Vishing-Betrug, Belgisches

Vishing-Betrug: Belgisches Urteil zwingt Banken zur Erstattung

14.06.2026 - 16:34:44 | boerse-global.de

Ein Gericht in Antwerpen verpflichtet Banken zur Erstattung bei Phishing, sofern keine grobe Fahrlässigkeit des Kunden nachgewiesen wird.

Belgisches Urteil: Banken müssen bei Vishing-Betrug haften
Vishing-Betrug - A shadowy figure in a hoodie types on a laptop, surrounded by blurred digital lines and financial data, with a bank in the background. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein belgisches Gerichtsurteil könnte die Rechtslage in Europa grundlegend verändern.

Die neue Masche der „Phantom-Hacker“

Die Betrugsmethoden werden immer raffinierter. Der britische Tech-Influencer Tom Honeyands, bekannt als „The Tech Chap“, verlor umgerechnet rund 82.000 Euro durch einen sogenannten Vishing-Anruf. Die Täter gaben sich als Mitarbeiter seiner Bank aus und nutzten persönliche Daten aus seinen Social-Media-Videos – sogar Banklogos im Hintergrund halfen ihnen, glaubwürdig zu wirken.

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Parallel warnt das FBI vor der „Phantom-Hacker“-Masche: Kriminelle geben sich als Techniker, Bankangestellte oder sogar Beamte aus. Ihr Ziel: Opfer dazu zu bringen, Geld auf angebliche „Sicherheitskonten“ zu überweisen. Besonders betroffen sind Menschen über 60 – sie machen fast die Hälfte aller Opfer aus und tragen zwei Drittel der finanziellen Verluste.

Ein weiterer Fall zeigt die Härte der aktuellen Praxis: Ein TD-Bank-Kunde in Kanada verlor umgerechnet rund 13.500 Euro durch Betrug mit E-Transfers. Die Bank lehnt eine Erstattung ab – mit Verweis auf IP-Adressen und Sicherheitslogs. Der Kunde bestreitet, jemals die erforderlichen Einmalcodes erhalten zu haben. Experten kritisieren, dass die Bank keine konkreten Beweise für Fahrlässigkeit vorlegen konnte.

Belgisches Urteil: Banken in der Beweispflicht

Ein wegweisendes Urteil aus Antwerpen könnte die Spielregeln neu schreiben. Seit dem 3. Juni müssen belgische Banken bei Phishing-Fällen nachweisen, dass der Kunde „grob fahrlässig“ gehandelt hat – sonst müssen sie erstatten. Juristen schätzen, dass dieser Nachweis nur in etwa einem Prozent aller Betrugsfälle gelingt. Das Urteil könnte Signalwirkung für ganz Europa haben.

Zum Vergleich: In Großbritannien gilt seit Oktober 2024 eine Pflicht zur Erstattung von Überweisungsbetrug bis umgerechnet rund 99.000 Euro. In Südafrika dagegen entscheiden Gerichte in 85 Prozent der Fälle zugunsten der Banken – obwohl sich die Betrugsfälle dort fast verdoppelt haben.

Datenlecks als Brandbeschleuniger

Die Welle personalisierter Angriffe wird durch massive Datendiebstähle befeuert. Ein aktuelles Beispiel: Der US-Kabelanbieter Spectrum wurde verklagt, nachdem Hacker im April 2026 die Daten von über 40 Millionen Kunden und Mitarbeitern erbeuteten. Die Tätergruppe „ShinyHunters“ hatte sich durch einen Vishing-Anruf bei einem Mitarbeiter Zugang verschafft.

Die gestohlenen Daten – Namen, Adressen, Vertragsdetails – sind für Betrüger Gold wert. Sie ermöglichen genau jene hochgradig personalisierten Anrufe, mit denen derzeit Konten geplündert werden.

Milliarden-Schäden durch organisierte Kriminalität

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Ein aktueller Bericht von KPMG zeigt: Moderne Betrugsnetzwerke arbeiten hochprofessionell mit gestohlenen Identitäten, Künstlicher Intelligenz und Schleuser-Netzwerken. In den USA schätzt die Regierung die jährlichen Verluste durch Betrug auf 233 bis 521 Milliarden Dollar.

Ein besonders tragischer Fall: Eine 70-jährige US-Amerikanerin verlor ihre gesamte Lebensversicherungssumme von umgerechnet 1,2 Millionen Euro an einen falschen Bankmitarbeiter. Trotz Festnahme eines Kuriers wurden nur rund 37.000 Euro sichergestellt.

Unternehmen reagieren derweil mit Zertifizierungen wie „Cyber Essentials Plus“. Sie können die Versicherungsprämien um 20 bis 40 Prozent senken – ein klares Zeichen, dass grundlegende Sicherheitsmaßnahmen wie Zwei-Faktor-Authentifizierung sich auszahlen.

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