US-Produktivität: Wachstum überrascht mit 1,4 Prozent
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Arbeitsproduktivität in den USA wächst deutlich schneller als erwartet. Das Bureau of Labor Statistics meldet für das zweite Quartal einen Anstieg von 1,4 Prozent auf annualisierter Basis – Analysten hatten lediglich mit einem moderaten Plus gerechnet. Zum Vergleich: Im ersten Quartal lag der revidierte Wert noch bei 0,8 Prozent.
Effizienz steigt, Lohnkosten sinken
Bemerkenswert: Die Lohnstückkosten wachsen nur noch um 1,3 Prozent und liegen damit deutlich unter der Markterwartung von 2,1 Prozent. Die Stundenvergütung stieg im selben Zeitraum um 2,7 Prozent, im Vorjahresvergleich um 3,7 Prozent. Unternehmen produzieren also effizienter, ohne dass die Arbeitskosten proportional steigen.
Ein Indikator für diese Verschiebung: Der Anteil der Arbeitnehmer am nominalen BIP fiel auf ein Rekordtief von 52,9 Prozent – der niedrigste Stand seit Beginn der Datenerhebung 1947. Im ersten Quartal lag er noch bei 53,7 Prozent.
KI-Investitionen treiben das Wachstum
Ein zentraler Treiber der Entwicklung ist der KI-Boom. Goldman Sachs schätzt die US-Investitionen in Künstliche Intelligenz 2026 auf fast 600 Milliarden US-Dollar – etwa zwei Prozent des BIP. Laut Oxford Economics tragen diese Ausgaben etwa ein Drittel zum gesamten US-Wachstum bei.
Der direkte Produktivitätsbeitrag der KI bleibt bislang moderat. Analysen beziffern ihn bis Ende 2024 auf gerade einmal 1,1 Prozent. Die Infrastruktur wird dennoch massiv ausgebaut: Im Juni erreichte der Bau von Rechenzentren ein annualisiertes Volumen von 68,3 Milliarden US-Dollar. Auch die Hardware-Importe aus Taiwan spiegeln den Trend wider – von Januar bis Mai summierten sie sich auf 90 Milliarden US-Dollar.
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Die Kehrseite zeigt sich auf Unternehmensebene. SpaceX etwa steigerte den Umsatz im zweiten Quartal auf 7,81 Milliarden US-Dollar, machte aber einen Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar – unter anderem wegen KI-Investitionen von 15,83 Milliarden US-Dollar.
Arbeitsmarkt kühlt sich ab
Während die Produktivität steigt, verliert die US-Wirtschaft insgesamt an Tempo. Das BIP-Wachstum verlangsamte sich von 2,1 Prozent im ersten Quartal auf 1,5 Prozent im zweiten. Auch der Arbeitsmarkt schwächelt: Die offenen Stellen sanken im Juni um 178.000 auf rund 7,36 Millionen. Der Personaldienstleister ADP meldete für Juli lediglich 44.000 neue Stellen – die Erwartung lag bei 75.000.
Der Dienstleistungssektor bleibt dagegen robust. Der ISM Services PMI stieg im Juli leicht auf 54,1 Punkte – den 25. Monat in Folge oberhalb der Wachstumsschwelle. Allerdings zogen die Inputkosten deutlich an, der Preisindex liegt bei 70,3 Punkten.
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Zinsentscheidung im Fokus
Die Gemengelage aus steigender Effizienz, hohen Investitionskosten und abkühlendem Arbeitsmarkt rückt die Geldpolitik in den Mittelpunkt. Wegen des anhaltenden Lohndrucks bei Jobwechslern – hier verzeichneten Ökonomen ein Plus von 7 Prozent – wächst die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve im September. Der Zielkorridor liegt aktuell bei 3,5 bis 3,75 Prozent.
