Vitamin-C-, Zinkpräparate

Vitamin-C- und Zinkpräparate: Öko-Test lässt 16 von 21 Produkten durchfallen

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 08:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Untersuchung beanstandet bei zahlreichen Mitteln überhöhte Dosierungen und Zusatzstoffe; ein vorbeugender Nutzen ist kaum belegt.
Eine Laborwaage und getrocknete pflanzliche Inhaltsstoffe auf einer weißen Oberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Produkte zur Stärkung des Immunsystems erfreuen sich vor allem in der Erkältungszeit großer Beliebtheit. Eine Untersuchung der Zeitschrift Öko-Test in der Ausgabe 11/2026 zeichnet jedoch ein kritisches Bild dieser Präparate.

Von 21 getesteten Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin C und Zink fielen 16 Produkte durch. Die Kritik der Prüfer richtet sich vor allem gegen erhebliche Überdosierungen und den Einsatz unerwünschter Zusatzstoffe. Zudem fehle für die gesunde Allgemeinbevölkerung ein belegter Nutzen.

Überschreitung der empfohlenen Höchstmengen

Ein zentraler Kritikpunkt der Untersuchung betrifft die Dosierung der enthaltenen Mikronährstoffe. Insgesamt 13 der 21 geprüften Präparate überschreiten die Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Bei 11 Mitteln liegt der Zinkgehalt über der BfR-Empfehlung von maximal 6,5 Milligramm pro Tag.

In vier Produkten ermittelten die Prüfer eine Zinkdosis von 15 Milligramm pro Tag, was mehr als dem Doppelten des BfR-Richtsatzes entspricht. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) kann eine Zufuhr von mehr als 25 Milligramm Zink täglich auf Dauer zu einem Kupfermangel führen, wenngleich kein Präparat im Test diesen Wert erreichte.

Auch beim Vitamin C stellten die Tester Überdosierungen fest. Während das BfR maximal 250 Milligramm pro Tag empfiehlt, enthalten einige Präparate 1.000 Milligramm je Tagesdosis – das Vierfache des Richtwerts.

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Erst bei Mengen über 2.000 Milligramm drohen Durchfälle; diese Dosis wies keines der getesteten Mittel auf. Zudem fehlte auf sämtlichen Produkten ein Warnhinweis, ab einer Zinkzufuhr von 3,5 Milligramm pro Tag auf weitere zinkhaltige Präparate zu verzichten.

Bedenkliche Hilfsstoffe und regulatorische Bedenken

Neben der Dosierung beanstandete Öko-Test die Zusammensetzung der Tabletten und Kapseln: 10 der untersuchten Mittel wiesen kritische Inhaltsstoffe auf. In fünf Präparaten wurde Talkum eingesetzt, für das die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) eine EU-weite Einstufung als wahrscheinlich krebserregend vorgeschlagen hat. Weitere Abwertungen gab es für den Einsatz von Phosphaten, Polysorbat 80, Carboxymethylcellulose sowie Süßstoffen.

Wissenschaftlicher Nutzen bleibt umstritten

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht besteht für gesunde Personen selten Anlass zur Einnahme. Nach Angaben der DGE kommt ein Vitamin-C-Mangel in Industrieländern praktisch nicht mehr vor; bereits eine halbe rote Paprika und ein kleines Glas Orangensaft decken den durchschnittlichen Tagesbedarf ab.

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Lediglich bei rein pflanzlicher Ernährung kann die Zinkversorgung erschwert sein, da in Hülsenfrüchten und Vollkorn enthaltene Phytate die Aufnahme des Spurenelements hemmen.

Auch systematische Übersichtsarbeiten stützen die Zurückhaltung: Eine Cochrane-Analyse von 29 Studien mit über 11.000 Teilnehmenden zeigte, dass Vitamin C Erkältungen in der Normalbevölkerung nicht verhindert. Überschüssiges Vitamin C scheidet der Organismus innerhalb weniger Stunden über den Urin wieder aus.

Bei Zink ergab ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2024 auf Basis von 34 Studien zwar Hinweise auf eine mögliche Verkürzung bestehender Infekte um rund 2 bis 2,4 Tage im Vergleich zu Placebo, allerdings bei geringer Evidenzsicherheit und häufigeren Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Geschmacksstörungen.

Vorbeugend erbrachte Zink demnach wenig bis keinen Nutzen. Infektiologen weisen darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel weder Grippeinfektionen verhindern noch Symptome nachweislich maßgeblich lindern.

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