Vitamin-D-Mangel, Adipositas

Vitamin-D-Mangel + Adipositas: Sterberisiko steigt um 123%

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 08:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Forschung belegt: Viszerales Fett erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beschleunigt biologische Alterung. Ernährung und Gene spielen Schlüsselrolle.

Bauchfett als Gesundheitsrisiko: Neue Studien zeigen Gefahren für Stoffwechsel und Alterung
Eine medizinische Fachkraft misst den Taillenumfang einer Person mit einem Maßband in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der medizinischen Forschung und gesundheitspraktischen Beratung wird in den letzten Monaten verstärkt die enge Verbindung zwischen Stoffwechselstörungen, viszeralem Bauchfett und dem Risiko für schwerwiegende Erkrankungen thematisiert. Aktuelle Studien verdeutlichen dabei, dass nicht allein das Körpergewicht, sondern vor allem die Fettverteilung und metabolische Marker über das individuelle Krankheitsrisiko entscheiden.

Die Grenzen des Body-Mass-Index und biologische Alterung

Untersuchungen der Universität Südkalifornien (USC), die in den „Annals of Internal Medicine“ veröffentlicht wurden, weisen darauf hin, dass der Body-Mass-Index (BMI) das tatsächliche Gesundheitsrisiko häufig unterschätzt.

Den Ergebnissen zufolge gelten 26 % der Menschen mit einem normalen BMI zwischen 18,5 und 24,9 aufgrund ihres Körperfettanteils als adipös; bei Übergewichtigen mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 trifft dies auf die Hälfte zu.

Experten empfehlen daher verstärkt die Messung des Taillenumfangs oder des Verhältnisses von Taille zu Hüfte (WHR), wobei für Frauen ein Wert unter 0,8 und für Männer unter 0,9 als Norm gilt.

Eine Langzeitstudie der Johns Hopkins University mit 260.000 Personen über einen Zeitraum von 20 Jahren untermauert diese Einschätzung. Trotz eines normalen BMI bestehe bei einem hohen Bauchumfang – definiert als über 102 cm bei Männern und über 88 cm bei Frauen – ein um 15 % bis 50 % höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Zudem scheint viszerales Fett die biologische Alterung zu beschleunigen. Die „Busselton Healthy Ageing Study“, an der 4799 Erwachsene im Alter von 45 bis 69 Jahren teilnahmen, zeigt eine Korrelation zwischen viszeralem Fett und der phänotypischen Altersbeschleunigung.

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Pro Standardabweichung mehr Bauchfett alterten Männer biologisch um 1,397 Jahre und Frauen um 1,919 Jahre schneller. Bei Frauen wurde zudem eine Verkürzung der Leukozytentelomere beobachtet.

Ernährungsgewohnheiten und kardiometabolische Risiken

Neben der Fettverteilung rücken spezifische Ernährungsmuster in den Fokus der Wissenschaft. Die im Jahr 2026 veröffentlichte ELSA-Studie untersuchte 5520 Teilnehmer ab 50 Jahren und stellte fest, dass die Kombination aus abdominaler Adipositas und einem Vitamin-D-Mangel (unter 30 nmol/L) das Sterberisiko um 123 % erhöht. Alleiniger Vitamin-D-Mangel steigerte das Risiko um 81 %, während Adipositas ohne Mangel zu einer Erhöhung um 50 % führte.

In Bezug auf die Krebsprävention liefern Daten der NHANES-Studie Hinweise auf die Gefahr hochverarbeiteter Lebensmittel. Männer, deren Kalorienzufuhr zu mehr als 44 % aus solchen Produkten besteht, weisen im Vergleich zu jenen mit einem Konsum von unter 20 % ein um 30 % höheres Prostatakrebsrisiko auf.

Ebenso wurde in einer im Fachmagazin „Gastro Hep Advances“ (2026) publizierten Arbeit festgestellt, dass mehr als eine Portion zuckerhaltiger Getränke pro Tag das Magenkrebsrisiko signifikant steigert. Interessanterweise zeigten künstlich gesüßte Getränke in dieser Untersuchung keine entsprechende Assoziation.

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Auf genetischer Ebene identifizierte eine im August 2026 in „Nature“ veröffentlichte Studie mit über einer Million Probanden 59 Gene, die mit dem Verhältnis von Triglyceriden zu HDL-Cholesterin assoziiert sind. Träger bestimmter Varianten des FNIP1-Gens wiesen dabei weniger viszerales Fett und ein deutlich geringeres Risiko für kardiometabolische Erkrankungen auf.

Mechanismen der Tumorentstehung und Mikrobiom

Neuere Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung verdeutlichen die biologischen Mechanismen, durch die Stoffwechselstörungen Krebserkrankungen fördern können. Forscher der Feinstein Institutes beobachteten in einer Mausstudie, dass eine fettreiche Diät die Anzahl ammoniakproduzierender Bakterien im Darm erhöht. Dieses Ammoniak stört Signalwege, die normalerweise das Tumorwachstum unterdrücken, und fördert so die Entstehung von Darmkrebs.

Parallel dazu untersuchten Wissenschaftler des DKFZ und von HI-STEM bestimmte Darmtumoren und stellen fest, dass der WNT-Signalweg die Produktion von Immunzellen im Tumor reduziert. Die gezielte Beeinflussung dieses Signalwegs könnte künftig als Therapieansatz dienen.

Eine japanische Studie in „Circulation“ (2026) fasst das Gesamtrisiko zusammen: Patienten mit einem fortgeschrittenen kardiovaskulär-kidney-metabolischen Syndrom (CKM) im Stadium 4 haben ein um 30 % höheres Krebsrisiko gegenüber Personen in frühen Stadien der Erkrankung.

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