Vitamin-D-Mangel: Bis zu 60 Prozent sind im Winter betroffen
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin anhaltender Mangel an Vitamin D und Kalzium kann den Knochenstoffwechsel gravierend beeinträchtigen und insbesondere bei Heranwachsenden zu Rachitis führen. Medizinische Fachinformationen verdeutlichen die Notwendigkeit strukturierter Therapieansätze, um Mangelzustände gezielt zu beheben und Folgeschäden zu verhindern.
Behandlungsschemata bei Rachitis im Kindesalter
Rachitis tritt vor allem im Säuglings- und Kleinkindalter auf. Der Mangel schwächt die körperliche Widerstandskraft und begünstigt Infektionen wie Pneumonie sowie Durchfallerkrankungen. Die therapeutischen Maßnahmen setzen primär auf eine kontrollierte Zufuhr von Vitamin D und Kalzium.
Üblich ist die Gabe oraler Vitamin-D-Konzentrate oder von Fischleberöl über einen Zeitraum von etwa einem Monat, bevor auf eine Prophylaxedosis umgestellt wird. Da Cholecalciferol (Vitamin D3) rascher resorbiert wird und eine höhere Wirksamkeit als Vitamin D2 aufweist, kommt es bevorzugt zum Einsatz.
Bei Resorptionsstörungen infolge chronischer Diarrhö kann eine intramuskuläre Injektion erforderlich sein, während bei tetanischen Zuständen akute Notfallmaßnahmen und Kalziumgaben greifen.
Begleitend erfolgt eine Kalziumsubstitution mit 1 bis 3 Gramm Kalziumglukonat täglich oder 500 bis 600 Milligramm Elementarkalzium pro Tag, häufig über Monate bis Jahre gestreckt.
Eine tägliche Exposition gegenüber Sonnenlicht unterstützt die hauteigene Synthese: Ein Quadratzentimeter Haut bildet bei dreistündiger Sonnenstrahlung rund 20 Internationale Einheiten (IE), während das für eine Stunde täglich exponierte Gesicht eines eingewickelten Säuglings etwa 400 IE generiert.
Alternativ existieren Protokolle für UV-Bestrahlungen mittels Quecksilber-Quarzlampen (dreimal wöchentlich für 5 bis 20 Minuten über vier bis sechs Wochen). Liegen schwere Spätdeformitäten der Knochen vor, kommen operative Korrekturen erst nach dem vierten Lebensjahr infrage, sofern der rachitische Prozess vollständig zum Stillstand gekommen ist.
Referenzwerte und Versorgungslage in Deutschland
Nach Schätzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt der tägliche Bedarf für Säuglinge unter einem Jahr bei 10 Mikrogramm (400 IE), für Kinder ab einem Jahr sowie Erwachsene bei 20 Mikrogramm (800 IE). Über die Nahrung lassen sich zumeist nur 10 bis 20 Prozent dieses Bedarfs decken.
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Während Endokrinologen für Erwachsene teilweise Tagesdosen von 1000 bis 2000 IE zur Erreichung eines Zielblutspiegels von 30 bis 50 ng/ml ansetzen, beziffert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die maximale Tagesdosis über Nahrungsergänzungsmittel mit 800 IE.
Zwischen dem 47. und 55. Breitengrad reicht die Sonneneinstrahlung von Oktober bis März nicht für eine körpereigene Synthese aus. Nach Erhebungen des Robert Koch-Instituts weisen in diesen Monaten bis zu 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einen Mangel auf, aufs ganze Jahr gesehen rund 30 Prozent der Erwachsenen. Zugleich gelten 44 Prozent als gut versorgt.
Überdosierungsrisiken bei freiverkäuflichen Präparaten
Untersuchungen von Verbraucherschutzorganisationen mahnen zur Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln. Stiftung Warentest prüfte 25 Präparate und stufte 13 als wenig geeignet und fünf als nicht geeignet ein, da zu hohe Dosierungen langfristig Nierenschäden begünstigen können.
Lediglich zwei Produkte wurden uneingeschränkt empfohlen: die Tabletten „Vitamin D compact“ von GSE (200 IE) sowie der Saft „Vital Vitamin D“ von Rotkäppchen (400 IE). Besonders hoch dosierte Depot-Präparate bergen ein erhöhtes Toxizitätsrisiko und können bei älteren Personen die Sturz- und Frakturgefahr steigern.
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Auch Produkttests von Öko-Test wiesen bei Tropfenpräparaten deutliche Überschreitungen der empfohlenen Höchstmengen aus. Fachärzte betonen daher, dass eine hochdosierte Therapie stets ärztlich überwacht werden muss.
Bei manifester Osteoporose genügen Kalzium und Vitamin D allein nicht; zudem kann eine unkontrollierte Kalziumüberdosierung Nierensteine provozieren. Bei Schwangeren wiederum verfälscht das vermehrt gebildete Bindungsprotein die Laborwerte, weshalb eine verlässliche Mangeldiagnostik die Bestimmung des freien 25(OH)D erfordert.
