Vagusnerv-Stimulation, Hoffnung

Vagusnerv-Stimulation: Neue Hoffnung bei Depressionen und Angst

02.05.2026 - 14:26:44 | boerse-global.de

Studien belegen Erfolge der Vagusnerv-Stimulation bei therapieresistenter Depression und Angststörungen. Zwei Verfahren konkurrieren um den Durchbruch.

Vagusnerv-Stimulation: Neue Hoffnung bei Depressionen und Angst - Foto: über boerse-global.de
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Seine gezielte Stimulation könnte Millionen Menschen mit Depressionen und Angststörungen helfen. Zwei Verfahren konkurrieren um den Durchbruch.

Der längste Hirnnerv des Körpers steuert unbewusste Funktionen wie Herzschlag und Verdauung. Im hektischen Alltag ist sein Gegenspieler, der Sympathikus, oft überaktiviert. Die Vagusnerv-Stimulation (VNS) soll das Gleichgewicht wiederherstellen und Entspannung fördern.

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Zwei Wege zur Stimulation

Invasive VNS (iVNS): Chirurgen implantieren ein Gerät unterhalb des Schlüsselbeins. Elektroden stimulieren den linken Vagusnerv im Hals mit schwachen Stromimpulsen. In Deutschland ist iVNS seit den frühen 2000ern gegen schwere Depressionen zugelassen.

Nicht-invasive VNS (tVNS/taVNS): Elektroden am Ohr stimulieren den Nerv von außen. Ausläufer des Vagusnervs liegen dort nah unter der Haut. Die Behandlung ist auf wenige Stunden täglich begrenzt – die Haut reagiert empfindlicher auf Strom als Nervengewebe.

Erfolge bei behandlungsresistenter Depression

Eine Studie der Washington University School of Medicine veröffentlichte im Dezember 2024 beeindruckende Ergebnisse. Fast 500 Teilnehmer mit schwerer, therapieresistenter Depression zeigten nach einem Jahr deutliche Verbesserungen. Symptome, Lebensqualität und Alltagsfähigkeit besserten sich spürbar.

Die von LivaNova USA finanzierte Forschung bestätigt frühere Erkenntnisse. Bereits 2013 zeigten Gehirnbildgebungsstudien: VNS bewirkt langfristige, positive Veränderungen im Gehirn. Metabolische Anpassungen waren Wochen vor der Stimmungsverbesserung messbar.

Hilfe bei Angst und Stress

Eine im März 2026 in Brain Stimulation veröffentlichte Studie dokumentierte signifikante Verbesserungen bei generalisierten ängstlichen Gedanken durch taVNS. Laut einer Analyse vom April 2026 reduzierte VNS Angstsymptome bei 60-70 Prozent der Patienten innerhalb von drei bis sechs Monaten.

Forscher der Universitätsklinika Tübingen und Bonn untersuchen die Methode in laufenden Studien. Professor Nils Kroemer vom Uniklinikum Tübingen erforscht die Auswirkungen auf Gehirn und Magen. Eine Bonner Studie, gefördert von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung, analysiert das Annäherungs-Vermeidungs-Verhalten in virtueller Realität.

Eine Studie in Applied Sciences (August 2025) zeigte: Eliteschützen profitierten von transkutaner Ohrstimulation. Stress, Wettkampf-Angst und Depressionen verbesserten sich signifikant.

Wie der Vagusnerv wirkt

Der Nerv übermittelt Informationen über Herzfrequenz, Atmung und Immunreaktionen. Forschungen deuten auf einen Zusammenhang zwischen Entzündungen und psychischen Erkrankungen hin. Entzündungen können die Funktion von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin beeinträchtigen – entscheidend für Stimmung und Energie.

Die Stimulation könnte entzündliche Prozesse blockieren. Auch die Kommunikation zwischen Darmmikrobiom und Gehirn läuft über den Vagusnerv. Eine gestörte Signalübertragung spielt eine Schlüsselrolle bei Stimmungs- und Emotionsregulation.

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Grenzen und Risiken

Professor Kroemer warnt vor überzogenen Versprechen. „Die aktuelle Forschung weiß noch zu wenig, wie und wann VNS bei gesunden Menschen gezielt eingesetzt werden kann“, sagt er. Besonders freiverkäufliche Geräte ohne medizinische Zulassung aus dem Internet seien kritisch zu betrachten.

Die Wirksamkeit nicht-invasiver Verfahren ist in großen Studien noch unzureichend belegt. Auch einfache Selbsthilfe-Methoden wie Atemübungen oder Massagen bleiben in ihrer dauerhaften Wirkung Forschungsgegenstand.

Die Vagusnerv-Stimulation ist kein Wundermittel. Aber sie eröffnet einen vielversprechenden Weg, die komplexen Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche besser zu verstehen und therapeutisch zu nutzen.

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