Venenleiden, Lücken

Venenleiden im Alter: Lücken zwischen Leitlinien und Praxis schließen

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 13:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kerstin Protz erhält den DGPL-Forschungspreis 2026 für eine Analyse zur Kompression beim Ulcus cruris venosum und zur Versorgungspraxis.

DGPL-Forschungspreis 2026 für Kerstin Protz und Kompressionstherapie
Ein heller, steriler Behandlungsraum in einer medizinischen Einrichtung mit einer Untersuchungsliege und medizinischen Geräten. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Versorgung von Patienten mit chronischen Venenleiden steht vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft zunehmend im Fokus der Versorgungsforschung. Ein zentraler Aspekt ist hierbei die Anwendung der Kompressionstherapie, die als Goldstandard in der Behandlung venöser Beinleiden gilt.

Neue Impulse für diesen Fachbereich lieferte die 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL), die im September 2026 in Weimar stattfand.

Auszeichnung für Forschung zum Ulcus cruris venosum

Im Rahmen der wissenschaftlichen Zusammenkunft am 11. September 2026 wurde die Hamburger Versorgungsforscherin Kerstin Protz mit dem DGPL-Forschungspreis 2026 geehrt. Die Auszeichnung, die während des Festabends der Tagung überreicht wurde, würdigt wissenschaftliche Leistungen, die unmittelbar zur Verbesserung der Patientenversorgung beitragen können. Der Preis wurde von dem Medizintechnik-Unternehmen Julius Zorn GmbH gestiftet.

Gegenstand der Auszeichnung war die Übersichtsarbeit mit dem Titel „Mehr Druck aufbauen: Kompressionstherapie in Deutschland“. In dieser Untersuchung befasste sich Protz intensiv mit den Versorgungsstrukturen und der praktischen Anwendung von Kompressionsmaßnahmen beim Ulcus cruris venosum (UCV).

Die Arbeit analysiert den Status quo der Therapie und zeigt auf, in welchen Bereichen Optimierungsbedarf besteht, um die Heilungschancen der betroffenen Patienten zu erhöhen.

Epidemiologische Bedeutung und Herausforderungen in der Versorgung

Die Relevanz der prämierten Forschung wird durch aktuelle epidemiologische Daten unterstrichen. Das Ulcus cruris venosum, umgangssprachlich oft als „offenes Bein“ bezeichnet, stellt die schwerste Form der chronisch-venösen Insuffizienz dar. Den vorliegenden Daten zufolge sind in Deutschland etwa 0,2 % bis 0,5 % der Gesamtbevölkerung von dieser Erkrankung betroffen.

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Ein deutlicher Anstieg der Prävalenz zeigt sich mit zunehmendem Lebensalter. In der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen leiden fast 3 % an einem Ulcus cruris venosum.

Angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland ist davon auszugehen, dass die absolute Zahl der Betroffenen in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Dies stellt das Gesundheitssystem vor die Herausforderung, effiziente und evidenzbasierte Therapiemethoden flächendeckend sicherzustellen.

Die Rolle der Kompressionstherapie im klinischen Alltag

Die Kompressionstherapie bildet die Grundlage der Behandlung des UCV. Ziel ist es, durch externen Druck den venösen Rückfluss zu unterstützen und Ödeme zu reduzieren. Trotz der gesicherten Evidenz deuten Forschungsarbeiten wie die von Kerstin Protz darauf hin, dass in der praktischen Umsetzung Defizite bestehen können.

Die Titelwahl der Arbeit, „Mehr Druck aufbauen“, legt nahe, dass eine konsequentere und fachgerechte Anwendung der Kompression notwendig ist, um die Versorgungsergebnisse zu verbessern.

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In der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen sind fast 3 % vom offenen Bein betroffen — Tendenz steigend. Damit wächst der Druck auf Pflegeteams, Versorgungsabläufe verlässlich zu standardisieren. Unsere Checkliste führt Sie in festen Schritten von der Befunderhebung bis zur Verlaufskontrolle. Checkliste Ulcus cruris Versorgung sichern

Die DGPL dient dabei als Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Verleihung des Forschungspreises in Weimar unterstreicht das Bestreben der Fachgesellschaft und ihrer Partner aus der Industrie, wie der Julius Zorn GmbH, die Versorgungsforschung in der Phlebologie zu fördern.

Die prämierten Erkenntnisse leisten einen Beitrag dazu, die Lücke zwischen theoretischen Leitlinien und der alltäglichen Behandlungssituation in Kliniken und Arztpraxen zu schließen.

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