Vagusnervstimulation: 35 Prozent der Rheuma-Patienten profitieren
04.06.2026 - 17:23:24 | boerse-global.de
Während das Verfahren bei Epilepsie und Depressionen bereits klinisch anerkannt ist, untersuchen Forscher nun die Wirkung auf chronische Entzündungen. Eine aktuelle Studie liefert vielversprechende Ergebnisse – und mahnt zugleich zur Vorsicht vor übertriebenen Heilsversprechen.
Bewährt bei Epilepsie und Depressionen
Die Stimulation des zehnten Hirnnervs, der das parasympathische Nervensystem steuert, ist medizinisch kein Neuland. Prof. Dr. Thomas Schläpfer von der Universitätsklinik Freiburg bestätigt die gesicherte Datenlage: Bei Epilepsie-Patienten reduziert das Verfahren die Anfallshäufigkeit signifikant.
Anzeige: Die RESET-RA-Studie zeigt: 35 Prozent der Rheuma-Patienten profitieren von Vagusnervstimulation. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Leitfaden, welche Verfahren klinisch geprüft sind und wie Sie seriöse Anlaufstellen finden. Jetzt Leitfaden anfordern
Auch bei therapieresistenten Depressionen kommt die Methode zum Einsatz. Die wissenschaftliche Basis dafür stuft Schläpfer als fundiert ein. Voraussetzung für eine nachhaltige Wirkung ist jedoch eine invasive Stimulation: Ein Impulsgeber wird operativ im Halsbereich implantiert.
Rheuma-Studie: 35 Prozent der Patienten profitieren
Die RESET-RA-Studie, veröffentlicht in Nature Medicine 2026, untersuchte die Wirkung auf rheumatoide Arthritis. 242 Probanden nahmen teil, die Ergebnisse sind vielversprechend: Nach drei Monaten zeigten 35,2 Prozent der Patienten mit aktiver Stimulation eine klinische Verbesserung. In der Kontrollgruppe mit Schein-Stimulation lag die Rate bei 24,2 Prozent.
Bei längerer Anwendung könnten die Ansprechraten sogar auf über 50 Prozent steigen. Zudem fanden die Forscher Hinweise, dass die Stimulation das Fortschreiten von Gelenkschädigungen verlangsamt. Auch hier kamen implantierbare Systeme zum Einsatz – für die nötige Präzision der Impulse.
Nicht-invasive Methoden: Wissenschaftlich umstritten
Trotz dieser Fortschritte bleibt die Wirksamkeit nicht-invasiver Verfahren fraglich. Methoden über die Haut am Ohr sind wissenschaftlich nicht abschließend belegt. Schläpfer betont: Einfache Atemtechniken wie tiefes Durchatmen wirken zwar beruhigend – sie sind aber nicht mit klinischer Nervenstimulation gleichzusetzen.
Kritisch sieht die Fachwelt zudem die Darstellung in sozialen Medien. Dort verbreitete Heilsversprechen entsprechen oft nicht der wissenschaftlichen Realität.
Ausblick: Personalisierte Neuromodulation
Anzeige: Vorsicht vor übertriebenen Heilsversprechen in sozialen Medien! Unser Leitfaden hilft Ihnen, wissenschaftlich belegte von umstrittenen Verfahren zu unterscheiden – mit Checkliste und Studienübersicht. Kostenlosen Leitfaden sichern
Die Forschung schreitet dennoch voran. Am LMU Klinikum München startet im Juni 2026 die NeuroPain-Studie – sie untersucht Ultraschall-basierte Neuromodulation bei chronischen Rückenschmerzen.
Die klassische Vagusnervstimulation bleibt vorerst auf klinisch geprüfte Krankheitsbilder begrenzt. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie weisen zudem darauf hin, dass viele neurologische Erkrankungen durch modifizierbare Risikofaktoren beeinflusst werden können.
Eine Hamburger Untersuchung aus dem Frühjahr 2026 zeigt: Auch die Erwartungshaltung der Patienten beeinflusst den Therapieerfolg bei Depressionen. Der AXA/Ipsos Mind Health Report belegt parallel eine wachsende Offenheit für technologische Hilfsmittel – aber auch hohe Unzufriedenheit mit rein KI-basierten Anwendungen ohne medizinische Begleitung.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.
