Vera Rubin: Nvidias neue KI-Plattform mit 7 Exaflops startet Q4
23.06.2026 - 03:30:06 | boerse-global.de
Die neue Architektur kombiniert Vera-CPUs mit Rubin-GPUs und modernster Netzwerktechnologie – und zielt auf die nächste Generation wissenschaftlicher Forschung und sogenannter „agentischer KI" ab.
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Die Plattform soll ab dem vierten Quartal 2026 verfügbar sein. Sie verspricht enorme Leistungssprünge für High-Performance-Computing (HPC) und KI-Workloads: Rack-Scale-Konfigurationen erreichen über 7 Exaflops KI-Leistung und 5 Petaflops FP64-Präzision.
Agentische KI als neuer Standard
Mit Vera Rubin vollzieht Nvidia einen strategischen Wandel hin zur agentischen KI im wissenschaftlichen Rechnen. Dabei übernehmen autonome KI-Agenten komplexe Forschungsaufgaben und Simulationen. Die Vera-CPU liefert laut Nvidia die siebenfache Leistung für URSA-Workloads und mehr als das Dreifache für allgemeine Simulationen – im Vergleich zu den x86-Prozessoren früherer Systeme wie Crossroads.
Die technischen Daten der Rubin-Generation können sich sehen lassen: Die Speicherbandbreite steigt um das 2,8-Fache gegenüber der Vorgänger-Architektur Blackwell. Ein einzelnes Rack fasst bis zu 144 GPUs und bietet rund 41 Terabyte HBM4-Speicher. Das Netzwerk nutzt den NVLink 6-Interconnect mit 260 Terabyte pro Sekunde Bandbreite, ergänzt durch Quantum-X800 InfiniBand und BlueField-4-Datenprozessoren.
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Für die Entwicklung agentischer KI-Anwendungen bringt Nvidia zudem die Software-Tools ALCHEMI, DAQIRI und cuPhoton mit – sie sollen wissenschaftliche Entdeckungen und Datenerfassungsprozesse beschleunigen.
Flüssigkeitskühlung als Schlüsseltechnologie
Ein zentrales Merkmal der Vera Rubin-Plattform ist die vollständige Flüssigkeitskühlung. Das System arbeitet mit Kühlmitteltemperaturen von bis zu 45 Grad Celsius in einem geschlossenen Kreislauf – herkömmliche Lüfter und Wasserverdunstung entfallen komplett.
Laut den auf der Hamburger Messe vorgestellten technischen Unterlagen senkt diese Kühlstrategie den Energiebedarf für die Kühlung um bis zu 40 Prozent. In günstigen Klimazonen ermöglicht die Plattform sogar den Betrieb von Rechenzentren ohne Kältemaschinen. Für eine 50-Megawatt-Anlage bedeutet das jährliche Einsparungen von über 4 Millionen Euro. Der Verzicht auf Lüfter erlaubt zudem eine höhere Rack-Dichte und reduziert den Platzbedarf für große Installationen.
Partner und Server-Blueprints
Mehrere große Hardware-Hersteller haben bereits angekündigt, die Vera Rubin-Plattform in ihre Produktlinien zu integrieren: Bull, Dell, GIGABYTE, HPE und Supermicro.
Dell präsentierte den PowerEdge XE8812-Server in der Vera Rubin NVL4-Konfiguration. Der Server ist Teil der Dell AI Factory und richtet sich an Unternehmen mit großen KI-Infrastrukturen. Er kommt lüfterlos mit Flüssigkeitskühlung aus und bietet 50 Prozent mehr Speicher pro Sockel als seine Vorgänger.
Supermicro stellte sein Data Center Building Block Solutions (DCBBS)-Blueprint für die Plattform vor. Diese skalierbare Einheit besteht aus acht Racks mit 1.152 Rubin-GPUs und 576 Vera-CPUs. Die Konfiguration benötigt 3,2 Megawatt Leistung und nutzt direkte Flüssigkeitskühlung für eine Wärmelast von 362 Kilowatt pro Rack.
Frühe Anwender und europäische Expansion
Mehrere renommierte Forschungseinrichtungen haben sich bereits als Erstanwender der Vera Rubin-Architektur bekannt. Das Los Alamos National Laboratory (LANL) entwickelt drei neue Systeme: Mission, Vision und Veritas. Das Mission-System, das 2027 in Betrieb gehen soll, nutzt 2.300 eigenständige Vera-CPUs für nationale Sicherheitsanwendungen. Vision konzentriert sich auf Grundlagenforschung, während Veritas mit 1.150 Vera-CPUs speziell für agentische KI ausgelegt ist.
In Europa plant das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) den Supercomputer Blue Lion, der 2027 die 30-fache Leistung heutiger Systeme bieten soll. Weitere geplante Installationen umfassen das Doudna-System am NERSC, das Kyber-System für InstaDeep sowie Infrastruktur für das Wellcome Sanger Institute und die Monash University.
Die Ankündigungen fallen mit einem breiteren Ausbau der KI-Infrastruktur in Europa zusammen. Aktuelle Berichte vom 22. Juni zeigen: 35 neue Nvidia-gestützte KI-Supercomputer entstehen in 23 europäischen Ländern und bieten mehr als 3 Millionen Forschern Zugang. Zu den jüngsten Hochleistungssystemen in der Region zählen der BSC MareNostrum5 in Spanien und der BavariaAI Blue Swan in Deutschland.
