KI-Regulierung: Trump setzt auf Selbstkontrolle der Techbranche
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 11:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Präsident Donald Trump will die Aufsicht über Künstliche Intelligenz trotz wachsender Sicherheitswarnungen den Entwicklern selbst überlassen und setzt auf freiwillige Kontrollen.
Trump setzt auf Eigeninteresse der Unternehmen
Nach einem Treffen mit Chefs großer KI-Unternehmen in Washington sagte Trump, die Firmen würden sich gegenseitig kontrollieren. Ihre wirtschaftlichen Interessen böten ausreichenden Schutz, weil ihre Unternehmen auf dem Spiel stünden, wenn etwas schiefgehe.
Zuletzt hatten eigenständige Hacking-Attacken durch KI-Modelle die Sorgen über mögliche Gefahren verstärkt. Branchenvertreter warnten zudem, es lasse sich nicht vollständig ausschließen, dass KI künftig die Menschheit auslösche.
Vereinbarung mit internen Kontrollen
Bei dem Treffen vereinbarten die Unternehmen eine Reihe von Grundsätzen. Dazu gehören robuste interne Kontrollen, die unter anderem Risiken durch Bio- und Chemiewaffen sowie Hacking-Attacken begrenzen sollen.
Die Firmen erklärten sich außerdem bereit, externe Beobachter zuzulassen. Ihre Verwaltungsräte sollen unabhängige Gremien einrichten, die interne und externe Berichte prüfen. Das Dokument wurde unter anderem von Dario Amodei, Elon Musk, Mark Zuckerberg, Sundar Pichai und Jensen Huang unterzeichnet.
Branche warnt vor Risiken
Anthropic-Chef Dario Amodei hatte zuvor dafür plädiert, die Entwicklung besonders leistungsfähiger Modelle zu verlangsamen, um einen Kontrollverlust zu vermeiden. Nach dem Treffen sagte er, KI habe großes Potenzial, berge aber auch sehr reale Risiken; konkrete Gegenmaßnahmen seien noch in der Diskussion.
Trump lehnt eine stärkere staatliche Regulierung weiterhin ab. Die USA dürften ihren Vorsprung gegenüber China nicht verlieren, betont er. Ein Marktexperte wertete die Äußerungen als Signal für freiwillige Selbstverpflichtungen und gegen ein umfangreiches staatliches Regelwerk, warnte aber zugleich vor den Grenzen der Selbstregulierung bei leistungsfähigeren Modellen.
OpenAI stellt KI-Agenten vor
OpenAI präsentierte unterdessen sogenannte Dots. Die KI-Agenten sollen eigenständig Aufgaben am Computer erledigen können, zunächst vor allem in beruflichen Bereichen wie Buchhaltung, Marketing oder Rechtsfragen. Der Zugang ist zunächst an ein Abonnement gebunden; ein Start in Europa soll folgen.
Meta hatte zuvor mit Muse einen ähnlich funktionierenden KI-Assistenten für Verbraucher in den USA gestartet. OpenAI-Manager Alexander Embiricos sagte, Dots könnten zwar auch für Alltagsaufgaben eingesetzt werden, seien aber vor allem für anspruchsvollere Tätigkeiten entwickelt worden.
Selbstkontrolle statt staatlicher Aufsicht
Trumps Kurs verlagert die Verantwortung für Sicherheitsprüfungen zunächst von staatlichen Behörden zu den Unternehmen, die an leistungsfähigeren Modellen verdienen. Die vereinbarten internen Kontrollen, externen Beobachter und unabhängigen Gremien schaffen zwar zusätzliche Prüfstellen, ersetzen aber kein verbindliches Sanktions- und Haftungssystem.
Der politische Hintergrund ist der Wettbewerb mit China. Trump stellt technologische Führerschaft als sicherheits- und wirtschaftspolitisches Ziel dar und warnt deshalb vor Regeln, die Entwicklung und Investitionen bremsen könnten. Zugleich wächst der Druck durch autonome Aktionen von KI-Systemen und durch Warnungen aus der Branche selbst.
Offene Folgen für Unternehmen und Nutzer
Für die Firmen bedeutet die Selbstverpflichtung zunächst mehr Spielraum bei Entwicklung und Markteinführung. Für Nutzer bleibt entscheidend, wie unabhängig externe Beobachter tatsächlich arbeiten, welche Informationen veröffentlicht werden und welche Folgen Verstöße haben. Ohne gesetzliche Mindeststandards können Sicherheitspraktiken zwischen Anbietern erheblich auseinandergehen.
Die Debatte dürfte damit nicht beendet sein. Überparteiliche Gesetzesinitiativen im US-Kongress zeigen, dass Fragen zu Transparenz, Haftung und Kontrolle politisch weiterbearbeitet werden. Besonders relevant wird, ob freiwillige Regeln mit dem Tempo autonomer KI-Agenten Schritt halten und ob Unternehmen Risiken offenlegen, die ihre eigenen Geschäftsinteressen berühren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Trump setzt bei KI auf Selbstkontrolle der Techbranche“ (30.09.2026)
Der Bericht bestätige, Trump wolle die Aufsicht trotz Warnungen vor existenziellen Risiken den US-Entwicklern überlassen. Anders als die dpa-Meldung stelle er zusätzlich die geplante Rolle eines möglichen Überwachungsgremiums und den politischen Bezug zu den Kongresswahlen heraus.
DER SPIEGEL: „USA: Donald Trump setzt bei Künstlicher Intelligenz auf Selbstregulierung der Techbranche“ (29.09.2026)
Der Artikel schreibe, Trump lehne spezifische gesetzliche Vorschriften weiter ab und bezeichne die Vereinbarung als moralisch bindend sowie als eine Art Verfassung. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf frühere KI-Zwischenfälle und auf Warnungen von Anthropic und OpenAI; offen bleibe, wie verbindlich die freiwilligen Kontrollen praktisch seien.
Beide Berichte bestätigten den Kern der Vereinbarung und Trumps Vorrang für Selbstregulierung. Unterschiede lägen vor allem darin, dass sie mögliche staatliche Begleitstrukturen sowie die politischen Folgen ausführlicher behandelten.
