Vegane Ernährung: Vitamin-B12-Mangel führt zu Nerven- und Rückenmarksschäden
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine streng vegane Ernährung ohne ausreichende Supplementierung kann zu schwerwiegenden neurologischen Beeinträchtigungen führen. Ein medizinischer Fall aus dem Yuhang-Bezirkskrankenhaus in Hangzhou verdeutlicht die klinischen Konsequenzen einer unzureichenden Nährstoffversorgung.
Wie in einem Bericht vom 22. September 2026 dargelegt wurde, erlitt eine 42-jährige Patientin nach drei Jahren rein pflanzlicher Kost ohne Fleisch, Eier oder Milchprodukte massive Schäden am Nervensystem und am Rückenmark.
Klinisches Krankheitsbild und neurologische Folgen
Die Patientin stellte sich laut dem Klinikbericht mit Symptomen wie Taubheitsgefühlen, Gangunsicherheit und nächtlichen Schmerzen in den Beinen vor. Im weiteren Verlauf entwickelten sich motorische Schwierigkeiten, die sich beim Zuknöpfen von Kleidung sowie beim Wasserlassen bemerkbar machten. Die Mediziner diagnostizierten einen ausgeprägten Vitamin-B12-Mangel sowie eine subakute kombinierte Degeneration des Rückenmarks.
Fachärzte des Krankenhauses warnten in diesem Zusammenhang vor dem Risiko bleibender Schäden. Ein Vitamin-B12-Mangel bleibt oft über längere Zeit unentdeckt, da der menschliche Körper, vor allem in der Leber, Reserven von 1 bis 5 mg speichert. Diese Menge entspricht dem 1000- bis 2000-Fachen der täglichen Aufnahme, weshalb Mangelerscheinungen erst nach Jahren klinisch relevant werden können.
Empfehlungen zur Nährstoffversorgung und Supplementierung
Um derartigen Krankheitsverläufen vorzubeugen, definiert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) klare Richtwerte für die Zufuhr von Vitamin B12. Laut einem Bericht vom 21. September 2026 liegt der Tagesbedarf für Erwachsene bei 4 µg.
Schwangere benötigen demnach 4,5 µg und Stillende 5,5 µg. Die DGE betont, dass Veganer zwingend und dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen müssen, da pflanzliche Lebensmittel wie Sauerkraut, Shiitake-Pilze oder Meeresalgen wie Spirulina keine bedarfsdeckende Versorgung gewährleisten können.
Hinsichtlich der Dosierung von Nahrungsergänzungsmitteln rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass eine Einzeldosis nicht mehr als 25 µg Vitamin B12 enthalten sollte. Eine Untersuchung von Öko-Test, die 29 Präparate umfasste, zeigte jedoch, dass viele Produkte deutlich über diesen Empfehlungen liegen. Einige Präparate in Tropfenform lieferten demnach 400 bis 500 µg pro Tropfen.
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Die Wirksamkeit unterscheidet sich laut der Fachärztin Josephine Reiche aus Berlin nicht zwischen Tabletten und Tropfen. Ausschlaggebend seien die individuelle Aufnahmesituation und die Dosierung.
Bei Patienten mit bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen oder nach operativen Eingriffen könne eine Verabreichung via Spritze oder Infusion medizinisch sinnvoller sein. Daten zur Resorption zeigen zudem, dass die Aufnahmerate bei hohen Dosen stark sinkt: Während bei 1 bis 2 µg etwa 50 Prozent aufgenommen werden, sind es bei 1000 µg lediglich circa 1,3 Prozent.
Aktueller Forschungsstand zu pflanzenbasierter Ernährung
Wissenschaftliche Analysen untermauern die Risiken einer Fehlversorgung. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024, die 19 Studien berücksichtigte, stellte fest, dass Veganer im Vergleich zu Mischköstlern niedrigere B12-Serumwerte und höhere Homocysteinwerte aufwiesen. Ein systematisches Review von 141 Studien bestätigte zudem eine tendenziell niedrigere Zufuhr des Vitamins bei pflanzlicher Ernährung.
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Forschung auch dem Muskelerhalt im Alter. Eine randomisierte Studie mit 72 Probanden über 65 Jahre untersuchte die Auswirkungen einer zwölfwöchigen veganen Diät. Die vegane Gruppe verlor in diesem Zeitraum 0,61 Liter Oberschenkelmuskelvolumen, während der Verlust in der omnivoren Vergleichsgruppe nur 0,01 Liter betrug.
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Die fettfreie Körpermasse sank bei den veganen Teilnehmern um 1,15 kg, und das Körpergewicht reduzierte sich durchschnittlich um rund 2,9 kg. Selbst zusätzliches Krafttraining konnte diesen Effekt nur teilweise abmildern.
Neben Vitamin B12 identifizieren Experten weitere kritische Nährstoffe. Das BfR weist darauf hin, dass bei Verzicht auf tierische Produkte insbesondere auf die Versorgung mit Eisen, Zink, Eiweiß und Vitamin D geachtet werden muss.
Ein unerkannt bleibender Eisenmangel kann zu Anämie führen, die sich durch Müdigkeit und Konzentrationsstörungen äußert. Trotz dieser Risiken weisen vegetarisch lebende Menschen laut Fachberichten häufig Vorteile wie ein geringeres Risiko für Übergewicht und Bluthochdruck sowie günstigere Blutfettwerte auf.
