Vier-Tage-Woche, Modell

Vier-Tage-Woche: Warum das Modell zu Burnout führte

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Safeguard Global stoppte den Test mit vier Arbeitstagen: Längere Tage und Freitagsarbeit führten zu Überlastung und Burnout.

Safeguard Global beendet Vier-Tage-Woche wegen Überlastung
Ein leeres, modernes Büro bei Dämmerung mit natürlichem Licht, das eine ruhige und aufgeräumte Arbeitsumgebung darstellt. Illustration mit AI erstellt.

Die Debatte über verkürzte Arbeitszeiten gewinnt branchenübergreifend an Bedeutung, doch die praktische Umsetzung birgt erhebliche Risiken. Wie die Erfahrungen des Unternehmens Safeguard Global verdeutlichen, führt die Einführung einer Vier-Tage-Woche nicht automatisch zu Entlastung.

Das Unternehmen mit rund 1.000 Remote-Mitarbeitern in 78 Ländern beendete ein im Jahr 2023 gestartetes Pilotprojekt zur Vier-Tage-Woche, nachdem sich im Betriebsalltag massive Belastungen gezeigt hatten. Statt einer verbesserten Erholung traten Erschöpfungssymptome und verdeckte Mehrarbeit auf.

Verdichtung der Arbeitszeit und verdeckte Freitagsarbeit

Der Abbruch des Pilotprojekts bei Safeguard Global ging auf konkrete Fehlentwicklungen zurück. Beschäftigte arbeiteten von Montag bis Donnerstag deutlich länger, um das anfallende Pensum in vier Tagen zu bewältigen.

Die daraus resultierende Verdichtung der Arbeitszeiten führte bei Mitarbeitern zu Überlastung und Burnout. Zudem stellte sich heraus, dass Beschäftigte an den eigentlich arbeitsfreien Freitagen heimlich weiterarbeiteten, um ihre Aufgaben rechtzeitig abzuschließen.

Als Konsequenz veränderte das Management die Strategie. Unter CEO Bjorn Reynolds führte Safeguard Global stattdessen eine freie Arbeitszeitenwahl ein. Die individuelle Leistung wird seither nicht mehr über feste Arbeitszeiteinheiten oder Präsenz gesteuert, sondern über drei rollenabhängige Ergebnis-Kennzahlen gemessen. Auf diese Weise soll der Fokus von starren Stundenmodellen auf die tatsächliche Zielerreichung verlagert werden.

Anzeige

Wenn die Verdichtung der Aufgaben im Arbeitsalltag zu Stress führt, helfen oft bewährte Methoden, um die eigene Produktivität ohne Mehrarbeit zu steigern. Dieser kostenlose Ratgeber verrät, wie Sie Ihren Tag so planen, dass Sie abends wirklich fertig sind. 7 Methoden für effektives Zeitmanagement kostenlos sichern

Rahmenbedingungen entscheiden über den Erfolg kürzerer Arbeitszeiten

Die Erfahrungen bei Safeguard Global verdeutlichen die strukturellen Hürden reduzierter Arbeitszeitmodelle. Gewerkschaften fordern die Vier-Tage-Woche regelmäßig bei vollem Lohnausgleich. Studien zeigen zwar, dass kürzere Arbeitszeiten die Zufriedenheit positiv beeinflussen können, der tatsächliche Erfolg hängt jedoch stark von den Rahmenbedingungen ab.

Beschäftigte wünschen sich verlässliche Dienstpläne und eine faire Aufgabenverteilung. Wird die Aufgabenmenge nicht parallel angepasst, droht eine bloße Verdichtung auf weniger Wochentage.

Dass Arbeitstage bereits in herkömmlichen Arbeitszeitmodellen häufig die Regelarbeitszeit überschreiten, zeigt eine Auswertung des Anbieters Craftboxx für die Jahre 2025 und 2026. Demnach lagen 59 Prozent von mehr als 200.000 erfassten Arbeitstagen über acht Stunden.

Anzeige

Um eine Überlastung durch verdeckte Mehrarbeit zu vermeiden, ist eine transparente Dokumentation der geleisteten Stunden für beide Seiten unerlässlich. Sichern Sie sich dieses kostenlose E-Book inklusive Mustervorlagen für eine gesetzeskonforme Arbeitszeiterfassung. Kostenlose Mustervorlage zur Arbeitszeiterfassung herunterladen

Von rund 16.000 Beschäftigten-Wochen lagen 68 Prozent bei höchstens 40 Stunden, während 26 Prozent auf über 40 bis 48 Stunden kamen. Von Montag bis Donnerstag lag die durchschnittliche Arbeitszeit bei 8,2 Stunden, am Freitag bei 7,0 Stunden. Diese Auswertung ist allerdings nicht repräsentativ.

Parallel dazu gewinnt die Flexibilisierung von Arbeitszeiten generell an Bedeutung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts konnten im Jahr 2024 knapp 50 Prozent der Erwerbstätigen ihre Arbeitszeiten zumindest teilweise flexibel gestalten.

Der Fall Safeguard Global belegt, dass eine vollständige zeitliche Autonomie in Verbindung mit klaren Leistungskennzahlen für manche Organisationsstrukturen nachhaltiger wirken kann als das starre Format einer Vier-Tage-Woche.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70114053 |