Vagusnerv-Stimulation: Akupressur schützt Pankreas bei Prädiabetes
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 23:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Forschung widmet sich verstärkt der Stimulation des Vagusnervs als therapeutischem Ansatz für eine Vielzahl von Erkrankungen. Im August 2026 legte Dr. Laber ein umfassendes Evidenz-Update vor, das insbesondere die Wirksamkeit der Stimulation über den Akupressurpunkt MA36, auch bekannt als Zusanli, beleuchtet.
Dieser Punkt gilt in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als zentral für die Regulierung physiologischer Prozesse und rückt nun vermehrt in den Fokus klinischer Untersuchungen zur vagalen Aktivierung.
Mechanismen der Pankreas-Protektion und Entzündungshemmung
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen, darunter eine im Jahr 2026 veröffentlichte Studie aus China, untermauern die Bedeutung des Punktes ST36 (Zusanli) für den Stoffwechsel. In Versuchen mit Mäusen im Stadium des Prädiabetes konnte nachgewiesen werden, dass Elektroakupunktur an diesem Punkt die Pankreasfunktion schützt.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Stimulation des Vagusnervs ein cholinerges Signaling auslöst, welches wiederum den Stress im endoplasmatischen Retikulum sowie die Seneszenz der Beta-Zellen reduziert. Experten betonen jedoch, dass zur Übertragbarkeit dieser Resultate auf den Menschen weitere Humanstudien zwingend erforderlich sind.
Über den Stoffwechsel hinaus spielt der Vagusnerv eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle von Entzündungsprozessen im Körper. Berichten zufolge steuert das Gehirn über den sogenannten entzündlichen Reflex Entzündungsreaktionen.
Klinische Daten belegen, dass eine gezielte Vagusnerv-Stimulation Entzündungsmarker bei Patienten mit rheumatoider Arthritis senken kann, ohne dass klassische Immunsuppressiva eingesetzt werden müssen. In Tiermodellen konnte zudem beobachtet werden, dass der Noradrenalin-Spiegel in der Milz bereits innerhalb weniger Minuten nach der Stimulation ansteigt.
Technologische Ansätze und minimalinvasive Verfahren
Die technologische Entwicklung im Bereich der Vagusnerv-Stimulation schreitet voran. Das Unternehmen Sedivention entwickelt derzeit einen Kryokatheter zur Behandlung von Adipositas. Bei diesem einmaligen, minimalinvasiven Eingriff werden Vagusnerväste im Bereich des Magens durch extreme Kälte von weniger als -80 Grad Celsius verödet.
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Das Unternehmen konnte eine Seed-Finanzierung sichern, um in den kommenden 1 bis 1,5 Jahren erste klinische Studien am Menschen durchzuführen. Umfragen deuten darauf hin, dass über 90 Prozent der Betroffenen eine solche einmalige Therapie gegenüber dauerhaften medikamentösen Behandlungen favorisieren.
Für die nicht-invasive Anwendung stehen bereits CE-zertifizierte Geräte wie das System Nurosym™ zur Verfügung. Solche Hilfsmittel zielen darauf ab, den vagalen Tonus zu stärken und die Herzratenvariabilität (HRV) zu erhöhen. Dies könne insbesondere bei Angststörungen unterstützend wirken, indem die Amygdala reguliert und Zustände von Anspannung oder Reizbarkeit reduziert werden. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass solche Geräte kein Heilmittel darstellen und eine fachärztliche Therapie nicht ersetzen können.
Praktische Anwendung, Hilfsmittel und Sicherheitsaspekte
Neben technologischen Lösungen werden vermehrt manuelle und thermische Methoden zur Aktivierung des Vagusnervs diskutiert. Das Rubin Institut empfiehlt für die tägliche Praxis Techniken wie die Resonanzatmung – mit vier Sekunden Einatmung und sechs bis acht Sekunden Ausatmung – sowie Kältereize im Gesicht bei Temperaturen von 10 bis 15 Grad Celsius für eine Dauer von 10 bis 30 Sekunden.
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Auch einfaches Summen über zwei bis drei Minuten könne die vagale Aktivität fördern. Eine regelmäßige Anwendung von 5 bis 20 Minuten täglich über einen Zeitraum von 4 bis 12 Wochen könne die HRV messbar verbessern.
Ergänzend dazu finden Verfahren wie die Kältetherapie über die Handflächen Anwendung. Anbieter wie Alpha Cooling® Professional nutzen dieses Prinzip, um das vegetative Nervensystem zu stimulieren und Beschwerden wie Arthrose, Rheuma oder Migräne zu lindern.
Im Bereich der Akupressur werden zudem Hilfsmittel wie das Kissen von BACKLAxx® angeboten, das mit 3312 Nadeln ausgestattet ist und für 38,42 Euro vertrieben wird. Während solche Produkte die Entspannung fördern können, ist eine spezifische medizinische Wirkung oft nicht belegt.
Fachärzte für Akupunktur, wie etwa Sabine Hargarter-Kornder, betonen die Bedeutung einer individuellen Diagnostik. Akupunktur nach TCM-Prinzipien könne insbesondere Nebenwirkungen von Chemotherapien, Migräne oder Spastiken nach einem Schlaganfall lindern.
Trotz der Potenziale mahnen Experten zur Vorsicht: Bei Herzrhythmusstörungen, bestehenden Herzschrittmachern, Schwangerschaft oder chronischen Hauterkrankungen sollte eine Vagusnerv-Stimulation nur nach strenger ärztlicher Abklärung erfolgen. Professionelle Stimulationsgeräte sollten zudem zwingend als Medizinprodukte der MDR-Klasse IIa zertifiziert sein.
