissenschafts- und Technologiekonzern im Juli ein neues Prüfzentrum für Biopharmazeutika. Die Investition von rund 25 Millionen Euro soll vor allem GMP-konforme Stabilitätsstudien ermöglichen – ein klares Signal für steigende Qualitätsanforderungen.
Vitamin-D-Test: Nur zwei von 25 Präparaten empfehlenswert
Die Realität in den Regalen sieht anders aus. Eine Untersuchung von 25 Vitamin-D-Präparaten Anfang 2026 stufte lediglich zwei Produkte als empfehlenswert ein. Fünf Präparate fielen komplett durch. Hauptkritikpunkt: Die Dosierung überschritt oft die BfR-Empfehlung von 20 Mikrogramm pro Tag deutlich.
Experten warnen vor den Folgen. Zu hohe Dosen können zu Hyperkalzämie führen – mit Risiken wie Nierenschäden. Dabei zeigen Daten des Robert Koch-Instituts: Nur 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gelten als ausreichend versorgt. Eine Supplementierung sollte also zielgerichtet erfolgen.
Magnesium: Ähnliches Bild bei 28 getesteten Produkten
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Auch bei Magnesium-Präparaten sieht es düster aus. Von 28 untersuchten Produkten überzeugten nur zwei. Die Tester kritisierten Überdosierungen und den Einsatz von Zusatzstoffen wie Talkum oder Süßstoffen. Das BfR hält eine tägliche Aufnahme von bis zu 250 Milligramm über Nahrungsergänzungsmittel für unbedenklich.
Vitamin-Wässer: Teuer, süß und meist nutzlos
Ein wachsendes Segment sind angereicherte Erfrischungsgetränke. Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt untersuchte im Mai 35 sogenannte Vitamin-Wässer. Das Urteil fällt vernichtend aus: weitgehend nutzlos. Die Produkte sind teuer, enthalten teilweise bis zu 6,7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Rechtlich gelten sie meist als aromatisierte Erfrischungsgetränke – nicht als Mineralwasser.
Ähnlich sieht es bei High-Protein-Eiskaffees aus. Ein Vergleich von 14 Varianten mit klassischen Produkten zeigte zwar mehr Eiweiß und weniger Zucker, aber eine vergleichbare Kalorienbilanz. Fast alle enthielten Süßstoffe.
WHO: Keine generelle Empfehlung für Vitaminpräparate
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält sich bedeckt. In aktualisierten Empfehlungen vom Juli betont sie: Für die Prävention von Demenzerkrankungen sind vor allem Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Ernährung und soziale Kontakte entscheidend. Eine generelle Empfehlung für Vitaminpräparate ohne klinisch nachgewiesenen Mangel sprach die Organisation nicht aus.
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EU plant einheitliche Höchstmengen
Auf regulatorischer Ebene tut sich etwas. Die Europäische Union plant für diesen Sommer die Einführung einheitlicher Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe. Verbraucherschützer begrüßen den Schritt. Der Fachhandel fürchtet dagegen Verkaufsbeschränkungen für hochdosierte Produkte.
Unabhängige Vergleichsportale wie der Gesundheitsvergleich Deutschland lassen ihre Auswahlprozesse inzwischen vom TÜV Rheinland prüfen. Grundlage sind die Kriterien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Ein Schritt in Richtung mehr Transparenz – in einem Markt, der dringend Klarheit braucht.
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