Verstopfung, Trockenpflaumen

Verstopfung: Trockenpflaumen schlagen Flohsamenschalen deutlich

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 12:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Studien belegen Wirksamkeit von Pflaumen und Stuhltransplantationen, während Fachleute vor ungesicherten Darm-Kuren und radikalen Ernährungsweisen warnen.

Mikrobiom-Forschung: Neue Therapien und Warnungen vor Diät-Trends
Eine Auswahl gesunder Lebensmittel wie Papaya, Leinsamen und Trockenpflaumen auf einem Holztisch zur Darmgesundheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Wissenschaft entschlüsselt das Mikrobiom immer besser – von Pflaumen gegen Verstopfung bis zu Stuhltransplantationen bei Allergien. Doch Experten warnen vor ungesicherten Trends und radikalen Diäten.

Pflaumen schlagen Flohsamenschalen

Klinische Studien zeigen: Trockenpflaumen sind bei Verstopfung wirksamer als die klassische Empfehlung Flohsamenschalen. Bereits 100 Gramm täglich über drei Wochen verbessern Stuhlfrequenz und -konsistenz signifikant. Auch 150 Milliliter Pflaumensaft oder eingeweichte Früchte helfen bei akuten Beschwerden. Wegen des hohen Fruchtzuckergehalts raten Fachleute jedoch zu kleinen Portionen.

Ähnlich vielversprechend sind Ergebnisse zu Blähungen, die häufig durch schwefelwasserstoffbildende Bakterien wie Bilophila wadsworthia entstehen. In einer Studie mit 139 Teilnehmern reduzierte das Papaya-Enzym Papain nach 40 Tagen die Symptome deutlich. Leinsamen unterstützen die Darmfunktion ebenfalls – maximal zwei Esslöffel täglich, um die Blausäure-Aufnahme zu begrenzen.

Wenn der Darm das Gehirn beeinflusst

Die Darm-Hirn-Achse rückt zunehmend in den Fokus. Dr. Martin Walter, Forscher auf diesem Gebiet, wies Anfang August darauf hin: Bestimmte Ernährungsweisen fördern Entzündungen und können dadurch die Hirnfunktion verändern.

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Eine im Januar 2024 in Nature Communications veröffentlichte Studie zeigt zudem evolutionäre Zusammenhänge. Forscher verglichen rund 200 Stuhlproben von Menschen und Menschenaffen. Ergebnis: Bei Menschen in urbanen Räumen sind bestimmte Prevotella-Bakterien reduziert. Ein spezifisches Gen findet sich bei 90 Prozent der menschlichen Stämme, nicht aber bei denen der Affen. Die Wissenschaftler vermuten einen Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in modernen Gesellschaften.

Stuhltransplantation gegen Erdnussallergie

Einen ungewöhnlichen Therapieansatz testete das Boston Children's Hospital: 15 Probanden mit Erdnussallergie erhielten eine Stuhltransplantation. Sechs von ihnen vertrugen danach deutlich mehr Erdnussprotein. Eine Vorbehandlung mit Antibiotika verbesserte das Ansprechen. Der Mechanismus könnte in Gallensäuremetaboliten liegen, die regulatorische T-Zellen fördern. Größere Studien sollen das nun untersuchen.

Warnung vor Diät-Trends

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Blähungen nach dem Essen? Oft stecken schwefelbildende Bakterien dahinter. Eine Studie mit 139 Teilnehmern zeigt: Das Papaya-Enzym Papain lindert die Symptome deutlich. Unser Ratgeber verrät, wie Sie mit natürlichen Enzymen und der richtigen Ernährung Ihren Darm beruhigen. Ratgeber gegen Blähungen jetzt sichern

Trotz der Fortschritte mahnen Experten zur Vorsicht. Edzard Ernst kritisiert in einem aktuellen Fachbeitrag populäre Konzepte wie Darmspülungen, Parasitenkuren oder kommerzielle Mikrobiomtests zur Erkennung angeblicher Schlacken.

Auch extrem restriktive Diäten, wie sie Prominente propagieren, sehen Fachleute kritisch. Model Miranda Kerr beschrieb Anfang August in einem Podcast ihre Ernährung nach einer Proctitis-Diagnose: Sie meidet Weizen, Milchprodukte, Eier und Samenöle, setzt auf Bison, Hirsch und Noni-Saft. Ernährungswissenschaftler bewerten solche Pläne als wenig praktikabel und wissenschaftlich kaum begründet. Die Gefahr von Parasiten in herkömmlichen Lebensmitteln wie Sushi ist in vielen Regionen faktisch nicht haltbar. Zudem droht bei strengen Einschränkungen eine einseitige Nährstoffversorgung.

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