Verwaltungsreform, Maßnahmen

Verwaltungsreform: 260 Maßnahmen sollen Bürokratie um 25% senken

26.06.2026 - 03:00:33 | boerse-global.de

Bund und Länder beschließen umfassende Verwaltungsreform mit automatisierten Sozialleistungen und digitalem Personalausweis.

Bund und Länder einigen sich auf 260 Digitalisierungsmaßnahmen
Verwaltungsreform - Moderne deutsche Verwaltungsgebäude mit digitalen Overlays, die die Vereinfachung und Digitalisierung von Behördendiensten darstellen. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mehr als 260 Maßnahmen sollen Verwaltung und Sozialleistungen modernisieren.

Die Bundesregierung und die Länder haben sich auf ein umfassendes Reformpaket zur Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung geeinigt. Der am Donnerstag beschlossene Modernisierungskurs umfasst über 60 konkrete Maßnahmen zur Staatsmodernisierung sowie mehr als 200 weitere Schritte im Rahmen der großen Modernisierungsagenda. Ziel ist der Abbau von Bürokratie und die Automatisierung von Sozialleistungen.

Finanzielle Neuordnung und mehr Richterstellen

Ein Kernstück der Einigung ist die grundlegende Reform der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern. Künftig gilt der Grundsatz: Wer eine Leistung bestellt, muss sie auch bezahlen. Konkret übernimmt der Bund 80 Prozent der Mehrkosten für neue Sozialgesetze, sobald diese jährlich 200 Millionen Euro übersteigen. Für die Kommunen bedeutet dies eine Entlastung von knapp drei Milliarden Euro ab 2027.

Zusätzlich vereinbarten die Parteien einen Justizpakt zur Modernisierung des Rechtswesens. 210 Millionen Euro fließen in die Digitalisierung der Gerichte, weitere 240 Millionen Euro in die Schaffung von 2000 neuen Stellen für Richter und Staatsanwälte bis 2029. Um Infrastrukturprojekte zu beschleunigen, wird die sogenannte „Genehmigungsfiktion" eingeführt: Bleibt eine Behörde untätig, gilt ein Bauantrag nach Ablauf einer bestimmten Frist als genehmigt.

Automatisierte Sozialleistungen und digitaler Personalausweis

Die Reform sieht eine schrittweise Einführung antragsloser Sozialleistungen vor. Das Kindergeld in Höhe von monatlich 259 Euro soll ab 2027 automatisch ausgezahlt werden. In einer ersten Stufe ab März 2027 profitieren Eltern mit weiteren Kindern, ab November 2027 folgt die Automatisierung für Erstgeborene.

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Auch beim Personalausweis und der Meldebehörde tut sich einiges:
- Digitaler Ausweis: Bürger können künftig ihren Personalausweis online beantragen – das Dokument kommt per Post nach Hause.
- Bundesweites Register: Ein zentrales Pass- und Ausweisregister entlastet rund 6000 Gemeinden von Verwaltungsaufgaben.
- Unbegrenzte Gültigkeit: Für Menschen über 70 Jahre wird der Personalausweis zeitlich unbegrenzt gültig.
- Elektronische Meldepflicht: Die Wohnsitzanmeldung wird bundesweit digital zur Pflicht.

Bis 2027 soll zudem die „Deutschland-App" starten – mit künstlicher Intelligenz und einer freiwilligen digitalen Brieftasche. Die Schriftformerfordernis wird für viele Verwaltungsvorgänge durch die einfache E-Mail ersetzt.

Technische Basis: Der Deutschland-Stack

Als einheitliche technische Grundlage dient der sogenannte „Deutschland-Stack" (D-Stack). Er baut auf Kernkomponenten wie dem NOOTS-System, der eID/EUDI-Wallet und der FIT-Connect-Schnittstelle auf. Die Länder haben sich verpflichtet, an diese gemeinsame Architektur anzudocken. Experten rechnen mit einer Übergangszeit von drei bis fünf Jahren; die konkreten Meilensteine sollen bis Ende 2026 feststehen.

Dennoch gibt es regionale Unterschiede. Nordrhein-Westfalen plant ein eigenes Gateway-System – was Kritiker als mögliche Doppelstruktur mit höheren Integrationskosten für die Kommunen sehen. In Hessen verabschiedete das Kabinett am Donnerstag zudem ein landesspezifisches Bürokratieentlastungsgesetz, das 168 Regelungen in 70 verschiedenen Gesetzen streicht – darunter die Abschaffung von 123.000 vorgeschriebenen Sicherheitsbeauftragten für Unternehmen.

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Erfolg bei der Kfz-Zulassung

Die Digitalisierung zeigt bereits in einzelnen Bereichen Wirkung. Die App zur digitalen Kfz-Zulassung (i-Kfz) verzeichnete innerhalb des ersten Monats über eine Million Downloads. Die gesamte Modernisierungsagenda, die ursprünglich im Dezember 2025 gestartet war, soll die Bürokratiekosten um 25 Prozent senken. Ein umfassender Fortschrittsbericht wird bis Ende Juni erwartet. Das aktuelle Reformpaket soll noch vor Jahresende in Kraft treten.

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