Viersemestriger Kurs: Keine bulgarische Universität bietet ihn an
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Regulierung nichtkonventioneller Behandlungsmethoden steht in vielen Bereichen vor erheblichen Herausforderungen. Wie ein Bericht der bulgarischen Nachrichtenagentur BTA vom 19. Oktober 2026 verdeutlicht, fordert der Verband der Spezialisten für ganzheitliche Gesundheit umfassende staatliche Regeln für die Ausbildung sowie die berufliche Ausübung in diesem Sektor.
Auf einer Pressekonferenz im Büro der Konföderation der Arbeit „Podkrepa“ in Plowdiw legte die Organisation dar, dass das bestehende Gesundheitssystem bislang unzureichende Rahmenbedingungen für Therapeuten und Patienten bietet.
Gesetzliche Lücken und bürokratische Hürden
Im Mittelpunkt der Problematik steht die aktuelle Gesetzeslage. Das geltende Gesundheitsgesetz führt gegenwärtig lediglich sieben nichtkonventionelle Behandlungsmethoden namentlich auf. Wesentliche Disziplinen wie die Ernährungswissenschaft und die Naturtherapie finden darin bislang keine gesetzliche Erwähnung, wodurch deren Anwendung in einer rechtlichen Grauzone verbleibt.
Diese unvollständige Erfassung zieht nach Angaben einer Juristin weitreichende administrative Konsequenzen nach sich. Da viele ganzheitliche Berufsbilder in der nationalen Berufsklassifikation gänzlich fehlen, bleibt den Praktizierenden oft nur die Möglichkeit, sich formell als einfache Gewerbetreibende anzumelden.
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Eine Registrierung bei den regionalen Gesundheitsinspektionen findet daher nicht statt. Diese Situation birgt für die Therapeuten erhebliche Risiken, da für die Durchführung entsprechender Therapien ohne formelle gesundheitsrechtliche Grundlage rechtliche Sanktionen drohen.
Fehlende Studiengänge und fehlende Anerkennung
Neben den administrativen Hürden bei der Berufsausübung bestehen gravierende Barrieren im Ausbildungswesen. Nach den geltenden Bestimmungen des Gesundheitsgesetzes ist eine nichtärztliche Anwendung nichtkonventioneller Methoden grundsätzlich an die Bedingung geknüpft, dass ein viersemestriger Spezialkurs an einer medizinischen Universität absolviert wird.
Wie Dr. Rada Aleksieva darlegt, kann dieser Weg in der Praxis jedoch nicht beschritten werden: Bislang bietet keine bulgarische Universität ein entsprechendes Programm an, da eine dafür notwendige gemeinsame Verordnung des Gesundheits- und des Bildungsministeriums noch immer fehlt.
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Erschwert wird die Qualifikation der Fachkräfte dadurch, dass im Ausland erworbene Abschlüsse und Ausbildungen in nichtkonventioneller Medizin nicht offiziell anerkannt werden. Aleksieva hob zugleich hervor, dass die konventionelle Schulmedizin im Gesundheitssystem unverändert die führende Rolle einnehme und die ganzheitlichen Methoden diese lediglich ergänzen sollen.
Geplante Gespräche auf Ministeriumsebene
Um die strukturellen Lücken zwischen Gesetzgebung, Ausbildung und beruflicher Praxis zu schließen, strebt der Verband der Spezialisten für ganzheitliche Gesundheit einen institutionellen Dialog an. Geplant sind koordinierte Treffen mit den Ministern für Gesundheit, Bildung und Arbeit, um gemeinsame Schritte für eine offizielle Eingliederung und Anerkennung der betroffenen Berufsgruppen zu vereinbaren.
