VERVE-102: Einzelinjektion senkt LDL-Cholesterin bei 35 Teilnehmern um 60 Prozent
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die internationale medizinische Fachwelt diskutiert derzeit verstärkt über die Notwendigkeit einer frühzeitigen Prävention von Lipidstoffwechselstörungen. Im Fokus stehen dabei die Wirksamkeit kombinierter Lebensstilinterventionen sowie innovative pharmakologische Therapieansätze, die insbesondere bei genetisch bedingten Belastungen wie der familiären Hypercholesterinämie (FH) zum Einsatz kommen.
Leitlinien und medikamentöse Innovationen
Die Europäische Atherosklerose-Gesellschaft (European Atherosclerosis Society) hat ihre Leitlinien verschärft und strengere LDL-C-Zielwerte definiert. Einem Bericht vom September 2026 zufolge führt dies dazu, dass eine größere Anzahl von Kindern für neue Therapien in Betracht kommt. Es zeichne sich ein Trend zu einer früheren, intensiveren und stärker personalisierten Behandlung der familiären Hypercholesterinämie ab.
Ein Review in der Fachzeitschrift Current Opinion in Lipidology, verfasst von einem Autorenteam um Eelke Houter und Sibbeliene E. van den Bosch, analysierte die aktuelle Therapielandschaft für Kinder mit FH. Demnach sind PCSK9-Inhibitoren bereits für pädiatrische Patienten zugelassen und führen zu einer deutlichen Senkung des LDL-Cholesterins.
Die breite Anwendung werde jedoch durch die notwendige Injektionsform und hohe Behandlungskosten limitiert. Aktuelle klinische Studien untersuchen laut den Autoren derzeit orale PCSK9-Inhibitoren, Fixkombinationen sowie neue ANGPTL3- und MTP-Inhibitoren. Letztere könnten das LDL-C unabhängig von der LDL-Rezeptor-Aktivität senken, was sie besonders für die homozygote Form der FH geeignet mache.
Parallel dazu werden Ergebnisse zu neuen Gentherapien diskutiert. Dr. Ignacio Fernández Lozano, Präsident der Spanischen Gesellschaft für Kardiologie (SEC), verwies auf eine klinische Phase-1-Studie mit dem Präparat VERVE-102. Bei 35 Teilnehmern senkte eine Einzelinjektion das LDL-Cholesterin um über 60 %, wobei die Wirkung mindestens zwölf Monate anhielt.
Der Wirkmechanismus basiert auf der Deaktivierung des PCSK9-Gens mittels Lipid-Nanopartikeln. Lozano gab jedoch zu bedenken, dass Langzeitnutzen und Nebenwirkungen noch in größeren Studien mit 9.000 bis 10.000 Patienten bestätigt werden müssten.
Früherkennung und die Rolle von Screening-Programmen
Ein wesentlicher Baustein der Prävention bleibt die Früherkennung. Im Rahmen der ersten EU Screening Week, die für den Zeitraum vom 28. September bis zum 4. Oktober 2026 angekündigt wurde, bieten Apotheken in Österreich verstärkt Gesundheitschecks an. Nach Angaben der Österreichischen Apothekerkammer umfassen diese Angebote Messungen von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker sowie Lipidprofile und Vitamin-D-Bestimmungen.
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Dass solche Programme effektiv sind, zeigen Daten einer Diabetes-Vorsorgeaktion in Kärntner Apotheken. Bei knapp 5.200 Teilnehmern wurden 1.923 Fälle von Prädiabetes und 178 bislang unbekannte Diabeteserkrankungen identifiziert und zur ärztlichen Diagnose weiterverwiesen.
In Spanien haben laut der Spanischen Herzstiftung rund 55 % der Erwachsenen erhöhte LDL-Werte, wobei LDL ab 130 mg/dL als hoch eingestuft wird. Dr. Fernández Lozano wies zudem darauf hin, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte der Patienten die Cholesterinbehandlung innerhalb eines Jahres abbreche.
Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf das Diabetes-Risiko
Die Bedeutung des Lebensstils wurde in einer Analyse der City University of Hong Kong unterstrichen, die auf Daten der UK-Biobank von 56.964 Teilnehmern basiert. Die auf der EASD-Jahrestagung in Mailand präsentierten Ergebnisse zeigen, dass jede Erhöhung des Anteils hochverarbeiteter Lebensmittel (UPF) an der Ernährung um 10 % das Typ-2-Diabetes-Risiko um 7 % steigert.
Die Kombination aus einer geringen UPF-Aufnahme und körperlicher Aktivität – entsprechend der WHO-Empfehlung von mindestens 150 Minuten pro Woche – könne das Risiko signifikant senken. Bei hoher genetischer Veranlagung betrug die Risikoreduktion 49 %, bei mittlerer Veranlagung sogar 70 %.
Prof. Dr. Klaus Parhofer vom LMU Klinikum Großhadern betonte in diesem Zusammenhang, dass eine Senkung des LDL-Cholesterins unter 55 mg/dl bei über 90 % der Patienten zu einer Regression von Gefäßplaques führen könne. Er empfahl eine Ernährung mit ungesättigten pflanzlichen Fetten und Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten und Vollkorn.
Laut einer Metaanalyse senken etwa 170 g Hülsenfrüchte täglich das Bluthochdruck-Risiko um rund 30 %. Zudem könne die Aufnahme von 3 g Beta-Glucan, was etwa einer Schale Haferflocken entspricht, das LDL-Cholesterin um bis zu 15 % reduzieren.
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Präventive Strategien gegen Gefäßverkalkung und Demenz
Neuere Forschungsarbeiten untersuchen zudem den Zusammenhang zwischen Lipidmanagement und neurologischen Erkrankungen. Eine Auswertung dänischer Registerdaten von 132.585 Personen durch Forscher des Universitätsklinikums Kopenhagen ergab, dass eine frühzeitige Statinbehandlung im ersten Jahr nach einer Diabetesdiagnose mit einem um 15 % reduzierten Demenzrisiko innerhalb von zehn Jahren assoziiert war.
Eine Lancet-Expertenkommission schätzt, dass durch die Minimierung von 14 Risikofaktoren, darunter erhöhtes LDL-Cholesterin, jeder zweite Demenzfall verhindert werden könnte.
Hinsichtlich der Gefäßverkalkung untersuchte eine Studie des Cardiovascular Research Institute Maastricht den Einsatz von Vitamin K2 (MK-7). Bei rund 180 Teilnehmern verlangsamte die Gabe über zwei Jahre die Verkalkung um ein Viertel im Vergleich zu einem Placebo.
Co-Autor Peter de Leeuw ordnete die Effekte als moderat ein und betonte, dass der Nutzen eher in der Prävention als in der Behandlung bestehender Kalkablagerungen liege. Eine Rückbildung der Verkalkung wurde nicht beobachtet.
