Vegane, Ernährung

Vegane Ernährung: Ammoniak steigt bei Mäusen nach Fasten auf das 2,62-Fache

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Genfer Tierversuch zeigt veränderte Glukose- und Ammoniakwerte; nach tierischem Protein normalisierten sie sich binnen ein bis zwei Tagen.
Laborumgebung mit Glasgeräten und wissenschaftlichen Messinstrumenten auf einem Edelstahltisch. Illustration mit AI erstellt.

Eine rein vegane Ernährungsweise kann den Leberstoffwechsel bei Nagetieren bereits innerhalb weniger Tage spürbar unter Stress setzen. Dies belegen detaillierte Laboranalysen eines Forschungsteams um Pierre Maechler an der Universität Genf (UNIGE), die im Fachjournal Molecular Metabolism (Band 113, 2026, DOI: 10.1016/j.molmet.2026.102435) erschienen sind.

Konkrete Stoffwechseldaten zeigen, dass der Wechsel von tierischen zu pflanzlichen Proteinquellen biochemische Anpassungen erzwingt, die vor allem die Glukoseproduktion und die Entgiftungsfunktion des Organs betreffen.

Messbare Veränderungen bei Blutzucker und Ammoniak

Im Zentrum der Untersuchung stand der direkte Vergleich zweier Gruppen von zwölf Wochen alten männlichen Mäusen über einen Zeitraum von vier Tagen mit zwei Mahlzeiten täglich. Beide Rationen enthielten jeweils 20 Prozent Protein. Während die Kontrollgruppe Kasein aus Milch erhielt, bestand die rein pflanzliche Diät der Vergleichsgruppe aus einer Mischung von Getreide und Hefe.

Bei den Tieren mit pflanzlicher Nahrung sank der Blutzuckerwert im gefütterten Zustand auf 7,72 Millimol pro Liter, verglichen mit 9,46 Millimol pro Liter bei der Kasein-Gruppe, deren Futter zur Hälfte Saccharose enthielt.

Noch deutlichere Unterschiede traten nach einer sechsstündigen Fastenperiode zutage: Bei den rein pflanzlich ernährten Tieren stieg die Ammoniakkonzentration im Blut auf das 2,62-Fache an, während der Harnstoffspiegel um 22 Prozent niedriger lag. Diese Messwerte weisen auf eine verlangsamte körpereigene Glukosebildung sowie eine verminderte Ausscheidung von giftigem Ammoniak hin.

Die Schlüsselrolle des Enzyms Glutamat-Dehydrogenase

Als biochemischer Dreh- und Angelpunkt dieser Stoffwechselreaktion erwies sich das Leberenzym Glutamat-Dehydrogenase (GDH). Nach zwei Tagen veganer Kost zeigte sich bei den Versuchstieren eine deutliche Reduktion der körperlichen Aktivität.

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Um die Bedeutung des Enzyms zu überprüfen, analysierten die Forschenden Yan Zhou, Angela M. Ramos-Lobo, Tingting Fu, Hector Gallart-Ayala, Julijana Ivanisevic und Pierre Maechler auch Mäuse ohne funktionierende Glutamat-Dehydrogenase.

Fehlt dieses Enzym, führt die pflanzliche Kost zu einer starken Anreicherung von Ammoniak im Organismus. Die Aktivität im Laufrad reduzierte sich bei diesen genetisch veränderten Tieren im Vergleich zu Kontrolltieren mit tierischer Proteinzufuhr um 67,4 Prozent.

Die Forschenden führen den beobachteten Effekt darauf zurück, dass die meisten pflanzlichen Proteine von Natur aus einen geringeren Anteil an verzweigtkettigen Aminosäuren aufweisen als tierisches Eiweiß. Genau diese Bausteine benötigt die Leber jedoch, um das Blut wirksam zu entgiften.

Reversible Effekte und ernährungspraktische Einordnung

Die beobachteten Beeinträchtigungen erwiesen sich im Versuchsverlauf als vollständig umkehrbar. Nach der Rückkehr zu einer Diät mit tierischen Proteinen normalisierten sich die Leber- und Blutwerte der Versuchstiere innerhalb von ein bis zwei Tagen.

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Aus den Ergebnissen leitet das Genfer Forschungsteam keine generelle Absage an eine pflanzenbasierte Ernährung ab. Bislang liegen ausschließlich Daten aus Tierversuchen und keine Humanstudien vor. Dennoch empfehlen Fachleute bei einer rein veganen Ernährungsweise eine gezielte Auswahl der Proteinträger.

Pflanzliche Quellen mit einem höheren Anteil an verzweigtkettigen Aminosäuren – darunter Nüsse, Tofu und Linsen – können dazu beitragen, den spezifischen Bedarf der Leber an diesen Proteinbausteinen verlässlich zu decken.

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