Vermögensabfluss, Millionäre

Vermögensabfluss: 400 Millionäre verlassen Deutschland 2025

25.06.2026 - 16:32:59 | boerse-global.de

Vermögende schlagen Erbe aus oder wandern ab. Steuererlasse in Bayern steigen auf 2,37 Milliarden Euro, während das Bundesverfassungsgericht die Privilegien prüft.

Erbverzicht und Steuerflucht: Wie Reiche in Deutschland reagieren
Vermögensabfluss - Hände legen ein Origami-Boot auf eine Karte Deutschlands, das die Verteilung von Vermögen und Entscheidungen symbolisiert. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während einige Reiche ihr Erbe ausschlagen oder spenden, verlassen andere das Land – die Steuerlast treibt sie ins Ausland.

Erben verzichten bewusst auf Millionen

Kai Viehof geht einen ungewöhnlichen Weg. Der Enkel des Allkauf-Gründers schlägt einen Großteil seines Erbes aus. Das Familienunternehmen war 1998 für rund eine Milliarde D-Mark an die Metro-Gruppe verkauft worden. Viehof steht damit in einer Reihe mit Sebastian Klein (Blinkist) und Marlene Engelhorn (BASF-Umfeld) – allesamt Vermögende, die mehr Umverteilung fordern.

Auch andere Modelle zeigen: Reichtum muss nicht gehortet werden. Der 87-jährige Otto Grugger übertrug ein 3.000 Quadratmeter großes Grundstück in München an eine Stiftung. Der Marktwert: rund zehn Millionen Euro. Doch statt Gewinnmaximierung entstehen dort 25 Sozialwohnungen. Das Grundstück war seit 1932 im Familienbesitz – gekauft für einen Bruchteil des heutigen Werts.

Steuererlasse in Milliardenhöhe

Die staatliche Praxis bei Vermögensübertragungen steht unter Beschuss. In Bayern wurden 2025 Schenkungsteuern von insgesamt 2,37 Milliarden Euro erlassen. Das ist fast das Dreifache des Vorjahreswerts. Pro Einzelfall lag die Steuerersparnis bei durchschnittlich 34,6 Millionen Euro.

Grundlage ist die Verschonungsbedarfsprüfung aus dem Jahr 2016. Sie greift ab einem Übertragungswert von 26 Millionen Euro. Experten wie Stefan Bach (DIW) und Andreas Peichl (Ifo-Institut) kritisieren das System scharf. Es ermögliche gezielte Steuervermeidung. Auch der Sachverständigenrat empfahl bereits Einschränkungen. Das Bundesverfassungsgericht prüft derzeit die Verfassungsmäßigkeit der Privilegien für Betriebsvermögen.

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Kapital gebunden – und abgewandert

Doch nicht nur Steuern sind das Problem. Felix Oldenburg, ehemaliger Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, warnt: Der nationale Wohlstand werde durch starre Verwaltung gefesselt. Stiftungen dienten zunehmend der Steuervermeidung – nur noch etwa die Hälfte der Neugründungen verfolge gemeinnützige Zwecke. Oldenburg fordert mehr Verfügungsgewalt für Erben, damit Kapital flexibler eingesetzt werden kann.

Die Zahlen zur Abwanderung sind alarmierend. 2025 verließen rund 400 Millionäre Deutschland. Der geschätzte Vermögensabfluss: 1,87 Milliarden Euro. Die Motive sind klar: hohe Steuerlast, Unsicherheit bei Sozialabgaben und Rentenreformen. Spitzensteuersatz und Kapitalertragsteuer treiben sie ins Ausland.

Immobilien clever übertragen – aber rechtliche Fallstricke

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Immobilienbesitzer aufgepasst: Ein aktuelles BFH-Urteil ändert die Besteuerung von Nießbrauch-Abfindungen. Wer clever vererben will, muss die neuen Regeln kennen. Unser Report liefert Ihnen die entscheidenden Checklisten und Gestaltungsmodelle. Steuerleitfaden für Immobilienvererbung sichern

Für Familien mit Immobilienvermögen werden Gestaltungsmodelle immer wichtiger. Die „Eigenheimschaukel“ oder Überkreuzschenkungen nutzen Freibeträge von 500.000 Euro für Ehegatten und 400.000 Euro für Kinder optimal aus.

Ein Urteil des Bundesfinanzhofs vom 10. Oktober 2025 sorgt für Klarheit: Wer auf einen Nießbrauch verzichtet und dafür eine Abfindung erhält, muss diese versteuern – sofern der Nießbrauch zuvor Mieteinnahmen generierte. Das Gericht gab damit seine bisherige Linie auf. Zudem gilt: Der Sonderausgabenabzug bei der Übertragung vermieteter Privatimmobilien gegen Versorgungsleistungen ist ausgeschlossen.

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