Vitamin-D-Mangel in Deutschland: 56 Prozent sind unzureichend versorgt
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 17:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Untersuchungen weisen verstärkt darauf hin, dass eine unzureichende Versorgung mit bestimmten Vitaminen eng mit dem Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für neurodegenerative Erkrankungen verknüpft ist. Aktuelle Fachberichte heben insbesondere die Bedeutung von Vitamin B12, Thiamin und Vitamin D für den Erhalt von Gedächtnisleistung und Gehirnstrukturen hervor.
Vitamin B12 und die kognitiven Funktionen im Alter
Ein Mangel an Vitamin B12 betrifft vermehrt ältere Menschen. Einer Publikation in der Fachzeitschrift Frontiers in Nutrition zufolge steigt das Risiko für ein entsprechendes Defizit ab einem Alter von 60 Jahren deutlich an. Ursächlich dafür ist eine nachlassende Magensäureproduktion sowie ein Rückgang des für die Aufnahme nötigen Intrinsic-Faktors.
Zudem können Medikamente wie Metformin und Protonenpumpenhemmer oder eine rein vegane Ernährung die Entstehung eines Mangels begünstigen. Die französische Behörde Anses gibt den Referenzbedarf für Erwachsene mit 4 Mikrogramm pro Tag an.
Klinisch äußert sich eine Unterversorgung unter anderem durch Anämie, Fatigue, Zungenbrennen, Taubheitsgefühle, Gewichtsverlust, Depressionen und kognitive Störungen. Zur Diagnose dienen Bluttests, bei Bedarf ergänzt durch die Bestimmung der Methylmalonsäure.
Der Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit wurde bereits in früheren Erhebungen dokumentiert. Im Rahmen der 2012 veröffentlichten Framingham-Studie der Tufts University wurden 549 Frauen und Männer mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren über einen Zeitraum von acht Jahren beobachtet.
Bei Probanden mit den niedrigsten B12-Werten lag der kognitive Rückgang bei 0,35 Punkten pro Jahr, verglichen mit 0,24 Punkten in den übrigen Gruppen. Bereits eine Untersuchung in der Fachzeitschrift Neurology aus dem Jahr 2011 mit 121 älteren Erwachsenen zeigte, dass B12-Marker mit der Gedächtnisleistung und dem Erhalt des Hirnvolumens assoziiert sind.
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Die Rolle von Thiamin für die neuronale Energiegewinnung
Auch Vitamin B1 (Thiamin) erfüllt eine zentrale Funktion im Nervensystem. Als Koenzym in den Mitochondrien ermöglicht es Neuronen die Umwandlung von Glukose in Adenosintriphosphat (ATP). Darüber hinaus ist es an der Synthese des Neurotransmitters Acetylcholin beteiligt, welcher Lern- und Gedächtnisprozesse sowie die Muskelfunktion steuert.
Ein Mangel an Thiamin beeinträchtigt die Acetylcholinbildung und kann zu messbaren kognitiven Defiziten führen. Während schwere Mangelzustände das Wernicke-Korsakoff-Syndrom mit Verwirrung, Gedächtnisverlust und Koordinationsstörungen auslösen können, führt auch ein subklinischer Mangel bereits zu Einschränkungen bei Konzentration, Stimmung und geistiger Leistungsfähigkeit.
Berichte in der Medical Tribune über Fälle von Wernicke-Enzephalopathie unter Anwendung des Wirkstoffs Semaglutid verdeutlichen, dass Defizite bei Thiamin auch abseits klassischer Risikogruppen auftreten können und möglicherweise weiter verbreitet sind als bisher angenommen.
Langzeitbeobachtungen zu Vitamin D und Tau-Proteinen
Neben den B-Vitaminen steht Vitamin D im Fokus neurobiologischer Studien. Eine Langzeituntersuchung der Universität Galway und der Boston University, erschienen im Fachblatt Neurology Open Access, begleitete 793 Erwachsene mit einem anfänglichen Durchschnittsalter von 39 Jahren über rund 16 Jahre hinweg. Zu Beginn wiesen die Teilnehmenden keine Anzeichen einer Demenz auf.
Nachuntersuchungen des Gehirns zeigten, dass höhere Vitamin-D-Spiegel von mehr als 30 Nanogramm pro Milliliter in der Lebensmitte mit geringeren Ablagerungen von Tau-Proteinen verknüpft waren, insbesondere im Bereich des entorhinalen Kortex und der Amygdala. Ein Zusammenhang mit Beta-Amyloid-Ablagerungen wurde hingegen nicht festgestellt.
In der Kohorte wiesen 34 Prozent der Personen Werte von unter 30 Nanogramm pro Milliliter auf, während lediglich 5 Prozent entsprechende Nahrungsergänzungsmittel einnahmen.
Der Studienautor Martin David Mulligan von der Universität Galway ordnete die Ergebnisse dahingehend ein, dass die Daten zwar eine Korrelation aufzeigen, jedoch keinen kausalen Nachweis liefern. Da der Vitaminspiegel im Studienverlauf nur einmalig erfasst wurde, sei nicht belegt, dass eine Supplementierung das Demenzrisiko tatsächlich senkt.
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Versorgungslage und Dosierung
In Deutschland ist eine Unterversorgung weit verbreitet. Daten des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2016 zufolge verfügen 56 Prozent der deutschen Bevölkerung über eine unzureichende Versorgung mit Serumwerten von unter 50 Nanomol pro Liter. Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung aus dem Jahr 2012 werden 80 bis 90 Prozent der Synthese über das Sonnenlicht abgedeckt.
Ein erhöhtes Mangelrisiko besteht insbesondere bei Menschen, die sich überwiegend in geschlossenen Räumen aufhalten, Personen mit dunkler Hautfarbe, älteren oder übergewichtigen Personen sowie Jugendlichen im Wachstum und Frauen in der Menopause.
Hinsichtlich einer gezielten Zufuhr ermittelte eine Untersuchung von Pludowski und Kollegen aus dem Jahr 2024, dass eine tägliche Supplementierung von 2.000 Internationalen Einheiten eine wirksame und sichere Dosis darstellt. Damit erreichen mehr als 90 Prozent der erwachsenen Allgemeinbevölkerung die empfohlene Konzentration von mindestens 75 Nanomol pro Liter beziehungsweise 30 Nanogramm pro Milliliter.
