Vagusnervstimulation: 92 Prozent der Depressiven langfristig symptomfrei
06.07.2026 - 20:05:50 | boerse-global.de
Ein chinesischer Chip unterbietet die Echtzeitschwelle, ein Hautpflaster erkennt Herzinfarkte, und Novartis kauft für 1,1 Milliarden Dollar zu. Drei Tage Forschung, die das Bild von Hirn und Technik neu zeichnen.
Rekordchip aus Peking: 478-mal schneller als Nvidia A100
Ein Forschungsteam der Peking-Universität und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften hat einen Speicherchip entwickelt, der Hirnstrukturen in weniger als 3 Millisekunden nachbilden kann. Die Ergebnisse veröffentlichte das Team am 3. Juli 2026 in Science.
Mit einer Latenz von 2,12 Millisekunden pro Rechenschritt unterschreitet das System die kritische Echtzeitschwelle von 10 Millisekunden deutlich. Der Chip ist in einem 40-Nanometer-Prozess gefertigt und misst gerade einmal 0,28 Quadratmillimeter. Bei spezifischen Aufgaben arbeitet er bis zu 478-mal schneller als ein Nvidia A100.
Mögliche Einsatzgebiete? Brain-Computer-Interfaces, intraoperative Neuronavigation und die Frühdiagnostik von Alzheimer.
Hautpflaster erkennt Herzinfarkt mit 83,5 Prozent Genauigkeit
Ergänzend dazu stellte die University of Chicago im Mai 2026 in Nature Electronics ein neuartiges KI-Hautpflaster vor. Es enthält bis zu 10.000 organische elektrochemische Transistoren pro Quadratzentimeter.
In Tests identifizierte das System ein Herzinfarkt-Risiko mit 83,5 Prozent Genauigkeit. Kammerflimmern erkannte es sogar mit 99,6-prozentiger Präzision.
Rückenmarkstimulation: Schmerz von 8 auf 2 gesenkt
Das Uniklinikum Erlangen berichtet über Erfolge bei der Rückenmarkstimulation (SCS) gegen diabetische Polyneuropathie. Bei einer Patientin sank die Schmerzintensität auf einer Skala von 1 bis 10 von 8 auf 2. Die benötigten Schmerzmittel reduzierten sich entsprechend.
Die Testphase verläuft bei rund 70 Prozent der Patienten erfolgreich. Für die restlichen 30 Prozent forscht das Team an digitalen Zwillingen.
Vagusnervstimulation: 92 Prozent der Depressiven profitieren langfristig
Langzeitdaten der RECOVER-Studie aus den USA belegen das Potenzial der Vagusnervstimulation (VNS) bei therapieresistenter Depression. Bei Teilnehmern mit aktiver Stimulation zeigten 69 Prozent nach zwölf Monaten eine deutliche Verbesserung.
Nach 24 Monaten hielten 92 Prozent der starken Responder diesen Nutzen aufrecht. Ein Fünftel der Probanden galt nach zwei Jahren als symptomfrei.
Die RECOVER-Studie belegt: 92% der Depressiven mit aktiver Vagusnervstimulation bleiben langfristig symptomfrei. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Report, ob diese Methode auch für Sie oder Ihre Angehörigen infrage kommt. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Bionische Prothesen: Sensorisches Feedback im Tiermodell erfolgreich
Ein Team der MedUni Wien präsentierte eine Methode zur Wiederherstellung von sensorischem Feedback bei bionischen Prothesen. Durch die Umleitung durchtrennter Nerven zu neuen Muskel- und Hautarealen (Reinnervation) konnte im Tiermodell das Empfindungsvermögen zurückgewonnen werden. Eine vielversprechende Basis für Anwendungen beim Menschen.
Parkinson: EEG-Signatur soll Hirnstimulation steuern
Eine in Brain (2026) veröffentlichte Studie an Parkinson-Patienten identifizierte eine spezifische EEG-Signatur – die hochfrequente Beta-Gamma-Phase-Amplituden-Kopplung (PAC). Sie dient als Indikator für Bradykinese und Rigor. Künftig könnte diese Kopplung genutzt werden, um die Tiefe Hirnstimulation adaptiv zu steuern.
Teclistamab: Krebs-Medikament hilft bei autoimmuner Neuropathie
Das Uniklinikum Jena erzielte Behandlungserfolge mit dem Wirkstoff Teclistamab. Eigentlich für das Multiple Myelom entwickelt, führte die Therapie bei Patientinnen mit autoimmuner Neuropathie zum Verschwinden pathologischer Antikörper und einer verbesserten Nervenfunktion. Die Ergebnisse erschienen in Nature Communications (2026).
Auf dem Kongress der European Academy of Neurology (EAN) 2026 wurden zudem Fortschritte bei der CAR-T-Zelltherapie gegen Myasthenia gravis sowie neue Ansätze in der Protein- und Gentherapie bei frontotemporaler Demenz diskutiert. Für Multiple Sklerose wurden sogenannte „broad rim lesions“ als Marker für den Krankheitsfortschritt hervorgehoben.
Novartis kauft Myricx Bio für 1,1 Milliarden Dollar
Novartis gab am 6. Juli 2026 die Übernahme des britischen Biotech-Unternehmens Myricx Bio bekannt. Die Transaktion umfasst eine Vorabzahlung von 1,1 Milliarden US-Dollar sowie potenzielle Meilensteinzahlungen von bis zu 400 Millionen US-Dollar. Myricx entwickelt Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), unter anderem gegen das Zielmolekül B7-H3.
Personalien: Northwell Health und RWTH Aachen
Northwell Health ernannte Dr. Brian S. Kim am 6. Juli 2026 zum ersten Chief Biotechnology Officer. Er soll die Kommerzialisierung der Forschung im Bereich der bioelektronischen Medizin und Neuroimmunologie beschleunigen.
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Raphael Wittkowski von der RWTH Aachen erhielt den Alfried Krupp-Förderpreis 2026, dotiert mit 1,1 Millionen Euro. Seine Forschung an ultraschallgesteuerten, weichen Materialien zielt auf die Entwicklung künstlicher Muskeln und gezielter Wirkstoffabgabesysteme ab.
In Südkorea erhielt der Nanomedizin-Pionier Cheon Jin-woo am 6. Juli 2026 den Top Scientist and Technologist Award. Seine Arbeiten zur Magnetogenetik ermöglichen eine drahtlose Steuerung von Neuronen mittels Magnetfeldern.
