Vergesslichkeit: Forscher zeigen kognitiven Effizienz-Effekt
20.06.2026 - 18:30:10 | boerse-global.de
Aktuelle Studien aus der Neuropsychologie zeigen: Unter bestimmten Bedingungen kann Vergessen sogar ein Zeichen kognitiver Effizienz sein.
Forscher der University of Toronto fanden im Juni 2026 heraus: Das Gehirn filtert bewusst Nebensächlichkeiten, um Kapazitäten für wichtige Entscheidungen freizuhalten. Wer Trivia vergisst, schafft Platz für kreative Flexibilität.
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Erinnerungen verändern sich beim Abruf
Psychologische Untersuchungen zeigen einen weiteren spannenden Effekt: Erinnerungen werden jedes Mal neu konstruiert, wenn wir sie abrufen. Dieser Prozess der Rekonsolidierung macht das episodische Gedächtnis – es speichert persönliche Erlebnisse – resistenter gegen gezieltes Vergessen als das Fakten-Gedächtnis.
In der Arbeitswelt kann das bewusst Vergessen alter Routinen helfen. Wirtschaftspsychologen empfehlen, spezifische Hinweisreize zu entfernen, die alte Gewohnheiten triggern.
Social Media schadet dem Gedächtnis
Die kognitive Leistungsfähigkeit hängt stark von äußeren Faktoren ab. Eine Studie in „Frontiers in Psychiatry“ vom 18. Juni 2026 befragte über 900 junge Erwachsene. Das Ergebnis: Wer täglich mehr als fünf Stunden auf sozialen Plattformen scrollt, berichtet häufiger von Gedächtnislücken.
Die Ursache liegt in ständigen Unterbrechungen, die die Aufmerksamkeit beeinträchtigen. Das Gehirn kommt nicht zur Ruhe – und speichert schlechter.
Kochen senkt Demenzrisiko deutlich
Eine japanische Langzeitstudie mit rund 11.000 Teilnehmern liefert überraschende Präventionserkenntnisse. Regelmäßiges Kochen – mindestens einmal pro Woche – senkt das Demenzrisiko bei Männern um 23 Prozent, bei Frauen um 27 Prozent.
Besonders deutlich war der Effekt bei Personen mit geringen Kochkenntnissen. Die Forscher führen das auf die kognitive Herausforderung bei der Speisenzubereitung zurück.
Gürtelrose-Impfung schützt das Gehirn
Die klinische Forschung meldet ebenfalls Fortschritte. Eine Analyse in den „Annals of Internal Medicine“ untersuchte über 500.000 Personen ab 66 Jahren. Ergebnis: Die Impfung gegen Gürtelrose (Shingrix) korreliert mit einem um 24 Prozent geringeren Demenzrisiko.
Der Effekt tritt etwa ein Jahr nach der Immunisierung ein und zeigt sich besonders bei Frauen.
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Bluttest soll Alzheimer-Diagnose beschleunigen
Roche erhielt im Mai 2026 die CE-Kennzeichnung für einen neuen Bluttest. Er misst das phosphorylierte Tau-Protein 217 (pTau217) – eine minimalinvasive Alternative zu PET-Scans oder Liquor-Untersuchungen.
Ziel ist es, die Diagnosezeit für Alzheimer zu verkürzen. Derzeit vergehen im Schnitt 3,5 Jahre bis zur Diagnose.
Verstopfungsmittel verbessert Gedächtnisleistung
Eine Studie in „Psychological Medicine“ untersuchte im Juni 2026 einen überraschenden Wirkstoff. Prucaloprid, eigentlich ein Mittel gegen Verstopfung, zeigte bei Patienten mit abgeklungener Depression positive Effekte auf Gedächtnis und Reaktionszeit.
2 mg des Wirkstoffs über sieben bis zehn Tage aktivierten den 5-HT4-Serotoninrezeptor. Die Forscher warnen jedoch: Die Stichprobe war zu klein für eine Therapieempfehlung.
Gealterte Gehirnzellen als Risikofaktor
Wissenschaftler der Universität Málaga identifizierten einen neuen biologischen Risikofaktor. Seneszente Astrozyten – gealterte Gehirnzellen – können bei genetischer Vorbelastung (APOE4-Träger) das Alzheimer-Risiko verdreifachen.
Eine KI-Analyse von Plasmaproteinen bei über 60.000 Personen stützt diese Erkenntnisse zur beschleunigten biologischen Alterung des Gehirns.
Omega-3 enttäuscht in Studie
Nicht jede Hoffnung erfüllt sich: Eine zweijährige Doppelblindstudie der Keck Medicine of USC konnte für Omega-3-Fettsäuren keinen positiven Effekt auf die Kognition oder das Gehirnvolumen nachweisen.
